Kurdistan - Erste Stellungnahmen - Proteste am Sonntag

Kurdistan - Erste Stellungnahmen - Proteste am Sonntag

Türkisches Militär bombardiert Ziele in Rojava

In der Nacht zum Sonntag meldeten die Demokratische Kräfte Rojavas (SDF; militärisches Selbstverteidigungsbündnis von Rojava) Bombardements der türkischen Luftwaffe auf Rojava. Berichtet wird von mehreren Angriffen auf Kobanê, unter anderem auf das Stadtzentrum.

Türkisches Militär bombardiert Ziele in Rojava
Heute finden zahlreiche Protestdemonstrationen statt (Foto: ANF)

Es gibt Berichte von türkischen Luftangriffen in weiten Teilen der Grenzregion in Rojava. Mindestens zwölf Menschen starben. Parallel bombardiert die Türkei kurdische Ziele im Irak, unter anderem Süleymania. Bislang gibt es noch keine Anzeichen für eine Bodenoffensive, aber die Türkei plant seit längerem die Eroberung eines Korridors von 30 Kilometer in Rojava. Es ist kaum glaubhaft, dass solche Angriffe ohne Absprache mit der NATO erfolgen.

 

Die MLPD protestiert gegen diese kriegerische Attacke des faschistischen Erdogan-Regimes und erklärt ihre Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf. Sie weist auf die enge Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der neuimperialistischen Türkei hin. Es ist bezeichnend, dass die Regierung gegenüber Russland den Bruch des Völkerrechts anklagt, bei ihrem Partner Türkei aber auffallend schweigsam ist. Auffallend ist auch, dass die Attacken kurz nach dem Gipfel der führenden 20 imperialistischen Länder in Bali stattfinden. Bei aller Konkurrenz sind sich die Imperialisten doch einig in ihren konterrevolutionären Attacken. Umso wichtiger ist die Stärkung der weltweiten antiimperialistischen Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg.

 

Zuvor hatte das türkische Regime als Rechtfertigung für solche Angriffe die Verleumdung verbreitet, kurdische Befreiungskämpfer hätten auf Anweisung aus Kobane einen in Wahrheit faschistischen Terroranschlag in Istanbul durchgeführt. Rote Fahne News berichtete.

Der Exekutivrat des Kurdischen Nationalkongresses (KNK) erklärt:

"Am 20. November um Mitternacht begannen türkische Kampfflugzeuge mit der Bombardierung von Krankenhäusern, Schulen und anderen zivilen Zielen in und um Kobanê, darunter das Dorf Belûniyê in Şehba, das von vertriebenen Kurd:innen aus Efrîn bewohnt wird, sowie das Dorf Teqil Beqil bei Qerecox in Dêrik im östlichen Teil der Autonomen Region Nord- und Ostsyrien. Türkische Kampfflugzeuge griffen auch das Getreidelager in der Region Dahir al-Arab in der Nähe von Zirgan und Gebiete im Qendîl- und Asos-Gebirge in Südkurdistan (Nordirak) an.

 

Anschlag in Istanbul sollte Vorwand liefern
Der Terroranschlag am Taksim, Istanbul, am 13. November wurde vom türkischen AKP/MHP-Regime geplant und ausgeführt, um einen Vorwand für diese tödlichen Bombenangriffe zu liefern. Ohne jegliche Untersuchung machte das türkische Regime die Volksschutzeinheiten (YPG), die Frauenschutzeinheiten (YPJ) und die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für diesen Anschlag verantwortlich. Obwohl die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD, die Dachorganisation der YPG und YPJ) und die PKK diese haltlose Anschuldigung sofort und vehement zurückwiesen, verbreitet der türkische Innenminister Süleyman Soylu, der seit langem eine feindselige Haltung gegenüber dem kurdischen Volk an den Tag legt, diese Unwahrheit im Namen des türkischen Staates weiter.

