Jahrestag

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Vor 90 Jahren: Die Rieseberg-Morde

Heute vor 90 Jahren ermordete die SS elf Kommunisten auf dem Pappelhof bei Rieseberg, 30 Kilometer östlich von Braunschweig. Ab der Machtübertragung zeigten die Hitler-Faschisten, dass ihre Herrschaft offen terroristisch sein würde.

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Vor 90 Jahren: Die Rieseberg-Morde
1983 wurde ein Mahnmal in Rieseberg aufgestellt. (Bild: Wikipedia, kein Copyright)

Die Faschisten nannten die Mordtat „Vergeltung“ für den Tod des SS-Manns Gerhard Landmann. Dieser war bei einem Schusswechsel zwischen SS-Leuten am 29. Juni 1933 tödlich getroffen worden. Zwei Gruppen von SA und SS hatten im Braunschweiger Arbeiterviertel Eichtal nach Personen gesucht, die illegale Flugblätter gegen das Regime verteilt hatten. Die Faschisten in Zivil hielten sich gegenseitig für die Gesuchten und eröffneten das Feuer. Obwohl Ermittlungen von SA, SS und Polizei einhellig zu dem Ergebnis kamen, dass der Todesschütze nur ein SS-Mann gewesen sein konnte, entschieden der Landespolizeichef, SS-Gruppenführer Friedrich Jeckeln, und Innenminister Dietrich Klagges, den Tod Landmanns den Kommunisten anzulasten.

 

Die Fahndung nach den "flüchtigen Mördern" Landmanns war der Vorwand dafür, mehrere Hundert Kommunisten in faschistische Folterkerker zu verschleppen. Nach mehreren Tagen der Folter "gestand" der 20-jährige KPD-Mann Alfred Staats den Mord. Der Potsdamer Polizeipräsident Graf Helldorf hatte gefordert, dass für jeden getöteten Faschisten zehn Marxisten zu töten seien. Staats und zehn weitere Kommunisten wurden auf Geheiß Jeckelns auf den Pappelhof verbracht - ein beschlagnahmtes Ferienheim für Arbeiterkinder - und dort von den SS-Männern Meyer und Adler stundenlang misshandelt. Gegen 23 Uhr wurden sie von einem Kommando erschossen und die Leichen am nächsten Tag in ungekennzeichneten Gräbern verscharrt.

 

Die SS meldete den Mord selbst und lastete ihn in der Presse Unbekannten an, die den getöteten SS-Mann hätten rächen wollen. Aber es gab zu viele Zeugen, die die Wahrheit kannten: Ende 1933 wurde der Fall mit der Veröffentlichung der Broschüre "Terror in Braunschweig" der Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen international bekannt.

Terror in Braunschweig

Aus dem ersten Quartal der Hitlerherrschaft
Bericht herausgegeben von der Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen

 

von Hans Reinowski, erschienen im Verlag Sozialistische Arbeiter-Internationale, Zürich 1933

DNB 365927856 (Deutsche Nationalbibliothek)

Die Broschüre kann als PDF bei der Friedrich Ebert Stiftung kostenlos herunter geladen werden.

 

Faschismus bedeutet immer eine Terror-Herrschaft der reaktionärsten Elemente des Kapitals. Heute ist die AfD die Wegbereiterin des Faschismus, führende Mitglieder beziehen sich auf den Hitler-Faschismus. Man darf sich niemals täuschen lassen, welche mörderische Ideologie das ist. Deshalb ziehen wir die Lehre daraus und fordern das Verbot aller faschistischen Organisationen und ihrer Propaganda!

 

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