Hürtgenwald
Größter Brand in NRWs Geschichte
Seit Donnerstagnachmittag kämpfen bei dem Ort in der Eifel 1 400 Feuerwehrleute aus ganz NRW gegen die Flammen. Es sind etwa 300 Hektar Wald betroffen. 1 800 Menschen wurden evakuiert.
Helikopter und Flugzeuge an den Löscheinsätzen beteiligt. Katastrophenalarm wurde auch in anderen Gebieten NRWs ausgelöst, weil der Rauch sich über das Land ausbreitete. Unter anderem im Oberbergischen Kreis wurde gestern geraten, Türen und Fenster geschlossen zu halten; wenn möglich, solle man das Gebiet südöstlich Wuppertals meiden. Im Hürtgenwald gab es bisher fünf Verletzte. Eine ältere Person hat Herzprobleme bei der Evakuierung bekommen, vier Feuerwehrleute sind, zum Glück, nur leicht verletzt worden.
Wie auch sonst in solchen Fällen zeigt sich die spontane Solidarität und Organisation der Massen: Freiwillige beteiligen sich in großer Zahl, Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Gebiete sind nicht passiv, sondern kämpfen aktiv um den Erhalt ihrer Heimat. Die Bauern spielen eine besondere Rolle. Sie bringen mit Tankwagen oder in Fässern Wasser an die Einsatzorte. Mit ihren Traktoren schwerem Gerät bewässern Felder, ziehen Brandschneisen und pflügen bedrohte Äcker um, damit dort die Flammen keine Nahrung finden; auch auf Kosten ihrer eigenen, durch die Dürre ohnehin geschmälerten Ernten.
Diese Waldbrände haben, was die Geschichte unserer Region angeht, durchaus eine neue Qualität. Es sind große Flächenbrände, die das Potenzial zu eigenen Wetterlagen wie Feuerstürmen haben, und die unter Kontrolle zu bringen weit über die Möglichkeiten der aktuellen Kräfte in Katastrophenschutz und Brandbekämpfung hinausgehen. Dieser Waldbrand ist der größte in der Geschichte NRWs – aber er wird es nicht bleiben. Und wir sehen, wie Kräfte aus dem ganzen Land zusammen gezogen werden müssen, und am dritten Tag ist der Brand immer noch nicht unter Kontrolle. Der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU) äußerte sich in der „Zeit“ sehr zurückhaltend, „dass wir heute, spätestes morgen in der Situation sind zu sagen: Wir haben ein hohes Maß an Kontrolle.“ Zur Stunde ist die Lage wohl relativ stabil, aber es besteht immer noch die Gefahr, dass durch einen Umschwung des Windes der Brand wieder völlig außer Kontrolle gerät.
Dabei ist es wichtig, zu verstehen, wie sich diese Waldbrände in die fortschreitende globale Umweltkatastrophe einordnen. Sie sind nämlich sowohl ein Ergebnis der Klimakatastrophe durch steigende Temperaturen und immer länger andauernde Dürreperioden, als auch ein weiterer Brandbeschleuniger (hier auch mal im ganz wörtlichen Sinn) dieses Prozesses, denn sie bringen große Mengen CO₂ in kurzer Zeit in die Atmosphäre ein, tragen direkt zur Erwärmung bei, und veröden die Böden, was deren Fähigkeit, CO₂ aufzunehmen und den Temperaturen entgegenzuwirken, aufhebt. Und sie sind selbst ein Hauptfaktor der Umweltkatastrophe geworden, wie das Buch „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen!“ kennzeichnet.
Circa 60 Kilometer Luftlinie entfernt von Hürtgenwald brach am Freitag ein übrigens weiterer größerer Wald- und Wiesenbrand im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz aus. Dort brannten rund 50 Hektar, nach offiziellen Angaben wurden sieben Feuerwehrleute leicht verletzt.
Weltkriegsmunition explodiert im Hürtgenwald
Der Hürtgenwald führt uns aber auch nochmal vor Augen, wie vernichtend ein imperialistischer Krieg ist und wie lange anhaltend seine Folgen: Dort liegen Unmengen Munition, Granaten und Minen aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden. Und zwar so viel davon, dass der Wald selbst zu normalen Zeiten nicht als sicher gilt. Er war Schauplatz einer der letzten großen Abwehrschlachten der faschistischen Wehrmacht gegen die Westalliierten Ende 1944. Während des Waldbrands sind immer wieder Explosionen zu hören, und die Feuerwehrleute werden dadurch in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt und sind zusätzlicher Gefahr ausgesetzt.
