Dokumentiert aus dem Vorwärtsgang
Werke schließen, Belegschaft spalten, Kriegsproduktion? - Nicht mit uns!
Am 12. Mai wurde eine Extra-Ausgabe des "Vorwärtsgang" veröffentlicht, der Zeitung von Kolleginnen und Kollegen für Kolleginnen und Kollegen in den deutschen VW-, Audi-, Porsche- und MAN-Werken. Rote Fahne News dokumentiert den Leitartikel.
Seit Tagen überschlagen sich die Meldungen vom VW-Vorstand und aus "informierten Kreisen". Das ganze Geschäftsmodell soll neu ausgerichtet und VW „saniert“ werden. Was kommt da auf uns zu? „Hier braut sich was zusammen ...“
Trotz der in Teilen auch absichtlich widersprüchlichen Informationspolitik, lässt der Vorstand eins nicht offen: Sie wollen mehrere Werke schließen, die Konzernbelegschaft radikal reduzieren. Der Rest soll noch mehr ausgebeutet werden (Stichwort Fabrikkosten). Dazu kommt die scheinbare Perspektive: Kriegswirtschaft. Wenn sich Nebel bildet, muss man für klaren Blick sorgen und den Weg kennen, sonst fährt man gegen die Wand.
Sollten wir erstmal abwarten?
Die wichtigsten Fakten liegen auf dem Tisch! Der Vorstand plant die Schließung der Werke Emden, Zwickau, VW-Nutzfahrzeuge Hannover und des Audi-Werks in Neckarsulm. Damit würden über 40.000 Arbeitsplätze vernichtet. Brutale Folgen für Zuliefererbelegschaften und ganze Regionen noch nicht mal eingeschlossen.
2024 hatte VW wichtige Tarifverträge gekündigt, mit Massenentlassungen und Werksschließungen gedroht und damit eine offene Provokation gestartet. Wir haben einiges hergegeben. Das Versprechen war: Fünf Jahre Ruhe. Die Wirklichkeit sah von Anfang an anders aus! Erpressungen und Infragestellung von Zukunftsinvestitionen sind an der Tagesordnung.
Inzwischen werden Vereinbarungen zu unseren Kampferfolgen einfach gebrochen. So in Sachsen die freche Ankündigung, die tarifvertraglich vereinbare Eingliederung der Werke Zwickau, Chemnitz und Dresden auf Eis zu legen. Welchen Grund soll das haben außer Überlegungen zu Werksschließungen? Technische Probleme? Das glaubt doch kein Mensch ... Auch Werksschließungen sollten eigentlich ausgeschlossen sein mit dem Tarifvertrag - das Gegenteil ist der Fall!
Sollten wir nicht verzichten, damit VW nicht untergeht?
Verzicht hat noch nie irgendwo Arbeitsplätze gesichert und geschaffen. Die internationalen Automobilmonopole liefern sich eine Vernichtungsschlacht und es gibt weltweit absurd hohe Überkapazitäten - ein kapitalistisches Chaos. VW ist mit dem späten Einstieg in die Elektrostrategie ins Hintertreffen geraten. Die Großaktionäre drängen auch weiter auf Maximalprofite. Laut Oliver Blume sind 2,8 % Kapitalrendite zu wenig und so will der Vorstand den Aktionären wieder 8-10% liefern! Das gipfelt in der Behauptung, die oben erwähnten Werke würden „nichts zum Erfolg beitragen“. Tatsache ist: Es wird Geld mit den Autos verdient. Darum werden auch neue Fabriken in China gebaut. Das Kapital geht immer dahin, wo es den höchsten Profit machen kann und hinterlässt verbrannte Erde.
Muss jetzt jeder Standort sehen, wo er bleibt?
2024 sind wir gemeinsam angetreten! Nur so haben wir es, trotz aller Kritik am Dezember-Tarifabschluss, geschafft, dass der Vorstand mit der Werksschließung z.B. von Emden nicht durchgekommen ist. Wenn jetzt gezielt Standorte gegeneinander ausgespielt werden, dann nur zu dem Zweck, unsere gemeinsame Front als Konzernbelegschaft aufzubrechen. Wir dürfen uns nicht spalten und verunsichern lassen! Ob Osten, Westen, Süden oder Norden. Ob Deutschland, Europa, China oder sonstwo – wir sind eine Konzernbelegschaft!
