Viele Gründe, auf die Straße zu gehen
Antikriegstag 2026: Nicht viel mehr, aber mehr jüngere Friedenskämpfer
In Deutschland gab es am internationalen Kampftag gegen Faschismus und Krieg am 1. September insgesamt 170 bis 200 Veranstaltungen.
Es gibt sehr viele Gründe, an diesem traditionellen Antikriegstag auf die Straße zu gehen: Drohende Wiedereinführung der Wehrpflicht, Großangriff auf erkämpfte soziale Rechte für Kriegsvorbereitung, Umstellung auf Kriegswirtschaft, akute faschistische und Weltkriegs-Gefahr.
Dass die Veranstaltungen und Aktionen zumeist klein waren zeigt, dass die psychologische Kriegsvorbereitung durch die Bundesregierung und die bürgerlichen Medien noch verbreitet wirkt. Derzeit wird sie noch verstärkt betrieben. Nach dem Fund von Drohnen auf dem Leipziger Flughafen wird systematisch Kriegsstimmung gegen Russland geschürt, obwohl keine Beweise für eine Beteiligung Russlands präsentiert werden. Anschläge auf Stromleitungen werden gleich für ein doppeltes Feindbild genutzt, entweder war es Russland oder Linke, im Zweifelsfall beide zusammen.
Zugleich wird die faschistische AfD im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt penetrant groß geredet und damit als Alternative zu den Regierungsparteien dargestellt. So war es auch ein wichtiges Thema bei den Antikriegstagskundgebungen, der AfD ihre Fassade als angebliche Friedenspartei zu zerpflücken.
Bundesweit bewegte sich die Teilnehmerzahl etwa auf dem Niveau des Vorjahres, bei deutlich mehr breiten Bündnissen auf Augenhöhe und sehr viel mehr Jugendlichen.
Traditionell stark war die Demonstration in Hamburg mit 2000 Teilnehmern mit dem prägenden Thema der Solidarität für Rojava. In Leipzig waren unter den 600 Teilnehmern vor allem sozialistische Jugendliche. Hier wurden 141,75 Euro für das Al-Awda-Projekt in Gaza gesammelt. Sogar 160 Euro kamen für das gleiche Projekt in Bochum zusammen, organisiert von „Palästina muss leben“. 500 Menschen demonstrierten in Berlin zum „Showroom“ der Bundeswehr. Hier sprach eine junge Vertreterin der Bewegung gegen die Wehrpflicht und prangerte die Repressalien an, mit der offenbar versucht werden soll, diese Bewegung klein zu kriegen.
In Erfurt wächst das breite Bündnis von Kirche bis MLPD immer besser zusammen. Hier ist es inzwischen Standard, dass vor Kundgebungen mindestens drei gemeinsame Infostände in der Stadt gemacht werden zur Mobilisierung. Gut 70 feste Teilnehmer und über 200 insgesamt sind immer noch wenig, aber ein Beispiel mit Ausstrahlung. Kleinere, aber breit zusammengesetzte Bündnisse gab es auch in Velbert, Gera, Lübeck, Erlangen, Völklingen oder Schwäbisch Gmünd. Letzteres war ein Neustart des Antikriegstags nach vielen Jahren. Optimistisch äußerte sich hier die junge Rednerin der Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Sie kritisierte Bundeswehrwerbung an Schulen und meinte: „Doch trotz dieser breiten Werbeoffensive lässt sich unsere Generation nicht so einfach ködern. Die Zahlen sprechen da eine ganz deutliche Sprache: ca. 300.000 Fragebögen hat das Verteidigungsministerium seit Mitte Januar 2026 an potentiell Wehrdienstgeeignete geschickt und dadurch sage und schreibe 530 Rekruten gewonnen. Das sind stolze 0,18 Prozent! Das zeigt vor allem eines, und zwar, dass wir keine Lust haben, für die Interessen von Staat und Kapital im Schützengraben zu landen.“
In Eisenach waren zwar nur gut 40 Leute auf dem Markt, aber das waren fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Eine Betriebsrätin von Opel warnte vor der Umstellung auf Rüstungsproduktion, was „unsere Arbeitsplätze zur ersten Zielscheibe in einem Krieg machen würde.“ In Nürnberg war unter den 200 Teilnehmern ein starker Block des Internationalistischen Bündnisses. Die Rednerin der MLPD in Völklingen spannte den Bogen von der Arbeiterbewegung zum Friedenskampf und zur Perspektive: „Die Friedens-, die Arbeiter- und die sozialen Bewegungen müssen gemeinsam kämpfen: Helfen wir mit, den 21. September zum Streiktag zu machen ...und mobilisieren wir zu der DGB-Demo am 26. September ... Der Streik der Saarbahn-Lokführer ist längst auch zur politischen Frage geworden. Die Kolleginnen und Kollegen sehen sich von der Geschäftsleitung der Hetze, Spaltungs- und Unterdrückungsversuchen gegenüber der GDL ausgesetzt. Hände weg von Gewerkschafts- und Arbeiterrechten! ... Wir sind antirassistisch, antizionistisch, antifaschistisch und mehr. Wir kämpfen gegen Krieg und Umweltzerstörung ... Aber wofür kämpfen wir? Wir brauchen eine breite Debatte über eine Alternative zum zerstörerischen Ausbeutersystem Kapitalismus, über die Perspektive einer befreiten Gesellschaft. Für uns Marxisten-Leninisten ist das der echte Sozialismus – der an den Erfolgen und Errungenschaften der früher sozialistischen Staaten anknüpft und zugleich aus ihren Fehlern lernt und für morgen Schlussfolgerungen zieht!“
Es ist zukunftsweisend, dass junge Menschen den Friedenskampf und antimilitaristischen Kampf vermehrt als ihre Aufgabe begreifen, zumal sie es sind, die in den Schützengräben liegen sollen. An 1. September startete auch das Protestcamp von „Rheinmetall entwaffnen“ in Köln mit einer Demonstration. MLPD und REBELL beteiligen sich.