Asylrecht

Asylrecht

Ein Asylprozess der (nicht) besonderen Art

Unser Freund hatte kürzlich seinen Asylprozess beim Verwaltungsgericht in Stuttgart. Es kamen einige Freunde zusammen. Was wir dort erlebten, hat mich echt erschüttert. Der Anwalt sagte im Nachgang, der Richter sei „durchschnittlich“ gewesen.

Korrespondenz aus Esslingen

Der Prozess erinnerte mich eher an ein Polizeiverhör als an eine „echte Asylprüfung“. Anfangs wurden dem Anwalt „Recherchen“ aus dem Internet zum Heimatland vorgelegt. Zusätzliche Aussagen des Richters zu „sicheren Zonen“ im Land folgten der reaktionären Bundespolitik angeblich „sicherer Heimatländer“ des ausgehöhlten Asylrechts.

 

Durchgängige Methode war, immer wieder gleiche oder ähnliche Fragen zu stellen, weil sie angeblich ungenügend beantwortet worden waren. Und um zu versuchen, unseren Freund in Widersprüche zu verwickeln. Das gelang allerdings nicht, weil die Wahrheit eben die Wahrheit bleibt. Immer wieder kamen Fragen zu angeblich widersprechenden Aussagen im Protokoll der letzten Anhörung. Damals war unser Freund durch das Erlebnis einer Messerattacke in einem psychischen Ausnahmezustand. Obwohl er und sein Anwalt sowohl Zusammenhang als auch Umstand glaubhaft darlegten, wurde ständig darauf herumgehackt.

 

Trotz ausführlicher Darstellung wurde sein Fluchtgrund – als vogelfrei markiert zu sein, damit Mitglieder aus dem familiären Groß-Clan seines Heimatlandes mit ihm alles machen können, was sie wollen: von Vergewaltigung bis zur Ermordung – misstrauisch hinterfragt und der bewiesene Wahrheitsgehalt wurde gebetsmühlenartig in Zweifel gezogen.

 

Sehr mutig, ruhig und authentisch hat unser Freund auch diese Prozedur geschafft. Überhaupt hat er mit unglaublicher Ausdauer mehr als zwei Stunden Frage um Frage beantwortet. Ich war dagegen fix und alle. Mein Lernprozess zu diesem „Durchschnittsprozess“: Es muss viel öffentlicher gemacht und angeklagt werden, wie die reaktionäre Abschiebepraxis der Regierung in rassistischer und homophober Unmenschlichkeit gegenüber (afrikanischen) Geflüchteten umgesetzt wird.

 

Mir bleibt heute immer noch der Mund offen und von der viel gepriesenen Menschenwürde ist nichts übrig geblieben.