Nach verhindertem Überfall von paramilitärischem Schlägertrupp
Gräfenhausen: Streikende LKW-Fahrer wollen weiterkämpfen
Am Karfreitag hat der polnische Spediteur Lukasz Mazur einen paramilitärischen Schlägertrupp damit beauftragt, den Streik von 50 LKW-Fahrern auf der Raststätte Gräfenhausen an der A5 in der Nähe von Darmstadt niederzuschlagen!
Die meisten der Trucker stammen aus Georgien und Usbekistan und sind Scheinselbständige. Sie sind in den Streik getreten, weil sie von Mazurs polnischer Großspedition, für die sie fahren, seit über 50 Tagen kein Geld gesehen haben.
Teils mit panzerähnlichen Fahrzeugen und der Aufschrift "Rutkowski Patrol" schickten sich 18 Männer mit schusssicheren Westen und schwarzer Bekleidung unter Mazurs persönlicher Führung an, den Streik gewaltsam zu beenden. Auch hatten sie in drei kleinen Bussen gleich Streikbrecher mitgebracht, die sie „in der Nacht auf anderen Rastplätzen aus ihren eigenen Lastern geholt“¹ hatten. Doch den brutalen und in der deutschen Geschichte wohl einmaligen Angriff auf Streikende in Deutschland konnte die von Gewerkschaftern gerufene Polizei mit einem Großaufgebot verhindern.
Die Schläger des polnischen Unternehmers und Ex-EU-Abgeordneten Krzysztof Rutkowski sind in Polen und - durch ihre "Auslandseinsätze" - auch in anderen Ländern berüchtigt. Es muss davon ausgegangen werden, dass dieser enge Verbindungen zu Neofaschisten hat. Jedenfalls trug das Schlägerkommando, das in Gräfenhausen auftauchte, einschlägige Szenekleidung. Dass Rutkowski bis heute nicht konsequent für seine faschistischen Umtriebe bestraft und daran gehindert wird, wirft ein Licht auf die faschistoide Rechtsentwicklung der polnischen Regierung.
Doch durch diesem faschistischen Streikbrecher-Einsatz lassen sich die Fernfahrer nicht von ihrem Kampf abhalten. So sagte der Fahrer Ruslan einem Reporter: „Wir haben bis jetzt durchgehalten, wir wollen weiterkämpfen. Wir haben keine Angst. Wir lassen uns nicht einschüchtern.“² Dabei hilft den Streikenden die breite Solidarität: „Hilfe kommt auch in Form von zusätzlichem Treibstoff, den die Gewerkschaft ver.di den Fahrern vorbeigebracht hat, damit sie in den Nächten nicht frieren müssen. Eine Familie bringt ein paar Kilo Nudeln und eine Palette Tomatensoße vorbei - immer wieder erfahren die Fahrer spontane Solidarität.“¹ Selbst aus Korea kommen solidarische Grüße: “Truck Drivers in Europe stay strong!“³ (LKW-Fahrer in Europa, bleibt stark!)
"Was wir hier erleben, ist leider ein Stück weit traurige Realität im Güterverkehr in Europa", sagte der hessische DGB-Chef Michael Rudolph. "Es gilt der Lohn des Landes, in dem gefahren wird." Die Realität sei leider eine andere. Er fordert mehr und bessere Kontrollen, auch zur Ahndung von Verstöße gegen das Mindestlohngesetz.¹