Streik bei Tria/Avnet bei Freiburg

Streik bei Tria/Avnet bei Freiburg

Kämpferischer Ingenieur Martin H. arbeitet nach erfolgreicher Klage wieder im Betrieb

Anfang Februar berichteten wir auf Rote-Fahne-News über einen achtwöchigen Streik bei Tria/Avnet in Eschbach bei Freiburg für den Erhalt der Tarifbindung für Ingenieure und Angestellte, sowie die folgende fristlose Kündigung des Vertrauenskörperleiters und Streikaktivisten Martin H. Er hat im anschließenden Verfahren vor dem Arbeitsgericht in allen Punkten gewonnen und arbeitet seit Mitte Juni wieder im Betrieb.

Korrespondenz

Arbeitsgericht: „Störung der betrieblichen Abläufe“ durch Streik ist rechtens

Sowohl die fristlose Kündigung wegen angeblicher Sabotage als auch die ordentliche Kündigung wurden zurückgewiesen. In der Urteilsbegründung hebt das Gericht ausdrücklich das Recht der Beschäftigten hervor, durch eine „kollektive Arbeitsniederlegung Druck auf den Arbeitgeber auszuüben“. Zum Vorwurf, die Streikenden hätten das Ziel ausgerufen, die betrieblichen Abläufe zu stören, sodass das Unternehmen Lieferschwierigkeiten mit den Kunden bekäme, stellt es fest, „dass dies gerade der Sinn des Streiks ist.“ Vertragsverstöße hätten Martin H. nicht nachgewiesen werden können.

Martin H. erreicht Platz 4 bei Betriebsratswahl und muss weiterbeschäftigt werden

Laut dem Urteil muss Martin in seiner bisherigen Funktion als Construction Engineer weiterbeschäftigt werden, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Seit Mitte Juni ist er wieder im Betrieb. Nachdem er bei den Betriebsratswahlen, die während seiner Abwesenheit stattfanden, auf Platz 4 gewählt wurde, konnte er auch seine Betriebsratsarbeit aufnehmen.

Schikanen der Geschäftsleitung

Allerdings hat das Unternehmen Berufung angekündigt und setzt die Weiterbeschäftigung nicht korrekt um, um Martin mürbe zu machen.

 

Martin erhält keinen regulären Lohn, sondern eine Art Zahlung auf Stundenbasis, ohne Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, ohne Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld. Auch der gesetzliche Anspruch auf Bildungszeit wird ihm verwehrt.

 

Anstatt in seiner bisherigen Arbeitsgruppe ist er nun in einem Einzelbüro im Managementbereich tätigt und soll dort die Daten des Hallenlayouts pflegen. Die bei Versetzungen eigentlich erforderliche Zustimmung des Betriebsrats wurde dazu nicht eingeholt. Martin will mithilfe der IG Metall rechtlich gegen diese Schikanen vorgehen.

 

Martin erhält viel Unterstützung von seinen Kolleginnen und Kollegen, die zum Beispiel darin zum Ausdruck kommt, dass ein Kollege ihn jeden Tag von seinem Einzelbüro zum Mittagessen abholt. Viele freuen sich, dass er wieder da ist und nicht aufgibt.

 

Wir werden weiter berichten.