Frankreich

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Zwei Millionen streiken und demonstrieren gegen Rentenreform

Mit ca. 250 Demonstrationen und einer sehr großen Beteiligung bei den Streiks, über 40 Prozent im öffentlichen Dienst (Schulen, Verwaltung, Transport) und auch guter Beteiligung in den Betrieben, wo streiken schwieriger ist, war der gewerkschaftliche Aktionstag am 19. Januar gegen ein neues Rentengesetz ein voller Erfolg!

Korrespondenz von der UPML/gis
Zwei Millionen streiken und demonstrieren gegen Rentenreform
Foto: UPML

Die Botschaft: "Damit dürfen sie nicht durchkommen!" Die Anzahl der Beitragsjahre sowie das Renteneintrittsalter sollen erhöht werden. "Metro – boulot – caveau" hieß es auf Schildern: "Metro – Maloche und ab ins Grab".

 

Die Alten länger arbeiten lassen, heißt, die Jungen in die Arbeitslosigkeit schicken. Erneut ein Gesetz zugunsten der Kapitalisten, das die Kosten der Ware Arbeitskraft senken soll. Denn wer die "komplette Berufslaufbahn" nicht schafft, der muss gekürzte Renten hinnehmen.

 

In anderen Ländern wird länger gearbeitet, das wissen wir in Frankreich. Doch das Argument: Wer länger lebt, muss länger arbeiten, stößt bei vielen auf Widerspruch. Die erhöhte Arbeitsproduktivität, die schwindelerregenden Profite der Monopole, Milliarden Subventionen und Steuerflucht widerlegen die bürgerliche Rentenlüge von den leeren Kassen.

 

Ein harter Kampf steht bevor und es ist hoffnungsvoll, dass einzelne Bereiche bereits im unbefristeten Streik stehen. Das muss die Richtung sein, doch die Gewerkschaftsführung geht recht zaghaft ran. Bisher steht die gemeinsame Kampffront. Ein neuer gewerkschaftlicher Streik- und Aktionstag steht am Dienstag, dem 31. Januar 2023, bevor. Zuvor mobilisiert die linke Partei "La France insoumise" für nächsten Samstag alle diejenigen zu Demonstrationen, die nicht streiken können oder wollen.

 

Der Büchertisch der Union prolétarienne marxiste-léniniste (UPML) in Paris war schnell eingekreist. Ganze Schulklassen zogen vorbei. Doch bald standen die Menschen stundenlang, denn man kam nicht mehr weiter. Alle warteten geduldig eine Stunde und mehr, dass der Demozug sich in Bewegung setze. Alle waren hoch zufrieden angesichts der großen Beteiligung.

 

Gerade viele junge Leute diskutierten mit uns und weitaus mehr Themen als "nur" die Rentenfrage. Mit vielen waren wir uns einig, dass ein Alternative zum Kapitalismus absolut notwendig und dringend ist und der Sozialismus eine Lösung wäre. Aber was das heißt und wie dahin kommen, darüber gab es angeregte Diskussionen! Wir bekamen zahlreiche Adressen für die revolutionäre Weltorganisation ICOR und den Aufbau einer Einheitsfront gegen Imperialismus und Krieg. Unser Programmentwurf und die Ukrainebroschüre der MLPD waren schnell ausverkauft. Auch die Diskussionsrunden der UPML interessierten: Wir müssen uns mit den Erfahrungen vergangener Kämpfe und Revolutionen beschäftigen und eine Strategie entwickeln, uns organisieren. Der Kampf geht in die nächste Runde und wir werden ihn für den Parteiaufbau zu nutzen wissen.

 

In Deutschland sparten die Nachrichtensendungen und Medienberichte nicht mit kopfschüttelnden Kommentaren: Unfassbar, wo man bei uns bald bis 67 arbeitet und von Monopolvertretern Rente mit 70 gefordert wird, da machen die Franzosen wegen Rente mit 64 statt 62 ein solches Theater? Sorgenvoll fragt die Nachrichtensprecherin in den Tagesthemen: Ob Macron auch dieses mal wieder einknickt wie mehrfach in den letzten Jahren? Umgekehrt wird ein Schuh daraus! Die Arbeiterinnen und Arbeiter in Frankreich haben völlig recht, gegen diese Rentenpläne zu kämpfen! Warum mit Lebensjahren und Altersarmut bezahlen für den Krisen- und Kriegskurs von Monopolen und Staat? Auch in Deutschland wären anständige Renten und ein Renteneintrittsalter mit 60 und mit 55 für Frauen und Schwerarbeiter, wie die MLPD sie fordert, selbstverständlich finanzierbar. Wie wäre es, den bekannten Schlachtruf "Kämpfen wie in Frankreich" zu erweitern auf "Kämpfen wir gemeinsam länderübergreifend in Frankreich und in Deutschland!"

 

Das Rentenkonzept der MLPD

 

Auf dem Plakat steht: Proletarier, aller Länder, vereinigt euch! Kampf gegen den Imperialismus - Für Arbeiterrechte, Frieden, Freiheit - Sozialismus!