Rassismus
Renaud Camus – vom schillernden Lebemann zum Lieferanten faschistischer Kampfbegriffe
Heute wird der Franzose Renaud Camus 80.
Einst feierte er in " Tricks" die flüchtigen Körper der schwulen Nacht und galt als elegante Stimme einer emanzipierten Homosexualität. Heute sitzt derselbe Mann in seinem Schloss und verkauft den „großen Austausch“ als zivilisatorische Katastrophe: Die Europäer würden durch Einwanderer aus Afrika und dem Maghreb ersetzt.
Das Problem ist nicht nur der ideologische Salto. Camus’ Formel ist zum zentralen Bezugspunkt und Vorbild großer Teile der faschistischen Szene Europas geworden. Von französischen "Identitären" über deutsche Rechte bis zu den Manifesten von Attentätern – der „Grand Remplacement“ liefert die fertige Erzählung vom angeblichen Volkssaustausch. Camus distanziert sich heuchlerisch von der Gewalt, liefert aber unverdrossen die Vokabeln dafür.
Absurd ist das Ganze schon in der Sache selbst. Einen „Austausch“ im Sinne einer planmäßigen, vollständigen Ersetzung der Bevölkerung gibt es nicht. Was stattfindet, sind Migration, unterschiedliche Geburtenraten und gesellschaftliche Veränderungen. Camus verdichtet sie rhetorisch zur existenziellen Auslöschung und macht daraus eine bequeme Untergangsformel. So wird aus einer literarischen Pose eine ideologische Munition, die genau dort landet, wo sie am meisten Schaden anrichtet.