Wichtige Antikriegs-Filme
Die 83. Filmfestspiele von Venedig: Schlaglicher auf die globalen Krisen
Bis zum heutigen 12. September laufen noch die neuesten Produktionen internationaler Filmschaffender in Venedig. Auffällig: Fast durchweg beschäftigen sie sich kritisch mit der Wirklichkeit jenseits der Fake News von Trump und Co.
Natürlich gehören der Rote Teppich und Star-Rummel zum Kino-Business. Und Schlagzeilen macht selbstverständlich die Premiere der Doku zur „Wiedervereinigung“ der Oasis-Brüder unter dem Titel „Oasis: Don’t Look Back in Anger“. Und Aufmerksamkeit erreicht auch die Dokumentation von Alex Gibney. Er zeigt mit „Musk“ ein rund vierstündiges Porträt des Tech-Milliardärs. "Musk" hatte am Dienstag beim Filmfestival von Venedig seine Premiere gefeiert und viel Beifall erhalten. Der Dokumentarfilm zeichnet das Leben und die Karriere des reichsten Menschen der Welt nach. Elon Musk hat nun den Machern eine Klage angedroht, es gäbe darin „Falschinformationen“. Das macht neugierig.
Aber das Schwergewicht dieser Festspiele liegt woanders. Auf diese soll hier das Augenmerk gerichtet werden.
- Im Thriller „Bunker“ geht es um einen Architekten, der für den Bau eines Überlebensbunkers engagiert wird. Die Besetzung mit die Penélope Cruz wird sicher für volle Kinosäle sorgen.
- Im neuen Film des Koreaners Lee Chang-dong nutzt dieser sein ganzes Können, um in zweieinhalb Stunden im Film „Possible Love“ die soziale Ungleichheit und die Ausbeutung in seinem Land zu sezieren.
- Für politische Reibungspunkte sorgen mit Sicherheit auch weitere Filme. Die französische Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux und weitere Unterstützer des Kollektivs „Venice4Palestine“ fordern, den Nahostkrieg, den Völkermord der Zionisten in Gaza und den Siedlerterror im Westjordanland stärker ins Blickfeld zu rücken und auch die palästinensische Flagge zu hissen. Im Programm liefen zwei palästinensische Filme. Der Film „NAZA“ der oscarprämierten Regisseure Yuval Abraham and Rachel Szor behandelt ausdrücklich das Massensterben palästinensischer Zivilisten.
- Der Film „Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh zeigt einen todkranken CIA-Mann, der sich 1973 mit seinem Kollegen auf eine letzte Reise zu den Osterinseln macht. Hier plaudert er ganz offen über die politischen Verbrechen seiner Behörde, von denen er einen Großteil persönlich ausgeführt hat. Zwei jungen Aktivistinnen aus Chile rät er, besser nicht in ihr Land zurückzukehren und nennt den Termin der geplanten Ermordung von Präsident Allende - eine unverhüllte Abrechnung mit der schamlos mordenden US-Außenpolitik.
- Der Japaner Shinya Tsukamoto hat mit „Mr. Nelson, Did You Kill People” einen schonungslosen Film über amerikanische Kriegsverbrechen im Vietnamkrieg gedreht. Gestützt auf den Memoiren des Veteranen Allan Nelson, wird in diesem Kriegs- und Psychodrama die grausame Wirklichkeit dieses imperialistischen Kriegs beispielhaft vorgeführt.
Mit der wachsenden Weltkriegsgefahr werden offenbar antiimperialistische bzw. Antikriegs-Filme hoch aktuell.