3000 Teilnehmer in Duisburg
Ruhrpott-Rebellion – Die Arbeiterklasse erhebt ihr Haupt!
Mit rund 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde heute der zweite Tag der Ruhrpott-Rebellion zu einem ersten Höhepunkt und Auftakt für die bevorstehenden Kämpfe.
Bereits am Versammlungsort schallen laut die Rufe der Kolleginnen und Kollegen aus dem Einzelhandel: „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist ein Streiktag“ oder von den Klinikbeschäftigten: „Mehr von uns, ist gut für uns alle!“
Das Internationalistische Bündniss mit seinem Offenen Mikrophon wurde zur Anlaufstelle vieler unterschiedlicher Kräfte, die es für ihre Berichte, Beiträge und Kommentare nutzten. Untermalt von kämpferischen Liedern der Band Gehörwäsche. Dieser Block prägte nicht nur beim Warm-up, sondern während des ganzen Zuges die hohe Kampfmoral und Entschlossenheit, die Einschnitte in die soziale Lage der Arbeiter und der breiten Massen als einen Generalangriff zu verstehen und entschlossen dagegen zu kämpfen.
Politisches Bewusstsein kam in verschiedenen Beiträgen der Auftaktkundgebung durch Delegationen aus den Betrieben, darunter Ford-Köln, Daimler-Düsseldorf, ThyssenKrupp, HKM und weiteren zum Ausdruck. Mit großem Jubel wurde die Information über die Demonstration und den Streik der Daimlerkollegen in Stuttgart-Untertürkheim und in Sindelfingen aufgenommen - konzernweit waren es 33 000.
In seinem Beitrag stellte Peter Weispfenning von der MLPD die Notwendigkeit heraus, den Kampf nicht nur als einzelne Belegschaft, sondern als Klasse zu führen. Er betonte den Kampf gegen die verschärfte Ausbeutung durch Monopole und Staat. Aber auch, die Kampfeinheit verschiedener Gewerkschaften mit selbständigen Kämpfen zu verbinden. Und auch politische Forderungen wie gegen Krieg und Faschismus aufzustellen. In der Konsequenz müssen die Arbeiter von der Rebellion zur Revolution kommen, um den Kapitalismus revolutionär zu überwinden und zur grundsätzlichen Lösung in der Alternative Sozialismus zu kommen.
Das höher entwickelte Bewusstsein kam auch in den Reden der Schlusskundgebung zum Ausdruck, wo generell von der Bühne aus die Teilnehmer als Rebellen begrüßt und auch mit „liebe Arbeiterklasse“ angesprochen wurden. Diese Töne drücken eine deutliche Veränderung aus, auffallend bis hinein in die Gewerkschaftsführung.
Auffallend war auch die Überwindung bisheriger Vorbehalte gegenüber der MLPD und des Internationalistischen Bündnisses. So wurde das offene Mikrofon in der Demo auch wie selbstverständlich von der Landessprecherin der AfA (Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD) in Anspruch genommen. Deutlich wurde, dass eine höhere Form der Organisiertheit notwendig ist, um den Gegner zu schlagen – sowohl in der Gewerkschaft als auch in der MLPD. Einige Kontakte wurden gewonnen. Ausgehend von der zunehmenden Kapitalismuskritik sind die Arbeiter und Arbeiterinnen herausgefordert, sich mit dem Sozialismus zu befassen und mit einer Partei, die für den Sozialismus steht.
Kapitalismuskritik ist weit verbreitet und es entwickelt sich das Bedürfnis, sie zu fundieren. Selbst Revolutionär werden, in der MLPD Mitglied zu werden, ist für die meisten unserer zahlreichen Gesprächspartnerinnen und -partner ein neuer, aber keineswegs abwegiger Gedanke. Und so wechseln etliche Exemplare des Parteiprogramms der MLPD und des Rote-Fahne-Magazins den Besitzer. Etliche Kolleginnen und Kollegen wollen mit uns in Verbindung bleiben. Vor allem, weil wir uns auf harte Kämpfe und Streiks einstellen und diese entsprechend vorbereiten müssen.
Auch von der Bühne wurden die Zusammenhänge zum Protest gegen die faschistische AfD in Erfurt und zur Kriegsvorbereitung als Hintergrund der drastischen Einschnitte gezogen. Bei der Demonstration wurde das riesige Transparent am IG-Metall-Haus mit Beifall begrüßt: „Unsere Zukunft liegt nicht im Schützengraben – Nein zur Wehrpflicht, nein zum Krieg.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren geeint im Kampf zum Erhalt unserer sozialen Rechte. Immer wieder wurde aber auch ein angeblicher "Sozialstaat" beschworen, den wir verteidigen müssten. Ja, die Arbeiterklasse hat soziale Rechte hart erkämpft. Aber Nein, der bürgerliche Staat war nie sozial. Er war auch in den Jahrzehnten zuvor ein Staat der Diktatur der Monopole. Er war nur anders auf die Dämpfung der Klassenwidersprüche ausgerichtet, während er heute einen offeneren Rechtskurs fährt.
In der Rede des Hauptredners Jürgen Urban – bis vor wenigen Tagen im IG-Metall-Vorstand - wurde zu Recht mit starken Worten die von Regierung und Konzernen geplanten Maßnahmen angegriffen, auch über den Begriff, es sei ein „Gesamtkunstwerk“, machte er sich zu Recht lustig. Allerdings blieb offen, inwieweit diesen Worten Taten folgen können oder sollen. Auch wenn Urban diese konsequente Ablehnung ehrlich meint, so bleibt das Problem, was unter bestehenden Verhältnissen möglich ist. Die Ungerechtigkeit im Kapitalismus ist nicht nur ein Problem der Verteilung der erschaffenen Werte. Sondern eine Frage der Ausbeutung und der Produktion von Mehrwert, wie es bereits Karl Marx analysierte.