Europaweiter Streiktag am 2. Dezember

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Schwerer Arbeitsunfall: "Jetzt muss Schluss sein, uns reicht es!"

Am 23. November erschien eine Extraausgabe des "Stahlkocher", Zeitung von Kollegen für Kollegen. "Rote Fahne News" dokumentiert.

Von der Kollegenzeitung Stahlkocher
Schwerer Arbeitsunfall: "Jetzt muss Schluss sein, uns reicht es!"
Arbeiter überwachen Stahlproduktion (shutterstock_766375789)

Am 21. November 2022 gegen 20 Uhr wurde ein 23-jähriger Elektriker bei einem Arbeitsunfall im Warmbandwerk 1 (WBW1) von thyssenkrupp Steel Europe (tkse) Duisburg lebensgefährlich verletzt. Die Brammenfähre am Hubbalkenofen hatte ihn teilweise zerquetscht. Wir wünschen ihm auch von dieser Stelle eine gute und schnelle Genesung ohne bleibende Schäden.

 

Dieser Unfall ist das Ergebnis einer lang anhaltenden Unterbesetzung, wochenlang unterhalb der Notbesetzung, ständige Arbeitshetze und Druck. Auf diesem Hintergrund waren bereits zwei der vier Öfen ausgefallen. Jetzt wurde mit aller Gewalt versucht, den produktivsten Ofen 0 in Betrieb zu nehmen. Nicht nur im WBW1 ist es „normal“ geworden, allein statt zu zweit zu Reparaturen und in Gefahrenbereiche zu gehen. Kein Wunder, dass immer mehr Kollegen mit ihren Nerven am Ende oder krank sind. Dieser Unfall war vermeidbar! So was darf nie wieder vorkommen!

 

Es ist ein Unding, dass noch in der Nacht die Produktion wieder angefahren wurde und der Ofen 0 schon heute wieder in Betrieb genommen werden soll. Kollegen von der Schicht wurden die ganze Nacht vernommen und es wurde versucht, ihnen irgendein Fehlverhalten anzudichten. Der Schichtkoordinator wurde behandelt, als hätte er den Kollegen auf dem Gewissen, und man behauptete, der verunglückte Kollege hätte fahrlässig gehandelt. Fahrlässig sind aber Vorstand und Führungskräfte, indem sie massiven Druck ausüben und Missstände als „notwendiges Übel“ in Kauf nehmen. Damit haben sie sich schuldig gemacht, an diesen Händen klebt Blut!

 

Das sind: Herr Fischer als Teamkoordinator, der seit Monaten von der Unterbesetzung weiß und die Schuld auf die Personalabteilung schiebt.
Dabei ist er dafür verantwortlich, dass nicht genügend Zeit für die Reparatur gegeben und subtil Druck ausgeübt wird. Zudem Herr Iglbüscher, der bei der Befragung der Kollegen in der Nacht nur eine Frage hatte: „Können wir den Ofen 0 jetzt wieder in Betrieb nehmen und produzieren?!" Als Verantwortlicher für WBW1, KW1 und GWA trägt er die Verantwortung, weil er blockiert, dass zusätzliches Personal kommt. Schon im KW1 hat er sich 2020 einen Namen bei der Nichtübernahme eines Kollegen gemacht und ist bei den Kollegen verhasst. Zudem Herr Runke von der Werkssicherheit und direkter Bluthund des Vorstands, der wie in einem schlechten Krimi die beteiligten Kollegen unter Druck setzte und übelste Verhörmethoden angewendet hat.


Unterbesetzung, Arbeitsplatzvernichtung, ungenügende Wartung verbunden mit wachsender Arbeitshetze sind Methoden zur Profitsteigerung. Dafür gehen die Konzerne auch über Leichen. Dieser Kapitalismus und der Zwang zum Maximalprofit führt zu immer neuen und tieferen Krisen. Mit immer brutaleren Folgen für die Arbeiter und Angestellten. Im Kampf um die Neuaufteilung des Weltmarkts und im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg wird ein Dritter Weltkrieg von fast allen imperialistischen Ländern vorbereitet.

 

Dabei soll ein Arbeiterleben nichts zählen! In diesem Zusammenhang steht auch die Verschärfung der Ausbeutung. Personalvorstand Burkhard rühmt sich mit Rekordgewinnen, auch weil bereits 9.950 Arbeitsplätze im thyssenkrupp-Konzern vernichtet wurden (NRZ vom 18.11.22). Später wird vermeldet, dass sie keine 3.000. - Euro an uns bezahlen wollen. Wenn sie die Öfen im WBW1 zu Schrott fahren und eine Million Euro Schaden entstehen, sollen wir das zahlen?

 

Allein in diesem Jahr gab es bei tkSE mindestens sieben tödliche und lebensgefährliche Unfälle mit bleibenden Folgen. Zuletzt im Oktober kam ein junger bulgarischer Arbeiter auf der Hütte grausam ums Leben. Besonders schlimm ist es zu erleben, dass vor allem junge und weniger erfahrene oder ausgebildete Kollegen so schwer verunglücken. Das sind Zustände wie in Quatar!

 

Dieser Zustand kann und darf von uns nicht hingenommen werden! Wir dürfen uns nicht anpassen, Mängel akzeptieren oder sinnvolle Vorschriften. In Worten hält thyssenkrupp die Sicherheitsvorschriften hoch: „Erst Sicherheit, dann Produktion“. Doch die Realität sieht anders
aus und das weiß jeder. Deswegen keine Minute länger unterbesetzt arbeiten! Schaffung einer wirklichen Personalreserve. Auch wenn wir den Zwang nach Maximalprofit nur mit dem Kapitalismus abschaffen können, können wir durchsetzen, dass wirksame Sicherheitsvorschriften auch eingehalten werden! Und der Kapitalismus gehört auch auf den Müll!

 

  • Schluss mit der Politik der verbrannten Erde durch Thyssen-Krupp!
  • Durchsetzen können wir dies nur im Kampf, Stillstand der Anlage bis zur vollständigen Aufklärung und Sicherstellung, dass ein solcher Unfall nicht wieder vorkommt!
  • Beteiligen wir uns am europaweiten Streik- und Kampftag am 2. Dezember 2022 und organisieren den Protest am Tor. Es sind viele Rechnungen mit dem Vorstand offen!
  • Lohnnachschlag von 3000 € netto in diesem Jahr und Anhebung der Löhne und Gehälter ab Januar 2023 um 500 € / Monat!
  • Schluss mit dem Chaos in der Berufsausbildung! Für eine gründliche Ausbildung und die unbefristete Übernahme aller Azubis nach
    der Ausbildung!
  • Statt Fremdvergabe und Leiharbeit - für die Übernahme aller Kollegen, die dauerhaft bei tkSE arbeiten!
  • Bestrafung bzw. Kündigung der Verantwortlichen!