Tarifrunde der Länder

Tarifrunde der Länder

Statement zum Verhandlungsergebnis

Ich bin niemand, der nicht bereit ist, einen Achtungserfolg zu würdigen oder der stereotyp jedes Ergebnis ohne Erzwingungsstreik per se als faulen Kompromiss bezeichnet. Aber das ist wirklich ein desaströser Kniefall vor dem Krisenprogramm der Regierung.

Jörg Weidemann, Landesvorsitzender der MLPD Elbe-Saale
Statement zum Verhandlungsergebnis
Grafik: RF-News

Das ganze fängt erstmal mit fünf Nullmonaten an, denn der alte Vertrag ging bis 31.10.25. Der neue fängt am 1.4.26 an mit 2,8 Prozent. 11 Monate später gibt es 2 Prozent und man rutscht damit selbst unter die verlogene offizielle Inflationsrate. Nach weiteren 10 Monaten kommt eine Erhöhung von 1 Prozent. Sie gilt faktisch für den letzten Monat der Laufzeit und hat nur den kosmetischen Zweck, das Ergebnis auf angebliche 5,8 Prozent schön zu schminken.

 

Man kann aber so nicht rechnen. Gefordert waren 7 Prozent auf 12 Monate. Wenn die Laufzeit jetzt 27 Monate ist. Muss man die Forderung auch addieren. Also wäre die Forderung bei 24 Monaten Laufzeit 14 Prozent, (von denen man jetzt 4,8 erhalten hat.)

 

Der Sockelbetrag von 100 Euro ist viel zu niedrig. Gefordert waren 300 Euro. Und auch die Azubis erhalten mit 60 Euro im Monat weniger als ein Drittel der geforderten 200 Euro. Ein Tarifvertrag für studentische Beschäftigte wurde erneut ad Acta gelegt. 

 

Die Erhöhung der Schichtzulagen ist ein Moment der Spaltung, auch um die kampfstarken Unikliniken zu beruhigen. An den Unikliniken steigt die  Wechselschicht Zulage von 150 auf 250 Euro. Bedeutet hier also nochmal 100 Euro mehr im Monat. Dafür wird die Arbeitszeitverkürzung auf 38,5 Stunden in Ostdeutschland erneut vertagt und in Tippelschritten bis 2029 gestreckt. Es ist schon fast frech das als Angleichung statt als Vertagung der Angleichung zu bezeichnen. Am Uniklinikum Leipzig haben wir schon zum 1.1.2026 die 38,5 Stunden durchgesetzt.

 

Das wirklich einzig indirekt positive, wenn man das akzeptiert, ist, dass die nächste Runde parallel mit dem Öffentlichen Dienst stattfände. Aber dass das Wirklichkeit wird, glaube ich auch noch nicht.

 

Das Verhandlungsergebnis wird jetzt in unseren gewerkschaftlichen Gremien diskutiert. Aber ich werde meinen Kolleginnen und Kollegen empfehlen, das abzulehnen, und werde selbst dagegen stimmen, wenn es zu einer Abstimmung kommt.