Solingen
Luise und Willi Dickhut: Gemeinsam gekämpft und sich gegenseitig unterstützt
Am 22. April haben wir auf Rote Fahne News einen kritischen Leserbrief zu einem Artikel im Rote-Fahne-Magazin veröffentlicht, in dem es heißt, Luise Dickhut habe ihrem Lebensgefährten Willi Dickhut den Rücken freigehalten für sein revolutionäres Lebenswerk. Der Kritiker sah darin eine Unterschätzung der eigenständigen Rolle von Luise Dickhut für den Freiheitskampf der Arbeiterklasse.
Christoph Gärtner aus Solingen, Leiter des Willi-Dickhut-Museums in Gelsenkirchen und Autor des ursprünglichen Artikels, antwortet auf den Leserbrief:
Lieber Leserbriefschreiber, danke für deinen kritischen Leserbrief. Völlig zu Recht schreibst du: „Luise Dickhut hat für den Freiheitskampf der Arbeiterklasse mehr getan als Willi Dickhut ‚den Rücken für sein revolutionäres Lebenswerk frei‘ zu halten.“ Du beschreibst dafür eigene lebendige Erfahrungen aus ihren letzten Lebensjahren.
Auch mein Artikel würdigt das: Mit der Überschrift: „Luise Dickhut – Vorkämpferin einer revolutionären Sozialarbeit“, ihrer Fähigkeit als „leidenschaftliche Agitatorin für den Sozialismus – und in gleichem Maße Anklägerin gegen den späteren revisionistischen Verrat und opportunistischem Verhalten“, ihrer Rolle als „Vorkämpferin für den Kampf um die Befreiung der Frau“, ihrer beispielhaften proletarischen Parlamentsarbeit für die KPD im Stadtrat von Solingen… Dieser eigenständige und zugleich gemeinsame Kampf mit Willi Dickhut „für eine bessere Welt“ – wie du schreibst – ist der Kern des Artikels.
Aber das steht nicht im Widerspruch dazu, dass sie gerade auch deshalb in 48 Jahren Lebens- und Kampfgemeinschaft bewusst und aus freien Stücken Willi Dickhuts revolutionäres Lebenswerk nach Kräften unterstützt hat – auch wenn es manchmal über ihre Kräfte ging. Das ist kein Gegensatz zu ihrer eigenständigen revolutionären Rolle, sondern selbstverständlicher Teil einer revolutionären Beziehung auf gleichberechtigter Grundlage.
Auch Willi Dickhut hat anders herum ihr „den Rücken freigehalten“ und ihre Arbeit unterstützt: Wie beim Verfassen ihres Buchs „Die Horbachs“ oder bei ihrer proletarischen Frauenarbeit, die er mit ihr ausgewertet und daraus schöpferische Schlussfolgerungen für die Entwicklung einer überparteilichen kämpferischen Frauenarbeit gezogen hat… Gemeinsam kämpfen mit je eigenständigen Rollen und Schwerpunkten und sich dabei gegenseitig unterstützen und auch „den Rücken freihalten“, das haben Willi und Luise Dickhut uns vorgelebt – trotz aller Schwierigkeiten.
Siehe auch Buchtipp von Elvira Dürr: "Die Horbachs"