Solingen

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"BORBET hat 600 Mitarbeiter 'liebevoll' rausgeschmissen"

Mit Schildern wie diesem protestierten gestern am 2. Weihnachtsfeiertag ca. 50 Kollegen des Solinger Aluräderhersteller Borbet vor dem Tor auf einer viel befahrenen Straße. Auch Frauen und Kinder waren dabei.

Korrespondenz
"BORBET hat 600 Mitarbeiter 'liebevoll' rausgeschmissen"
(rf-foto)

Anfang Dezember wurde der Belegschaft Knall auf Fall mitgeteilt, dass die Firma zum Jahresende zumacht und alle knapp 700 Kollegen entlassen werden. Und das sogar ohne jede Abfindung und Sozialplan. Die Aktion war von Kollegen selbstorganisiert, nachdem weder der BR noch die IG-Metall in irgendeiner Form gegen diesen skandallösen Vorgang protesiert hatten.

 

Borbet Solingen will nach jahrelangem Tauziehen mit Betriebsrat und Belegschaft um die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen (Einführung einer Vollkontischicht) einschließlich Massenentlassung (zunächst sollten 195 Kolleginnen und Kollegen entlassen werden) und Lohnraub (der Rest sollte auf 25 Prozent des Gehaltes verzichten) das Werk zum 31.12.2022 schließen. Zwar behauptet das Unternehmen, ausschließlich wirtschaftliche Kennzahlen machten diesen Schritt nötig. Aber die Belegschaft und auch die MLPD glauben an eine politisch motivierte Aktion.

 

Borbet will keine kämpferische, klassenbewusste Belegschaft an einem ihrer fünf deutschen Standorte - noch mit Solingen - in der Unternehmensgruppe haben. Deshalb wurde eine Transfergesellschaft gegründet, in der die Belegschaft zu 80 Prozent ihres letzten Grundlohnes sechs Monate "aufgefangen" werden soll. Wer für die Gesellschaft unterschreibt, verzichtet auf sämtliche weiteren Ansprüche gegen den Konzern. Das scheint sich aber nur zäh zu entwickeln, denn ein Großteil der Belegschaft weigert sich, zu unterschreiben.

 

Wie es derzeit aussieht, wollen die meisten klagen und vor allem öffentlich Druck machen. Natürlich begleiten wir als MLPD-Bergisch Land, Orts- und Betriebsgruppe die Kämpfe der Borbetianer schon seit Jahren und sind auch jetzt wieder mit der Belegschaft auf der Straße. Am heutigen 27. Dezember findet um 13.00 Uhr die nächste Protestversammlung statt, wo beraten werden soll, wie es konkret weitergeht. Wir werden weiter berichten.