Tarifrunde

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Postbeschäftigte streiken bundesweit

In der Tarifrunde bei der Deutschen Post hat die Gewerkschaft ver.di zu bundesweiten Streiks aufgerufen. Den ganzen Tag über legen die Beschäftigten in Brief- und Paketzentren die Arbeit nieder.

Postbeschäftigte streiken bundesweit
Heute vor dem Streikzelt in Nürnberg

Die Tarifgespräche sind zum zweiten Mal gescheitert. An dem bundesweiten gewerkschaftlichen Streik, der gestern Nachmittag um 17 Uhr begann, beteiligen sich sehr viele Kolleginnen und Kollegen, wie ver.di mitteilt. Die Beteiligung war in der Nacht bereits sehr gut.

 

Die Gewerkschaft fordert 15 Prozent mehr Lohn für die rund 160.000 Tarifbeschäftigten in Deutschland bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. "Die Beschäftigten in den Betrieben werden nun eine klare Antwort geben und ihren Forderungen mit Streiks Nachdruck verleihen", kündigte die ver.di-Verhandlungsleiterin an. Die Weigerung der Post, die inflationsbedingten Reallohnverluste auszugleichen, bezeichnet sie zu Recht als Provokation, insbesondere angesichts der Milliardengewinne des Konzerns. Die Post will eine Vertragslaufzeit bis 2025. Das ist angesichts der Inflationsraten unzumutbar.

 

In Bayern nehmen mehr als 2.000 Postbeschäftigte teil - an bis zu 35 Zustellstützpunkten in Augsburg, Freising, München, Straubing, Regensburg, Passau, Würzburg, Nürnberg und weiteren Städten. Nachdem gestern die Beschäftigten in den Brief- und Paketzentren aufgerufen waren, die Arbeit niederzulegen, liegt der Schwerpunkt heute auf den Zustellerinnen und Zustellern. Am Streikzelt im Nürnberger Südosten hatten sich schon früh Kolleginnen und Kollegen eingefunden. Der Flächenniederlassungsbereich Nürnberg ist mit rund 5.500 Beschäftigen einer der größten in Bayern. ver.di kündigt eine Ausweitung der Streiks in den nächsten Tagen an. Die dritte Verhandlungsrunde ist am 8. und 9. Februar.

 

Der Postkonzern hält die Warnstreiks natürlich für "unnötig", die Forderungen für "überzogen", ihre eigenen "ökonomischen Realitäten" für "bescheiden". Ihren Hauptgewinn mache sie ja im Ausland. Selbst wenn - was spricht dagegen, aus diesen Konzernprofiten die Postbeschäftigten überall anständig zu bezahlen?

 

Fast eine Million Metallerinnen und Metaller haben sich im Herbst 2022 an den großen Warnstreiks in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie beteiligt. Der Plan der Kapitalisten, für den Krisen- und Kriegskurs eine Nullrunde durchzusetzen, wurde durchkreuzt. Ein fauler Kompromiss war das Tarifergebnis trotzdem, weil nicht die volle gewerkschaftliche Kampfkraft eingesetzt wurde. In der Post- und der Tarifrunde des Öffentlichen Diensts geht es jetzt um die volle Durchsetzung der aufgestellten Forderungen mit der Entfaltung der vollen gewerkschaftlichen Kampfkraft. Das wird dann auch ein Zeichen gegen die Abwälzung der Kriegs- und Krisenlasten auf die Massen und eine Ermutigung für Nachschlagskämpfe.