Diskussionen über das Verhandlungsergebnis

Diskussionen über das Verhandlungsergebnis

Metalltarifrunde: "Jeder, der fünf Minuten gründlich nachrechnet, wird wütend"

Mehrfach hatten wir folgende Situation auf der Arbeit. Ein Kollege sagt: "Das Tarifergebnis ist doch gar nicht schlecht, oder?" Dann rechnen wir genau nach. Mit jedem Fakt steigt die Unzufriedenheit – bis sie bei manchem auch in Wut umschlägt.

Korrespondenzen
Metalltarifrunde: "Jeder, der fünf Minuten gründlich nachrechnet, wird wütend"
(rf-foto)

»Warum wurden die Verhandlungen mit dem Ergebnis überhaupt abgeschlossen?« Fakt ist: Von 2018 bis Juni 2023 auf eine tabellenwirksame Lohnerhöhung zu warten, wird ebenso kritisiert wie die lange Laufzeit. »Was weiß ich denn, wie im Juni 2024 die Preise sind, wenn ich dann 3,3 % mehr Lohn bekomme?« Vom 1. Oktober 2022 bis 1. Juni 2023 nur eine Einmalzahlung von 1500 €? Das holt setzt die Geschäftsleitung noch schön von der Steuer ab. Damit zahlt die Gesellschaft mit! Danke, ihr lieben armen Rentner, für euren ungefragten Beitrag zu meiner Lohntüte! Außerdem sind das auf acht Monate keine 200 € mehr pro Monat – und das bei einer aktuell offiziellen Inflation von 11 %. Für uns sind das locker 400 bis 500 € monatliche Mehrausgaben. Wir gehen also mit einem Reallohnverlust aus der Tarifrunde. Vielfach sagen dann manche: »Mehr hatte ich nicht erwartet, es hätte schlimmer kommen können.« Aber was ist das für ein Maßstab? Ich argumentiere: »In früheren Zeiten wäre der Abschluss mehr in der Tasche gewesen. Aber bei einer Inflation wie seit 40 Jahren nicht mehr, ist das nicht hinnehmbar. Außerdem wurde unser Kampf abgewürgt, obwohl die Streikbereitschaft so groß ist wie lange nicht mehr. Wir wollten 24 Stunden oder mehrere Tage streiken. Allein die Angst der Konzerne davor war der Grund für den faulen Kompromiss. Wir hätten doch viel mehr erreichen können!«

 

In einem anderen Betrieb gab es die meiste Kritik gibt auch zur langen Laufzeit und  den ersten acht Null-Monaten. Eine Kollegin war sauer: „Wir brauchen doch das Geld jetzt, nicht erst im Juni!“ Ein anderer: „Wenn es die 5,2 Prozent ab Januar gegeben hätte, wäre ich zufrieden – so aber nicht.“ Sie stimmten dann zu, dass nur durch die kämpferischen Warnstreiks überhaupt eine tabellenwirksame Erhöhung  erreicht wurde, aber dass die Arbeiter zu viel mehr bereit waren. Tatsächlich war dem Metall-Kapitalistenverband die lange Laufzeit gerade deshalb so wichtig, um zwei Jahre keinen Tarifkampf erleben zu müssen. Jede Belegschaft, die schon mal gestreikt hat, kennt, wie hektisch die Geschäftsführung plötzlich reagiert. Dann sind die Arbeiter unabkömmlich und die Zukunft des ganzen Werks, wenn nicht der ganzen Stadt, hängt angeblich davon ab, dass sie wieder schnell an die Arbeit gehen. Die Arbeiter brauchen das Selbstbewusstsein, das in den Warnstreiks zu Tage trat, für weitere Kämpfe, angefangen  für einen deutlichen Lohnnachschlag. Dass das einen selbständigen Kampf erfordert und wie der organisiert werden muss, können sich viele Kollegen noch nicht richtig vorstellen. Das geht auch nur mithilfe der MLPD, ein guter Grund, sie jetzt zu stärken.