Malchow

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Antifaschistische Proteste in Malchow/Mecklenburg-Vorpommern – auch auf dem Land bewegt sich etwas!

In den letzten Wochen fanden zwei bedeutende Protestaktionen gegen die AfD in Malchow statt. Dass die AfD ein Bürgerfest mitten auf dem Marktplatz durchführte, hat das antifaschistische Bewusstsein der Malchower herausgefordert.

Korrespondenz

An der Kundgebung dagegen beteiligten sich 90 bis 100 Malchower. Gemessen an der Einwohnerzahl wären das in Berlin 65.000 Menschen. Diese Größe wurde möglich durch eine Zusammenarbeit von verschiedensten Organisationen, Anwohnern und engagierten Menschen. Vor der ersten Kundgebung wurde schnell klar, dass zuerst ein Vertrauen entstehen muss. Man demonstriert ja nicht mit Leuten, die man gar nicht kennt. Und man wollte den Rechten ja auch nicht mit nur vier oder fünf Leuten gegenüberstehen. Darum organisierten wir am Vorabend ein Vorbereitungstreffen am geplanten Kundgebungsort, zu dem schon 19 Leute kamen.

 

Es war genau richtig, dass wir von der MLPD die Initiative ergriffen hatten. Wir haben dabei gemerkt, wie wir selbst beeinflusst waren von einer Haltung „In Malchow passiert eh nichts“. So hatten wir die Kundgebung nur für zwei Stunden angemeldet statt bis zum Ende des AfD-Bürgerfests. Bei dem Treffen besprachen wir erste Argumente und es entstand die Idee, dass jeder für die Protestaktion ein Plakat mit seiner Forderung malt und mitbringt. Wir hatten einen Mobilisierungs-Flyer entworfen, der zusammen verbessert, sofort beim Kollegen um die Ecke gedruckt und gemeinsam in die Briefkästen gesteckt wurde. Der Flyer wurde auch vielfach abfotografiert und in den Sozialen Medien im Bekanntenkreis verbreitet. Mit Straßenkreide malten einige ihre Forderungen und Statements auf die Gehwege. So entstand eine in Malchow lange nicht gesehene breite Zusammenarbeit.

 

Die hohe Beteiligung zeigt, dass sich auch in Malchow was bewegt und im Osten nicht alle Blau wählen, wie oft in den Medien behauptet wird. Neu war auch, dass Vertreter und einzelne Mitglieder der MLPD, der LINKEN, der GRÜNEN, der SPD, dem Demokratie-Bündnis Waren, der Kirchengemeinde zusammengearbeitet haben. Ein so breites Bündnis wäre vor einem Jahr noch nicht denkbar gewesen. Die antifaschistischen Kundgebungen waren mit die größten in Malchow seit 1989. Das hat allen Beteiligten ein neues Selbstvertrauen gegeben. Eine Teilnehmerin drückte es so aus: „Wenn ich jetzt durch Malchow laufe, weiß ich, dass viele andere auch meiner Meinung sind“. Es blieben auch mehrere Touristen stehen, sie fanden es toll, dass „im Osten auch die Antifaschisten zu sehen sind“ und „haben daheim ja die gleichen Herausforderungen mit der AfD“.

 

Mit einem Auswertungstreffen und einem Vorbereitungstreffen wurde eine zweite Kundgebung gegen das Wahlkampffinale der AfD vorbereitet - dieses Mal mit Offenem Mikrofon und DemokraTISCH-Picknick. Bei der ersten Kundgebung hatten wir selbst kein Plakat der MLPD dabei. Wir haben hinterher selbstkritisch diskutiert: Die Leute müssen sehen, wer was vertritt, damit sich jeder selbst eine Meinung bilden kann. Das haben wir beim Auswertungstreffen angesprochen. Die überparteiliche Zusammenarbeit war eine Lehre der antifaschistischen Bewegung nach dem Zusammenbruch des Hitlerfaschismus. Unser Plakat „Wer AfD wählt, wählt Faschismus“ passte jedenfalls gut in die vielen schönen, selbstgemalten Pappen der Teilnehmer. Auch das gehört zur neuen Zusammenarbeit, das gemeinsame Anliegen in den Mittelpunkt zu stellen und sich zugleich über Fragen zu streiten, wo man sich noch nicht einig ist.