Imperialismus
Iran-Krieg: Neuer Einbruch in der Weltwirtschaft?
Nach wie vor wird die Straße von Hormus wegen des Kriegs von US-Präsident Donald Trump und des israelischen Netanjahu-Regimes gegen den Iran durch die iranische Regierung blockiert. Auch Öl- und Gasfelder geraten zunehmend unter Beschuss.
Bleibt die Blockade und wird die Zerstörung von Energiequellen in den nächsten Wochen fortgesetzt, wird die globale Wirtschaftsleistung deutlich nachlassen.
Gefährdete Energieversorgung
Die Blockade der Straße von Hormus betrifft vor allem 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasproduktion. Das hat die Preise an den Rohstoffbörsen sprunghaft ansteigen lassen. Brent-Rohöl verteuerte seit Jahresbeginn um 84 Prozent. WTI-Öl verharrt zurzeit bei etwa 95 gegenüber 65 US-Dollar vor Kriegsbeginn. Bei einer anhaltenden Blockade sind Ölpreise bis zu 140 US-Dollar wahrscheinlich. Die Großhandelspreise für Gas sind unmittelbar nach Kriegsbeginn um bis zu 35 Prozent in die Höhe geschnellt. Besonders energieintensive Branchen wie die Chemie-, Stahl- oder Bauindustrie stehen weltweit vor massiven Kostensteigerungen, die Investitionen erschweren.
Die Steigerung der Öl- und Gaspreise trifft die Energieversorgung, das Transportwesen und die Chemieindustrie und damit wesentliche Säulen der internationalen Produktion. Das treibt die weltweite Inflation an. Allein dadurch sollen die durchschnittlichen Preise aller Waren in den nächsten Wochen um etwa 0,8 Prozent steigen. Vor allem Asien ist massiv von der Blockade betroffen, da über 80 Prozent der durch die Straße von Hormus transportierten Energie für asiatische Märkte bestimmt sind. In vielen Ländern sind die Preise z. T. schon deutlich stärker gestiegen.
Kritische Engpässe bei Rohstoffen
Rund 25 bis 30 Prozent der weltweiten Düngemittel, die in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien produziert werden, kommen nicht durch die Straße von Hormus. Seit Kriegsbeginn sind die Preise für Harnstoff (plus 60 Prozent) und Phosphate (plus 30 Prozent) sprunghaft gestiegen. Das wird die Nahrungsmittelpreise in den nächsten Wochen und die Lebensmittelpreise zeitversetzt massiv verteuern.
Akute Engpässe gibt es auch bei Helium und kritischen Mineralien. Etwa 25 bis 30 Prozent des weltweiten Heliums kommen aus Katar. Helium ist für die Chip-Herstellung essenziell. Ohne dieses Gas stehen die Chipfabriken in Taiwan innerhalb kürzester Zeit still. Es drohen daher in drei bis fünf Wochen Produktionsstopps in der Elektronik- und Autoindustrie. Außerdem ist die ganze KI-Produktion und -spekulation davon in großem Maße abhängig. Diese ist zudem auch massiv von Energieversorgung und -preisen abhängig. Ein Lieferstopp würde die Überproduktion von KI-Anlagen einbrechen und das Kartenhaus der KI-Aktien-Bewertungen zusammenstürzen lassen.
Umgeleiteter Warenverkehr treibt die Preise
Da große Reedereien wie Maersk und Hapag-Lloyd ihre Routen ausgesetzt haben, entstehen erhebliche Verzögerungen im Warenverkehr. Die Preise für Container (Spot-Raten) steigen sprunghaft an. Die Versicherungsprämien für Frachtschiffe in der Region sind teilweise um mehr als 1.000 Prozent gestiegen, was die Endpreise für Konsumgüter weiter verteuert. Durch die Umleitung der Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung (Zusatzdauer zehn bis 14 Tage) steigen nicht nur die Transportkosten. Es fehlen dem globalen Markt auch zehn bis 15 Prozent der Schifffahrtskapazitäten. Der Umweg verbraucht zudem massiv mehr Treibstoff, dessen Preis ohnehin steigt.
In den nächsten Wochen könnten die Preise bei vielen Alltagswaren allein aufgrund der explodierenden Logistikkosten um 8 bis 10 Prozent steigen. Das untergräbt auch die von diesen Lieferketten abhängige internationale Produktion.
Die Aktienmärkte reagierten bereits mit deutlichen Kursverlusten. Die weltweiten Börsenkurse fielen in einem ständigen, nervösen „Hoffen und Bangen“ bis jetzt schon um 6 bis 13 Prozent. Das könnte erst der Anfang eines regelrechten Crashs sein, wenn die Energieversorgung weiter stockt und der KI-Aktienboom einer Ernüchterung weicht. Das würde eine Abwärtsspirale auslösen, die die gesamte Wirtschaft betrifft.
Asiatische Länder besonders betroffen
In Südostasien mussten erste Raffinerien den Betrieb einstellen, da die Rohölvorräte zur Neige gehen. Diese sind grundlegend für die Treibstoffproduktion der Region, aber auch für Australien. China verstärkt die heimische Kohleförderung. Für Indien und Indonesien ist die Steigerung ihrer Industrieproduktion und damit ihr weiterer Aufstieg als neuimperialistische Länder gefährdet, da sie in hohem Maß auf ständige Lieferungen vor allem von Öl aus dem Nahen Osten angewiesen sind. Für Indien trifft das auch auf die Lieferung von Gas und Düngemitteln zu. Experten warnen vor einer "Explosion" der Lebensmittelpreise in Asien. Die Landwirtschaft großer Teile des Kontinents benötigt Düngemittel, die zu über 50 Prozent aus dem Nahen Osten kommen
Für Russland stellt die Krise dagegen eine Chance dar, seine Marktposition und seinen politischen Einfluss auszubauen: Als als großer Energieexporteur kann es seinen Verkauf gerade nach Asien (vor allem nach China und Indien) steigern und von den explodierenden Weltmarktpreisen profitiert.
Tiefgreifende Folgen
Der Iran-Krieg hat schon jetzt weltweit weitreichende Folgen für die Massen. Die aktuellen Preissteigerungen haben vor allem in Ländern mit großer Armut verheerende Auswirkungen. Millionen Menschen in Asien können sich schon Reis, Gemüse und Milch nicht mehr leisten. Das führt zu Unruhen und Massenprotesten. Auf den Philippinen haben schon die Transportarbeiter gestreikt. Weltweit wird mit zunehmender Abwälzung der Kriegs- und Krisenfolgen auf die Masse der Bevölkerung auch der weltweite Widerstand und die Kritik am imperialistischen System deutlich anwachsen.