ICOR bei Fête de l’Humanité
570 000 Besucher, Konzerte, internationale Küche, Spiele - und viel Diskussionsbedarf
570 000 Besucher, zahlreiche Konzerte, internationale Küche, ein Wettlauf und Spiele: Die Fête de l’Humanité ist das größte linke Festival Frankreichs – DAS jährliche Event. Auch diesmal kam ein ganz überwiegend junges Publikum.
In ihrer Werbung stellt die revisionistische Kommunistische Partei Frankreichs (KPF) vor allem die Namen bekannter Sängerinnen, Sänger und Bands in den Mittelpunkt. Die Partei finanziert sich hauptsächlich über das Fest. Es ist professionell sehr gut organisiert und bringt viel Geld. Allein unser drei Meter langer Bücherstand der revolutionären Weltorganisation ICOR im wettergeschützten „Dorf der Bücher“ kostet zum „Freundschaftspreis“ 700 Euro!
Kampf der herrschenden Politik – aber wie?
Neben der Musik bietet die Fête unzählige sehr interessante Veranstaltungen zu verschiedensten sozialen Fragen. Die Themen reichen von Medien, künstlicher Intelligenz und Problemen der Autoindustrie über Erziehungsfragen und die Krisenregierung bis zur Lage in Kuba, Palästina, Kurdistan und im Iran. Hunderte und manchmal Tausende Teilnehmer kommen zu diesen Veranstaltungen. Zahlreiche Diskussionen sind von den großen Bedrohungen geprägt: Faschismus, Kriegsvorbereitungen und Umweltkatastrophe.
Sind die Präsidentschaftswahlen im April 2027 der Ausweg? Der Wahlkampf hat eindeutig begonnen, und im Zentrum steht die Frage: Wer wird Macron ablösen, dem nicht mal mehr 15 Prozent der Leute vertrauen? Kandidaten der KPF und von La France Insoumise (Unbeugsames Frankreich) präsentieren sich. Ganz eindeutig ist Letztere die Hoffnungsträgerin für eine linke, antifaschistische und sozialere Regierung. Viele ihrer Forderungen sind zu unterstützen, auch wenn sie den Kapitalismus nicht grundsätzlich infrage stellt und damit die großen Fragen nicht lösen kann und will.
Der internationale Büchertisch, etwas Besonderes
Am Büchertisch standen drei ICOR-Organisationen gemeinsam, und sie wuchsen dabei immer besser zusammen: die MLKP aus der Türkei/Nordkurdistan, die MLPD aus Deutschland und wir als UPML aus Frankreich. Die ICOR Europa hatte den Einsatz koordiniert. Ihr Flyer erklärte: „Revolution und Sozialismus! Die Welt schreit nach Koordinierung – werdet Mitglied in der ICOR!“
An unserem Stand wurde interessiert und viel diskutiert. Viele – vor allem junge – Menschen auf der Suche interessierten sich für Marx, Engels, Lenin und Mao Zedong als Klassiker. Unser Antiquariat fand reißenden Absatz!! Die aktuellen Bücher verkauften sich nicht so schnell, natürlich auch wegen der höheren Preise. Daraus ergeben sich für uns zwei Aufgaben. Erstens müssen wir noch deutlicher machen, dass unsere Literatur auf den „Klassikern“ aufbaut und dass das die Anforderung in einer Welt im schnellen Wandel ist. Zweitens brauchen wir mehr Lektüre für „Anfänger“ in der fortschrittlichen Jugendbewegung: Was ist Ausbeutung? Wie funktioniert der Staat? Was sind Sozialismus und die dialektische Methode?
In Frankreich muss eine neue Partei aufgebaut werden. Mehr als 20 Besucher aus ganz Frankreich, aber auch aus den Niederlanden und Deutschland, trugen sich in unsere Mitmachlisten ein. Sie wollen Freunde der ICOR werden oder mit der UPML in Verbindung bleiben. Das ist eine große Herausforderung für unsere Organisation in Frankreich!
