Bochum
Herbert Grönemeyer zum 70. Geburtstag
Wer kennt nicht den Song, mit dem Herbert Grönemeyers große Karriere begann: Bochum. Trotz der vielen Erfolge hat sich dieser Musiker auch für das Soziale eingesetzt.
Das wurde in vielen seiner Lieder auch deutlich. In seinem bekanntesten Hit „Bochum“ hob er die Bedeutung der Kohle- und Stahlindustrie und damit auch der Arbeiterklasse hervor und übte Kritik an dem Prestigedenken der Kommunen (damit ist Bochum gemeint) – noch zählt, nicht das große Geld, wer wohnt schon in Düsseldorf …
Als Herbert Grönemeyer als jüngstes Kind der Familie geboren wurde, wohnten seine Eltern in Clausthal-Zellerfeld. Seine Eltern zogen mit ihm nach Bochum, als er etwa ein Jahr alt war. Dank seiner Familie mütterlicherseits kam er in Kontakt mit Musik und erhielt, wie schon zuvor seine Brüder, mit acht Jahren Klavierunterricht. Rückblickend beschreibt er seine Erziehung folgendermaßen: „Ich denke, ich bin zwischen Liebe, musischer Zuneigung und ziemlicher Strenge groß geworden."
In Bochum besuchte er das humanistische Gymnasium am Ostring. An der Schule lernte er auch den späteren Schauspieler Claude-Oliver Rudolph kennen. Zusammen mit Rudolph verdiente Grönemeyer beim Schauspielhaus Bochum als Pianist sein erstes Geld, wo er auch als musikalischer Leiter fungierte, während sein Freund als Schauspieler arbeitete. Nach seinem Abitur 1975 begann er mit dem Studium der Musik- und der Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum. Er blieb 23 Semester eingeschrieben, wovon er aber nur sechs Semester aktiv studierte.
Seine künstlerischen Anfänge begannen 1974, dann kam der Durchbruch ca. 1984 mit seinem Album 4630 Bochum und weiteren Erfolgen wie z.B. mit den Liedern „Männer“, „Flugzeuge im Bauch“ oder „Kinder an die Macht“. Auch hier prangerte Herbert teils auf satirische Art soziale Missstände und Ungerechtigkeiten an.
Viele weitere Tourneen und Auftritte folgten in den Jahren 1993 bis 2026. Herberts Leidenschaft war auch der Fußball und er gab Konzerte im Bochumer Fußballstadion, dem Spielort des VfL Bochum.
1985 initiierte Grönemeyer das Projekt Band für Afrika. Das Gemeinschaftsprojekt verschiedener Musiker hatte das Ziel, Spendengelder für Projekte in Afrika zu sammeln. Die Single "Nackt im Wind" erreichte 1985 Platz 3 der deutschen Hitparade. Um dem Zweck der Platte zu dienen, verzichteten alle Beteiligten auf ihre Gagen und Tantiemen. Im September 2019 forderte Grönemeyer bei einem Konzert in Wien, „keinen Millimeter nach rechts“ zu rücken. Die faschistischen Rechten kritisierten diese Aussage und verglichen Grönemeyers Stil und Tonfall mit "nationalsozialistischer Propaganda von Propagandaminister Joseph Goebbels"! Am 26. März 2020 veröffentlichte Grönemeyer den Song "Helden dieser Zeiten". Das Lied sollte ein musikalischer Gruß und ein Dank an die „Helden der Corona-Krise“ sein.
Angesichts der zweiten Welle der Pandemie im Herbst 2020 und der damit verbundenen neuerlichen Schließung von Konzertstätten, Theatern, Museen und Ausstellungsräumen mit existenzbedrohenden Folgen für Künstlerinnen und Künstler aller Sparten plädierte Grönemeyer am 5. November 2020 in der Zeit für eine „Solidaritätssonderzahlung der Vermögendsten“. Es gebe in Deutschland rund 1,8 Millionen Millionäre. „Wenn sich die Wohlhabendsten bereit erklären würden zu einer zweimaligen Sonderzahlung von zum Beispiel 50.000 bis 150.000 Euro, jeweils in diesem wie auch im nächsten Jahr, stünden ad hoc circa 200 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung, um Existenzen zu sichern, Pleiten aufzufangen und Ängste zu mildern.“
Ebenfalls unterstützt Grönemeyer die Klimaschutzbewegung Fridays for Future und trat bei einer Demo im September 2023 auf. Er arbeitet an einem neuen Album und an einer Oper; außerdem plant er eine große Tournee für 2027.