 

Erdogan will von der Niederlage gegen die Guerilla ablenken
Wieder einmal startet der türkische Staat eine unprovozierte Aggressionskampagne gegen die Kurd:innen, um von den verschiedenen Problemen der Türkei nach zwei Jahrzehnten unkontrollierter Herrschaft von Recep Tayyip Erdogan und der AKP abzulenken. Seit dem 17. April hat das Erdogan-Regime ununterbrochen Stellungen kurdischer Guerillakämpfer:innen in Südkurdistan angegriffen und dabei mehr als 2.700 Mal verbotene chemische Waffen eingesetzt. Dennoch hat der türkische Staat mit diesen Angriffen nichts erreicht, und die türkischen Streitkräfte haben die Leichen ihrer eigenen Soldaten verbrannt, um das Ausmaß ihrer Verluste zu verschleiern. Mit dem jüngsten False-Flag-Anschlag am Taksim in Istanbul hoffen Erdogan und die AKP/MHP, weiter von ihrer Niederlage in Südkurdistan abzulenken und eine Rechtfertigung für ihren verstärkten Krieg gegen die Kurd:innen in Rojava/Nord- und Ostsyrien zu liefern.

 

Grünes Licht auf G20-Gipfel erhalten
Erdogans bröckelndes Regime kann nur an der Macht bleiben, wenn es den historischen Widerstand des kurdischen Volkes gegen seine neo-osmanische Besetzung Kurdistans niederschlägt. Mit dem Anschlag in Taksim hoffte Erdogan, die Türkei als Opfer des von den Kurden verübten Terrorismus darzustellen, um auf dem G20-Gipfel in Bali grünes Licht für einen Angriff auf Rojava zu erhalten. Das scheint ihm gelungen zu sein, da das türkische Regime diese Angriffe nicht ohne die Zustimmung der Globalen Koalition zur Bekämpfung des IS, insbesondere der Vereinigten Staaten, durchführen kann."

Dachverband KON-MED

Der Dachverband der kurdischen Organisationen in Deutschland, KON-MED, wies laut ANF darauf hin: „Die Luftoperation könne nicht ohne Rückendeckung von EU, USA und NATO für Ankara erfolgen und auch Deutschland sei mitverantwortlich dafür, dass der türkische Staat nun das zu Ende bringen wolle, was dem selbsternannten IS seinerzeit nicht gelang.“

Proteste - Termine werden laufende aktualisiert

Weltweite Proteste laufen an, von Kobane über Frankreich bis Deutschland. #TurkeyAttacksRojava. Die kurdischen Verbände haben zu Eilprotesten aufgerufen. Demonstrationen fanden heute Nacht u.a. in Bern, Basel, Darmstadt, Hamburg und Düsseldorf statt. Für den heutigen Sonntag gibt es Protestaufrufe für Aktionen. Auch die MLPD beteiligt sich mit Delegationen.

 

  • Berlin: 16 Uhr Alexanderplatz
  • Dresden: 14 Uhr Albertplatz
  • Düsseldorf: 13 Uhr DGB-Haus
  • Frankfurt/M.: 13.30 Uhr Hbf
  • Freiburg im Breisgau: 14 Uhr, Platz der alten Synagoge
  • Göttingen: 14 Uhr Gänseliesel
  • Halle: 14 Uhr, Marktplatz
  • Hamburg: 14 Uhr Hbf Hachmannplatz
  • Hannover: 14 Uhr Hbf
  • Heilbronn: 14 Uhr Kliiansplatz
  • Landshut: 13 Uhr, am Rathaus
  • Leipzig: 14 Uhr Willi-Brandt-Platz
  • Magdeburg: 14 Uhr Hbf
  • München: 13.30 Uhr Karl-Stützel-Platz
  • Nürnberg: 14 Uhr Lorenzkirche
  • Stuttgart: 14:00 Uhr, Schlossplatz

 

Aktualisiert 11.00 Uhr