Halle an der Saale

Halle an der Saale

Entschlossene Proteste für eine lebenswerte Zukunft

In Halle fanden am Samstag zwei Proteste statt: für die Verteidigung des demokratischen Gesellschaftssystems in Rojava/Nord-Ost-Syrien und für eine Abschaffung einer schrittweise installierten Wehrpflicht.

Korrespondenz
Entschlossene Proteste für eine lebenswerte Zukunft
Bild von der Solidaritätsdemo mit Rojava (rf-foto)

Zunächst sammelten sich Jung und Alt, ganze Familien am Rosa-Luxemburg-Platz. Die Trommel des Jugendverbands REBELL wurde auch von einem Kurden bespielt und verkürzte die Wartezeit, bis es losging. Nach dem Rufen vieler kurdischer Parolen (Lang lebe der Widerstand von Rojava/Quamishlo/Hesekeh/Kobanê u. a.) stellte sich die auf 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angewachsene Demonstration diszipliniert in Sechserreihen auf.


Das Transparent der Gaza-Soli-AG, auf dem auch die palästinensische Flagge abgebildet ist, führte zu interessanten, wohlwollenden Diskussionen über den notwendigen Zusammenschluss der Unterdrückten und ihren Freiheitskampf.


Wie sich herausstellte, befördern soziale Medien hier eine falsche Polarisierung bis hin zur Spaltung. Schließlich hielt auch ein kurdischer Mann das Transparent und bedankte sich bei uns. Die Beteiligung weiterer Unterstützerinnen und Unterstützer eines demokratischen Syriens und der kurdischen Selbstbestimmung war neben MLPD, REBELL, Linkspartei, FKO und Autonomen kaum sichtbar vorhanden und gehört in Zukunft weiter ausgebaut.


An der zweiten Demonstration „Wehr dich gegen die Wehrpflicht" beteiligten sich 70 Leute, meist Schülerinnen und Schüler, vereinzelt Familien, mit der Internationalen Jugend/FKO als Veranstalterin. In sehr lebendigen Reden wurden die vielen Facetten des antimilitaristischen Kampfes anschaulich dargestellt. Ein als Dialog aufgebauter Beitrag zweier Jugendlicher nahm die tödliche Kriegspropaganda der Bundesregierung auseinander und stellte sich entschieden der schleichenden Vergiftung des Denkens durch Nationalismus, Bundeswehrwerbung u.a. entgegen. Dabei zogen sie einen direkten Bezug zu ihren „Klassenbrüdern in Russland und der Ukraine".

 

Eine Vertreterin des Friedensbündnisses Halle schilderte eindrücklich die Sichtweise als Mutter und klagte Blackrock und andere Kriegsprofiteure an. Sie endete mit dem Gedicht „Krieg dem Kriege" von Kurt Tucholsky. Auch die Rede der MLPD wurde sehr begrüßt. Hier wurde deutlich, dass es gerade die Arbeiterinnen und Arbeiter sind, die sich dem Kriegskurs entgegenstellen können, und es auch bereits tun. Passend dazu konnte Frank Oettler, selbst viele Jahre lang Straßenbahnfahrer, von den Streikvorbereitungen der Kolleginnen und Kollegen der HAVAG berichten und ein ganzes Programm des Kampfes um eine lebenswerte Zukunft umreißen.


Kämpferisch zog die Demonstration im Anschluss durch die Innenstadt, wobei auch viele Kurdinnen und Kurden der vorherigen Demonstration die Parolen kraftvoll mitriefen. Die Demonstration wurde von vielen Passantinnen und Passanten sehr begrüßt. Nur zwei Mal pöbelten, scheinbar von der AfD beeinflusste ältere Männer, herum. Dass ein viel breiterer Zusammenschluss der demokratischen Kräfte angestrebt werden muss, ist auch hier eine
Erkenntnis gewesen.