5 100 Menschen starben laut Robert-Koch-Institut allein in der Hitzewoche vom 22.-28. Juni 2026. Meist waren es Senioren mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Lungen-, Nieren- und Herzerkrankungen oder Parkinsonkrankheit.
Unter normalen Bedingungen wird unsere Temperatur über Schweißbildung, vor allem aber über Blutumverteilung in den Blutgefäßen reguliert. Diese Regulierung kann aber gestört werden - durch Extremhitze und Überanstrengung, mangelnde Flüssigkeitszufuhr, durch Vorerkrankungen - und auch durch Medikamente, z.B. Blutdrucksenker, Entwässerungstabletten, bestimmte Antidepressiva.
Dann kann ein Hitzestau, ein „Hitzschlag“, ein Kreislaufzusammenbruch auftreten mit der Gefahr eines tödlichen Komas. Erste Anzeichen: Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel. Dann ist eine Lagerung im Kühlen, sind Flüssigkeitszufuhr, kühlende Umschläge im Nacken und auf der Stirn, an Beinen und Brustkorb wichtige Maßnahmen. Oder es ist auch ärztliche Mitbehandlung oder Krankenhauseinweisung nötig.
Bei älteren Menschen sollte die soziale Umgebung Mitverantwortung übernehmen – Familie, Nachbarn, Freunde. Oftmals vergessen Senioren zu trinken oder überschätzen auch die Anpassungsfähigkeit ihres Organismus. Blutdruckmedikamente müssen zum Teil niedriger dosiert werden. Auch die kühle Lagerung der Medikamente wird oft nicht beachtet – bereits bei kurzer Hitzeeinwirkung kann ein Wirkungsverlust eintreten. Arztpraxen, Pflegedienste und soziale Einrichtungen sollten entsprechende Info-Flyer bereithalten (z.B. https://daebl.de/Od9o oder über das Gesundheitsnetzwerk KLUG)
Am Arbeitsplatz muss auf eine strikte Einhaltung der Arbeitsschutzverordnungen geachtet – und oft auch dafür gekämpft werden. Ab 30 Grad müssen entsprechende Schutzmaßnahmen durchgeführt bzw. bereitgestellt werden. Ab 35 Grad ist eine Arbeit nicht mehr möglich. Entsprechende Regelungen gelten auch für den Schulunterricht.
Ursache ist die Klimakatastrophe
Der Zusammenhang von Hitze und Extremwetterlagen mit der sich verschärfenden Klimakatastrophe wird heute von keinem ernsthaften Wissenschaftler mehr geleugnet. Im Gegenteil: die Forderung nach radikalem Klimaschutz wird immer lauter. Und auch der Protest gegen die herrschende Politik, die den Klimaschutz in einer dramatischen Situation noch weiter zurück fährt. Das alleine wird natürlich nicht reichen, denn mittlerweile haben Selbstzerstörungsprozesse der Biosphäre begonnen. Dass heißt, dass verschiedene Faktoren der globalen Umweltkatastrophe, zum Beispiel die Erwärmung der Meere und die Anreicherung von Gasen wie Kohlendioxid und Methan einander beschleunigen, und zwar unabhängig von den Auswirkungen der kapitalistischen Wirtschaft (auch wenn diese sie natürlich weiter beschleunigt).
Es ist ein Offenbarungseid des Imperialismus, wenn stattdessen unbegrenzte Milliardenbeträge für Kriegsvorbereitung bereit gestellt werden. Das ist auch ein Krieg gegen die Natur und unsere Lebensgrundlagen. Wir können und wir müssen diesem bewusst betriebenen Zerstörungsprozess skrupelloser Monopole, Finanz-Oligarchen und imperialistischer Regierungen endlich Einhalt gebieten. Klimaschutz ist zu einer Systemfrage geworden - wir brauchen eine Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen in Einheit mit der Natur Richtlinien der Wirtschaft sind, also den Sozialismus.
Ganz aktuell geht es neben dem Gesundheitsschutz auch um Maßnahmen zum kommunalen Klimaschutz, die dringend durchgesetzt werden müssen: Entsiegelung und Begrünung der Städte, Wasserflächen und Wasserspielplätze, Trinkwasserbrunnen und auch Rückhaltebecken für Extremniederschläge. Nur ein Notbehelf können Klimaanlagen für Krankenhäuser und Pflegeheime sein, weil sie die Städte noch stärker aufheizen.
Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?
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