„Wir wollen und müssen einheizen, statt zu löschen“

„Wir wollen und müssen einheizen, statt zu löschen“

Erneute Warnstreik-Aktionen bei HKM

Kurzfristig wurde von der IG Metall für heute – und wohl auch noch für morgen – zu erneuten Warnstreik-Aktionen bei den Hüttenwerken-Krupp-Mannesmann (HKM) in Duisburg aufgerufen.

Korrespondenz
Erneute Warnstreik-Aktionen bei HKM
„Zukunft“ – dafür kämpfen die Stahlarbeiter (rf-foto)

Alle Schichten fangen eine Stunde später an. Ein Hintergrund ist, dass es am Freitag ein weiteres „Verhandlungs“-Treffen geben soll, ob und wie die Produktion bei HKM weitergeführt werden soll.


Am Tor 4 trafen sich mit Kaffee- und Erbsensuppenverpflegung sowie wärmenden Feuertonnen bis zu 50 Kolleginnen und Kollegen. Die Hälfte davon ein ganzer Trupp der Werksfeuerwehr. Die Stimmung ist geprägt von der Haltung: „Das ist erst ein Anfang, wenn die sich da oben nicht bewegen."

 

Auffällig ist, dass die Erwartungen und auch die Bereitschaft zu kämpfen, recht groß sind. Auch, dafür in den nächsten Wochen mehr als eine Schippe draufzulegen. „Unüblicherweise wollen und müssen wir jetzt einheizen, statt zu löschen“, so ein Kollege der Werksfeuerwehr zur Frage, wie es denn jetzt weitergehen soll und muss.

 

Kritisch äußerten sich daher auch einige, dass (noch) keine richtige Streikzusammenkunft organisiert und dafür mobilisiert wird. Im Sinne von „Streikzeit ist Arbeitszeit“. „Da muss ich aber mit meinen Jungs von der Schicht gleich schimpfen“, so ein älterer Stahlwerker. „Ich dachte, wir fangen hier vor dem Tor gemeinsam streikend mit der Schicht an. Aber einfach eine Stunde später anrücken, das ist doch kein richtiger Streik!“

 

Sehr entfaltet und nachdenklich ist die Diskussion, wie und wofür der Kampf entwickelt werden soll. Und, wer das „ordentlich“ in die Hand nimmt. Die im Streikaufruf aufgeführten drei konkreten Forderungen – Abfindungsregelungen, Qualifizierung, Motivationsprämie – finden sich letztlich mit der angekündigten Vernichtung von mindestens 2000 unmittelbaren HKM-Arbeitsplätzen (Zweidrittel der Belegschaft) ab. Das liegt, darauf direkt angesprochen, den meisten Kolleginnen und Kollegen schon sehr im Magen. Sie wollen nicht mehr länger hingehalten werden und äußerten sich verschiedentlich, dass eigentlich um alle Arbeits- und Ausbildungsplätze gekämpft werden muss.

 

Gerade auch im Interesse der Jugend. „Bei uns ist recht miese und besorgte Stimmung, denn fast alle sind jüngere Kollegen, die haben doch damit überhaupt keine richtige Perspektive.“ In diesem Jahr werden auch nur noch 20, statt zuvor noch 50 Auszubildende neu beginnen. Davon aber keine Verfahrens-/Produktionstechniker mehr, sondern nur noch Elektriker und Mechaniker für die Instandhaltung, sowie im kaufmännischen Bereich. 

 

Bei den Warnstreiks letzte Woche erstellten die Kollegen direkt am Tor Plakate mit Forderungen wie „Erhalt ALLER Arbeitsplätze!“, „Fristlose Übernahme aller Azubis!“, „Gegen Ausbeutung – für Gerechtigkeit“.


Sehr begrüßt wurde, dass sich auch ein paar Kollegen, teils von Ver.di, von anderen Betrieben und Bereichen, wie dem ausgegliederten Werkshafen, am Tor 4 einfanden und ihre Solidarität zum Ausdruck brachten. Auch hier muss für die Stärke, Schlagkraft und Durchsetzungskraft noch mehr als eine Schippe draufgelegt werden, in dem Sinne: Ein Betrieb, eine Belegschaft, ein gemeinsamer Kampf!