Fußball-WM in Katar

Fußball-WM in Katar

FIFA-Präsident Infantino schlägt zurück

„Ich denke, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren weltweit gemacht haben, da sollten wir uns die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, moralische Ratschläge an andere zu verteilen." (FIFA-Präsident Infantino, laut WAZ 22.11.22)

Korrespondenz aus Bochum

„Ich denke, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren weltweit gemacht haben, da sollten wir uns die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, moralische Ratschläge an andere zu verteilen." (FIFA-Präsident Infantino, laut WAZ 22.11.22)

 

Da sage noch einer, der Mann habe nicht Weitblick! In 3000 Jahren soll die FIFA gnädig erlauben, dass sich Fußballer und Fans empören, wenn für die FIFA über 6500 Arbeitsmigranten sterben mussten. Wenn Frauen und sexuelle Minderheiten täglich um ihr Leben fürchten müssen? Dabei ist in den Massenmedien die Unterstützung der faschistischen IS-Terroristen durch die faschistischen Herrscher in Katar noch kein Thema.

 

Man sollte den Mann aber nicht unterschätzen! In die Zukunft kann er schon denken. Wenigstens an seine eigene. Nach früheren Korruptionsskandalen hatte die FIFA gleich mehrere Kontrollorgane eingerichtet, die darüber wachen sollten, dass alles finanziell und moralisch sauber läuft. Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Infantino setzte im Mai 2016 durch, dass alle Mitglieder dieser Gremien von denen eingesetzt werden, die sie eigentlich kontrollieren sollen. Flugs setzte er seine Kumpel ein. (focus online, 21.11.22) Die WM findet dort statt, weil die Scheichs der FIFA Milliarden Dollar geben. Was Infantino erhielt, bleibt noch im Dunklen. Das öffentliche Jahresgehalt von der FIFA in Höhe von 2,7 Mio € lässt jedoch keinen Zweifel an seinen Motiven.

 

Die Logik von Infantino ist umwerfend: Die alten europäischen Kolonialmächte hatten nicht genug damit, ihre Bauern und Handwerker auszubeuten, sondern eroberten Kolonien, ermordeten oder versklavten hunderte Millionen. Und da sollten wir, die Nachfahren der Bauern, nicht das Recht haben, Sklaverei zu kritisieren? Die modernen Kolonialherren von heute, die international führenden Monopole, haben nicht genug damit, wenn sie die Arbeiter in „ihren" Ländern ausbeuten. Mit Hilfe von Geld und blutigen Kriegen unterwerfen sie andere Länder. Da sollen wir nicht das Recht haben, diese Ausbeuter und ihren faschistischen Terror zu verurteilen?

 

Der philosophische Zaubertrick von Infantino ist verblüffend. Er kennt keine Klassen, nur noch Nationalitäten. Neu ist das allerdings nicht. Bisher ist uns diese „Logik" besonders bei den Antideutschen begegnet. Nach deren Philosophie dürfe ein Deutscher keinen Juden kritisieren – und verhalte sich dieser noch so rassistisch gegenüber Palästinensern und Arabern. 2012 wurde das per Bundestagsbeschluss sogar zur Staatsreligion in Deutschland erklärt. Wer bisher glaubte, diese geniale Logik ließe sich nicht toppen - Infantino beweist: Es geht doch!

 

Was allerdings seinen philosophischen Verbündeten von den Antideutschen ein weiteres Problem bereitet: Nach Infantino dürften sie ja auch keine Araber und Palästinenser kritisieren. So gesehen könnte man Infantino fast dankbar sein, die Dummheit – und Menschenverachtung – auf die Spitze getrieben zu haben. Unter „Infantilismus" verstehen Mediziner, wenn sich Erwachsene aufgrund schwerer Schädigungen im Gehirn wie kleine Kinder verhalten. Was läge nun näher, als die Denkmethode von Infantino und der Antideutschen zu taufen? Vorschlag: philosophischer Infantilismus.