Fragen an die ICOR
Die Pressefest-Organisatoren hatten die Diskussion „Begegnung mit der ICOR“ auf Sonntagmorgen um 10 Uhr gelegt. Nach einer durchtanzten Nacht ist das eine etwas ruppige Zeit! Die ICOR bekam eindeutig keine Poleposition im Programmablauf der Fête, und die Veranstaltung war wenig besucht. Die Fragen der uns oft bekannten Genossen waren dennoch interessant:
Warum seid ihr keine Internationale? Was tut die ICOR für die Frauen? Was macht ihr praktisch? Vertreter der drei anwesenden Organisationen zeigten lebendig, was die ICOR ausmacht. Sie ist selbst eine wesentliche Strömung der heutigen internationalen revolutionären Bewegung. In ihr arbeiten Parteien und Organisationen gleichberechtigt zusammen, die sich in Größe, Erfahrungen und historischen Wurzeln unterscheiden. Ihr Kern ist die Koordinierung des Klassenkampfs und die praktische Zusammenarbeit bei gleichzeitiger ideologisch-politischer Vereinheitlichung. Die Gründungserklärung der ICOR setzt das Ziel, im Wechselprozess von theoretischer Diskussion und praktischer Arbeit „zu einer Einheit in allen wesentlichen Fragen zu kommen“. Dazu gehört die gegenseitige Unterstützung im Klassenkampf und Parteiaufbau.
Praktisch heißt das zuallererst, die Kämpfe der Arbeiterklasse zu stärken, länderübergreifend zu verbinden und zu revolutionieren. Die ICOR koordiniert gemeinsame internationale Kampftage, organisiert Solidarität mit Streiks und Arbeiterkämpfen wie aktuell bei den Kämpfen in der Autoindustrie oder den Streiks in Solidarität mit Gaza und treibt den Aufbau einer antiimperialistischen und antifaschistischen Einheitsfront voran. Sie unterstützt die Weltkonferenzen der Basisfrauen, deren vierte 2027 stattfindet. Sie unterstützt auch den Aufbau eines Krankenhauses in Gaza, so wie sie 2014/2015 den Aufbau eines Gesundheitszentrums in Kobanê/Kurdistan mit internationalen Brigaden organisierte. In Frankreich zeigt sich die Zusammenarbeit zum Beispiel in diesem gemeinsamen Einsatz bei der Fête, in Resolutionen und in der Übersetzung von Literatur. Diese Zusammenarbeit ist immer mit Diskussionen verbunden, und wir überwinden schrittweise die Widersprüche.
Einheit und Widersprüche im antiimperialistischen Kampf
Wir besuchten Veranstaltungen von Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten oder die wir kennenlernen wollten. Darunter waren Jugend-, Umwelt- und Frauenorganisationen sowie Organisationen mit revolutionärem Anspruch. Unter Revolutionären wurden wichtige Fragen zu den Ursachen der wachsenden Zahl von Kriegen aufgeworfen.
Eine Frage war, ob die althergebrachten imperialistischen Länder die unterdrückten Länder des „globalen Südens“ in einer Art Rekolonisierung unterwerfen wollen. Wenn ja, wäre dementsprechend der Kampf um nationale Befreiung auf der Welt entscheidend. Oder bilden sich auf allen Kontinenten zunehmend neuimperialistische Länder heraus? Dann ginge es angesichts des Rückfalls der einen und der Stärkung anderer Mächte um eine Neuaufteilung in einer multipolaren Welt. Und dann wäre das internationale Industrieproletariat als führende Kraft für die künftige sozialistische Revolution.
Unter jungen Revolutionären wurde der antiimperialistische Kampf leidenschaftlich diskutiert. Sind Russland und China Bündnispartner und antiimperialistisch oder gar sozialistisch, nur weil sie sich den USA entgegenstellen? Haben sie kein Interesse am Krieg? Müssen wir sie verteidigen, weil sie „nicht ganz so schlimm“ sind wie die USA?
Als UPML/ICOR vertraten wir die Position, dass die Propagierung des echten Sozialismus und die Stärkung der internationalen kommunistischen Bewegung heute dringend sind. Natürlich verurteilen und bekämpfen wir den US-Imperialismus als weltweiten Hauptkriegstreiber. Eine opportunistische und illusionäre Taktik verkauft uns aber an falsche Freunde. Deshalb müssen wir auch Russland, China, die Türkei usw. als kapitalistisch bzw. imperialistisch entlarven! Wir unterstützen den Kampf der Völker in den verschiedenen Ländern. Gleichzeitig muss heute eine echte antiimperialistische Einheitsfront aufgebaut werden, an der Basis und im aktiven Widerstand, einschließlich der unterdrückten Völker. Die Debatte ermöglichte es uns, neue Kontakte zu knüpfen, die wir für die ICOR gewinnen wollen.
Den Erfolg sichern
Als UPML bedanken wir uns bei allen Genossinnen und Genossen, die zu diesem Wochenende beigetragen und keine Mühe gescheut haben. Sie ließen sich weder von der Reise noch von der Hitze abhalten und auch nicht von den dröhnenden Musikboxen der Fête!! Es war herzerwärmend, mobilisierend und erfolgreich. Wir werden alles daransetzen, diesen Erfolg zu sichern!
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