Ist Kriegsproduktion eine Alternative?
Rüstung und Waffen sind nicht einfach irgendein „anderes Produkt“. Die Imperialisten der Welt steuern aktiv auf einen Dritten Weltkrieg zu. Und Deutschland mischt dabei kräftig mit. Geplant sind z.B. acht neue Fregatten für die Bundeswehr. Gesamtwert: 25 Milliarden Euro. Das sind 5% des Bundeshaushalts. Sie sind dafür ausgerüstet, monatelang auf
dem Meer zu bleiben. Das wird wohl kaum zur Landesverteidigung gebraucht. Was soll an der Arbeit „sicher“ sein, wenn ein Weltkrieg uns alle bedroht? Rüstungsfabriken sind ein primäres Kriegsziel nach Völkerrecht. Die Erfahrung aus dem Zweiten Weltkrieg ist: Die Arbeit in den Rüstungsfabriken machten die Zwangsarbeiter – oft bis zum Tod. Millionen Arbeiter vieler Nationen, ihre Söhne und Enkel, starben an der Front. Das ist die „Sicherheit“, die uns der VW-Vorstand, Friedrich Merz und Boris Pistorius vorgaukeln. Rüstungsindustrie und Kriegswirtschaft sind keine Alternative!
Sollten jetzt nicht IG Metall und Betriebsrat aktiv werden?
Wir brauchen unsere IG Metall als Kampforganisation. Dafür brauchen wir eine eigene Haltung: Für Arbeitsplätze UND Frieden. Immer wieder ergreifen Vertrauensleute und Kollegen inzwischen Initiativen für Pausenversammlungen, Resolutionen und Abstimmungen auf gewerkschaftlichen und betrieblichen Versammlungen. Wir müssen unsere IG Metall zur Kampforganisation machen, statt abzuwarten, ob und wann die IG-Metall-Führung, der Betriebsrat oder irgendwer anders vielleicht aufruft. Unsere Aktivität ist andererseits die beste Unterstützung für dringend nötige Kampfschritte ausgehend von der IG-Metall- und Betriebsratsspitze. Wir brauchen kämpferische außerordentliche Betriebsversammlungen, örtliche Aktionen. Am besten einen internationalen und konzernweiten Aktionstag. Aber gewerkschaftliche Aktionen alleine werden nicht ausreichen, damit der Vorstand von seinen Plänen abgeht.
Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil
„Wir hätten richtig streiken müssen“ - sagten alle nach der Tarifrunde 2024. Heute muss es heißen: „Wir müssen richtig streiken“. Für sofortigen, unbefristeten, konzernweiten, selbständigen Streik, bis die Vorstandspläne vom Tisch sind!
Das Streikrecht in Deutschland beschränkt die Rechte der Gewerkschaften massiv und Betriebsräte dürfen schon gleich gar nicht zum Streik aufrufen. Deswegen müssen wir selbständig die Initiative dafür ergreifen. Schon 2024 gab es kleinere selbständige Streiks. Das ist der richtige Weg! Mit selbständigen Streiks wurde die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verteidigt und die OPEL-Kollegen haben 2004 mit einem 7-tägigen selbständigen Streik den Erhalt ihres Werkes für über 10 Jahre erkämpft.
Lasst uns beraten: Welche Ideen, Bedenken, Vorschläge gibt es? Wer beteiligt sich, wer nimmt das mit in die Hand, was muss vorbereitet werden? Wie gehen wir vor und wem kann man vertrauen? Wie beim Fussball gilt: Kein gutes Spiel ohne Training. Beginnen wir mit regelmäßigen Pausenversammlungen und selbständigen Streikaktionen.
- Keine Werkschließungen! Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz!
- Für die Eingliederung der VW-Sachsen GmbH in die VW-AG!
- Nein zu Rüstungsproduktion – Kriegsvorbereitung ist keine Alternative!
- Für die volle Entfaltung der gewerkschaftlichen Kampfkraft!
- Für sofortigen, unbefristeten, konzernweiten, selbständigen Streik bis die Vorstandspläne vom Tisch sind!