Noch viel zu klären

Noch viel zu klären

Ostermarsch in Münster: Jugend will Zukunft

Am Samstag waren ca. 400 Leute auf dem Ostermarsch in Münster. Es waren viele Ältere, aber auch auffallend viele jüngere Leute dabei, besonders Schülerinnen und Schüler vom Schülerstreik gegen die Bundeswehrpflicht.

Von einem Korrespondenten

Begonnen hat der Ostermarsch mit einer Kundgebung an der Paul-Wulf*-Skulptur auf dem Servatiiplatz. Vertreten waren neben der MLPD und dem Internationalistischen Bündnis auch die Friedenskooperative Münster, DKP, SDAJ, Partei Die Linke, solid, Revolutionäre Linke, Aufbruch MS, einzelne Aktivisten von BSW, Mera25 und Palästina Antikolonial. Gewerkschaften waren nicht vertreten. Die Demonstration zog durch die gute gefüllte Innenstadt.

 

Auf der Auftaktkundgebung riefen Vertreter der Friedenskooperative Münster zur Beendigung des Krieges und Verhandlungen auf. Das weltweite System des Imperialismus als die Ursache der Kriege rückten die Reden nicht in den Mittelpunkt. Stattdessen ließ es sich der Redner der DKP auch in diesem Jahr nicht nehmen, Russland scheinbar faktenreich als nicht kriegerisches Land dazustellen. Das Wort Imperialismus fiel an keiner Stelle seiner Rede. Der Applaus war dünn.

 

Unser Transparent „Stoppt den Völkermord in Gaza!“ fand viel Beachtung, wurde oft fotografiert und wir sahen oft einen Daumen nach oben. Wir führten viele Gespräche mit den Teilnehmern, trafen alte Kontakte wieder und luden insbesondere zum Internationalen Pfingstjugendtreffen ein. Auch für Gaza wurden Spenden gesammelt. Die Spender waren heute besonders großzügig. Viele spendeten mit 5,- €-Scheinen. Auf der Abschlusskundgebung steckte sogar ein Mann aus Gaza einen 100-Euro-Schein in die Spendendose. „Sorgt dafür, dass das Geld ankommt!“, gab er uns mit auf den Weg. Das werden wir! Er kannte unsere Organisation und die Spendenaktion für das Al Awda-Projekt. Insgesamt kamen an diesem Tag 161,50 € Spenden für Gaza zusammen! Auch etliche Exemplare des Rote-Fahne-Magazins wurden verkauft. Viele finden unseren kommunistischen Standpunkt richtig, scheuen sich aber noch davor, sich zu organisieren. Ein Sozialarbeiter, der sich an unserem Lesekreis zum Buch "Die Krise der bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften, der Religion und der Kultur" beteiligen möchte, sicherte zu, auch auf seiner Arbeit unter den Jugendlichen für das Pfingstjugendtreffen zu werben. Er selber will auf jeden Fall kommen!

 

Während der Demonstration hörte man vorne Sprechchöre von Jugendlichen: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“, „Keinen Cent für die Bundeswehr!“ „Jugend will Zukunft - keinen Krieg!“ Auf der Abschlusskundgebung sprach eine Vertreterin der SDAJ, die sich für eine sozialistische Gesellschaft aussprach. Erst hier könne man die Ursache für die heutigen Kriege überwinden. Sie sprach sich gegen die Wehrpflicht aus und rief dazu auf, sich am 8. Mai am nächsten bundesweiten Schülerstreik gegen die Wehrpflicht zu beteiligen. Der Beitrag wurde mit viel Applaus begrüßt.

 

Der Redner des BSW nahm wie zuvor der DKP-Redner ebenfalls Russland aus der Schusslinie. Wir stellen in unseren Diskussionen klar, der Hauptkriegstreiber ist die USA, aber Russland, China und Iran sind ebenfalls imperialistisch und drängen ebenso nach Eroberung und Unterwerfung. Alle Beiträge kritisierten die deutsche Bundesregierung. ...

 

In diesem Jahr war auffallend, dass gleich drei getrennte Aktivitäten nebeneinander stattfanden. Neben dem von der Friedenskooperative (Frieko Münster) geführten Ostermarsch hat die DFG/VK, die zuvor mit der Frieko jahrelang zusammengearbeitet hatte, eine eigene Aktion durchgeführt. Insbesondere wird die positive Haltung der Frieko zu Russland, die bis zu Kooperation mit der AfD geht, von der DFG/VK berechtigt abgelehnt. Die seit über drei Jahren stattfindende Iransolidarität, die für die demokratische Volksbewegung und gegen Schah und Iranische Republik steht, lehnte eine Teilnahme an einem gemeinsamen Ostermarsch ab, wegen der ungeklärten Haltung zu der Rolle der Hamas durch verschiedene beteiligte Kräfte. 

 

Wir machten uns stark dafür, diese Spaltung zu überwinden auf antifaschistischer Grundlage. Mit einer solidarischen Streitkultur müssen diese Fragen diskutiert werden, um gemeinsam an einem breiten Zusammenschluss gegen Faschismus und Weltkriegsgefahr und für eine Zukunft ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung der Lebensgrundlagen zu arbeiten.