Aktuelle Demo-Erfahrung in Köln
Üble altbekannte Hetzer on stage? Never ever!
Die Nahost-Demo am 19. November in Köln war in mancher Hinsicht bemerkenswert. Die Polizei hielt sich der MLPD gegenüber auffallend zurück: Keine Beschlagnahme der Flugblätter, die sie noch am Vortag in Düsseldorf konfisziert hatte; keine Beanstandung unserer Plakate - die direkten unerschrockene Proteste der Genossen in Düsseldorf zeigten offensichtlich Wirkung.
Stattdessen traten andere üble alte Hetzer auf den Plan. Die Demo war zwar angemeldet worden von vier jüngeren israelisch-palästinensischen Frauen, die nach ihren Worten keiner Organisation angehörten; eine allerdings war bis vor kurzem Mitglied von „Anastasia“, einer russischen religiösen Kultsekte. Sie hatten für die Demo aber keine Aktionseinheit versucht zu organisieren. In ihren Reden kritisierten die vier Frauen sowohl die „rechtsextreme Netanjahu-Regierung“ und deren Unterstützung durch die Bundesregierung wie auch die „extremistische Hamas“. So weit so gut.
Aber offensichtlich im Vorfeld hatten sich diesen Frauen die Kölner antideutsche antikommunistische Gruppe mit den Funktionären der Interventionistischen Linken (IL) an der Spitze als Organisatoren und Ordner angedient, die schon seit Jahren bei jeder Gelegenheit in Köln mit Flaggen-, Mikrofon-, Transparent- und allen möglichen weiteren „Verboten“ gegen die MLPD vorzugehen versuchten. So auch gestern. Laut schreiend forderten sie unsere Plakatträger auf, nach Hause zu gehen; wir sollten aufhören Flugblätter zu verteilen, das sei Konsens und Wunsch der Veranstalter, die MLPD würde sich nie an solche Wünsche halten.
Wir dachten nicht im Traum daran zu kapitulieren. Unsere Plakate mit dem MLPD-Logo trugen wir in der Demo mit. Beim Flugblattverteilen aber hatte ich immer einen persönlichen "Begleitschutz". Ein bis zwei versuchten mich abzudrängeln, und als das nicht richtig funktionieren wollte, geiferten sie jeden, der ein Flugblatt nehmen wollte oder nahm, laut an: Der Flyer ist von der MLPD; wir – die Veranstalter - wollen nicht, dass er verteilt wird und dass jemand Werbung für seine Organisation macht, das ist Wunsch und Konsens des Orga-Teams. In aller Ruhe erklärte ich ständig: Auf öffentlichen Veranstaltungen sei die Meinungsfreiheit und auch das Verteilen von Flyer durch das Grundgesetz erlaubt; es sei antidemokratisch, Organisationen das Auftreten zu verbieten; es sei arrogant, Demoteilnehmern zu hindern, sich zu informieren – das könnten sie selber entscheiden; und warum sie denn ausgerechnet unsere Flyer so fürchten müssten?
Manche Demo-Teilnehmer stimmten der antikommunistischen Hetze zu und nahmen kein Flugblatt. Aber nicht wenige waren durch diese Auseinandersetzung offensichtlich erst recht interessiert und neugierig, nahmen ein Flugblatt, und es gab kurze intensive Gespräche und Zustimmung zu unseren Forderungen. Das erbitterte einen jungen antikommunistischen Heißsporn dermaßen, dass er einen Flyer von mir nahm, ihn demonstrativ zerknüllte und dann mit Gewalt versuchte, mir einen kleinen Stapel von Flyern aus der Hand zu reißen. Ich hielt sie fest – sie wurden dabei zerknüllt – und er verpisste sich eilends. Ich behielt ihn im Auge. Als er sich bei Freunden eingereiht hatte, ging ich die fünfzig Meter zu ihm hin und faltete ihn laut hörbar zusammen: Was das für eine antidemokratische Tour sei, einem fast Achtzigjährigen mit Gewalt Flugblätter entreißen zu wollen? Dann feige abhauen? Das sei asozial, undemokratisch! Er und seine Freunde taten das Beste, was sie noch machen konnten: Sie hielten die Schnauze. Und so verteilte ich noch den zerknitterten Rest von Flyer – jetzt ungestört.
Insgesamt zeigen solche Ereignisse, dass manche kleinbürgerliche Gruppierungen zwar human denken und für ihre Ideale auch auf die Straße gehen, - aber ihre Organisationsfeindlichkeit und ihre antikommunistischen Vorurteile sind nicht zu unterschätzen. Letztlich aber beweist auch das nachdrücklich, dass die Arbeiterklasse die einzig revolutionäre Klasse ist!