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"Rekordprämie" - Was verspricht sich der Mercedes-Vorstand davon?

Höchste sogenannte „Ergebnisbeteiligung“ für das Jahr 2022 bei Mercedes-Benz: 7300 Euro, die mit dem April-Lohn ausgezahlt wird, und damit um 1300 Euro höher ausfällt als im Vorjahr.

Von wb

Auf diese Entscheidung haben die Stammbeschäftigten gewartet. Schließlich fressen die Inflation und insbesondere die horrenden Energiepreise die Tariflöhne auf. „Mercedes belohnt seine Beschäftigten“, titelt die Stuttgarter Zeitung. Was nach einem großzügigen Geschenk des Vorstandes an  seine „lieben Mitarbeiter“ klingt, ist in Wirklichkeit Teil des Lohnes. Dieser und die Sonderzahlung sind aber nur ein Bruchteil des von den Arbeitern im Austausch mit der Natur geschaffenen Mehrwerts bzw. Profits [1]. Den größten Teil  eignen sich die Aktionäre, Banken und Vorstände an. So rechnen Börsenexperten mit einer Dividendenauszahlung an die Aktionäre von 12,80 Euro je Aktie. Da der Aktienkurs aktuell bei rund 66 Euro liegt, würde sich das angelegte Kapital der Aktionäre um 19,4 Prozent verzinsen!

 

Von den insgesamt 170.000 Beschäftigten im Mercedes-Konzern erhalten aber nur die 93.000 Stammbeschäftigten in deutschen Werken die Sonderzahlung. Teilzeit-Beschäftigte erhalten diese anteilig, was insbesondere Frauen betrifft, die ihre Arbeitszeit wegen der Verantwortung für die Kinder reduziert haben. Und die vielen Leiharbeiter, die gleichermaßen zum Rekordprofit von Mercedes ihre Knochen hingehalten haben, sollen auf Initiative des Betriebsrates hin zum ersten Mal 10 Prozent der „Ergebnisbeteiligung“ erhalten. Diese Spaltung darf nicht hingenommen werden: Volle Auszahlung  für alle Beschäftigten!

 

Die Spaltung wirkt auch gegenüber anderen Belegschaften. Die Zahlung ist in erster Linie eine Reaktion auf die sich verbreitende Unterstützung der Forderung nach einem selbständigen Kampf um einen Lohnnachschlag. Das politische Ziel, das der Daimler-Vorstand mit der Prämienzahlung verbindet, ist, einem selbständigen Kampf um einen Lohnnachschlag den Wind aus den Segeln zu nehmen. Darüber hinaus geht es den Monopolen mit solchen Prämien darum, das Gift der kleinbürgerlichen Denkweise in den Belegschaften zu verbreiten.

 

Wichtig zu wissen ist auch, was sich der Vorstand außerdem davon verspricht. „Die Erfolgsbeteiligung werde sich künftig 'für alle Beschäftigtengruppen noch stärker an der Zielerreichung des Unternehmens und der konsequenten Umsetzung der nachhaltigen Unternehmensstrategie ausrichten'. Besonders wichtig ist, ob die finanziellen Ziele für den Betriebsgewinn ... erreicht werden.“ [2] Deshalb wird erwartet, dass die aus der Daimler-Konzernaufspaltung hervorgegangen Belegschaft von Daimler Truck AG aufgrund der geringeren Rendite im LKW-Bereich eine geringere „Ergebnisbeteiligung“ bekommt.

 

Mit der Umstellung der „Ergebnisbeteiligung“ will der Mercedes-Vorstand das „unternehmerische Denken“ der Arbeiter fördern. Konsequent zu Ende gedacht, wäre es demach am besten, wenn sich die Kollegen selbst wegrationalisieren oder auf Lohn verzichten würden, damit der Gewinn weiter steigt. Doch so schizophren denken wir nicht, Herr Källenius (Mercedes-Chef)!

 

Eine andere Frage ist, ob sich die Mercedes-Beschäftigten angesichts der Rekordzahlung von der Bewegung für einen selbständigen Kampf um Lohnnachschlag fernhalten lassen. Aber selbst diese Summe deckt nur die Reallohnverluste der letzten 2-3 Jahre ab. Einmalzahlungen gehen nicht in die Tabelle ein. Auch die Mercedes-Kollegen brauchen einen 20%igen monatlichen Lohnnachschlag. Dieser Vorschlag der MLPD finden auch viele Mercedes-Arbeiter richtig  – auch als Schlussfolgerung aus dem Tarifabschluss Ende 2022. Und nicht zuletzt braucht es Streikerfahrungen aus selbständigen, branchenübergreifenden Kämpfen gegen die Abwälzung der Kriegs- und Krisenlasten und Kriegskurs von Regierung und Monopolen!