16. Extremwetterkongress

16. Extremwetterkongress

Umweltalarm – höchste Zeit aktiv zu werden!

Symbolträchtig und zeitgleich zum Beginn des 16. Extremwetterkongresses in Hamburg brach am 22.September ein gewaltiger Felssturz von der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands, ab. In Japan wütete der Taifun Dujuan. An mahnenden Stimmen fehlt es nicht, die auf eine dramatische Entwicklung der Umwelt hinweisen. Sie stoßen bei den Vertretern des internationalen Finanzkapitals und ihren imperialistischen Regierungen allerdings auf taube Ohren.

Von Dr. Günther Bittel
Umweltalarm – höchste Zeit aktiv zu werden!
Meterologische Vorgänge stehen im Zentrum der Klimakatastrophe als Initialkatastrophe der begonnenen globalen Umweltkatastrophe. (Bild: Nothing Ahead; Lizenz: Pexels)

Hunderte Kubikmeter Gestein donnerten von der Nordwand der Zuspitze auf der Tiroler Seite des Berges hinunter ins Tal und sorgten für eine weithin sichtbare Staubwolke. Am 23. September setzte sich der Gebirgsrutsch fort. Bergwacht und Geologen weisen auf die Rolle von aufgetautem Permafrost hin: „Die Ausbruchstelle liegt nahe am Gratbereich in großer Höhe, in einem Sektor, in dem es Permafrost gibt." Durch das Auftauen der Gletscher und des Permafrostes, der bisher wie ein Kleber die Berge zusammenhält, geraten weltweit die Hochgebirge in eine brandgefährliche Situation. Das letzte verheerende Beispiel war die Katastrophe in Nepal und China vom 26. August.

Extremwetterkongress in Hamburg vom 23. bis 25. September

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veranstaltet jährliche Extremwetterkongresse, dieses Jahr vom 23. bis 25. September in Hamburg. In einem Faktenpapier sprechen die Meteorologen des DWD von nie dagewesenen Veränderungen und historischen Messdaten. Die Klimakrise führe dazu, dass Wetterextreme intensiver würden. „Das haben wir leider in diesem Jahr sehr anschaulich erlebt“, sagte DWD-Vorstandsmitglied Tobias Fuchs. „Die Geschwindigkeit der Erwärmung hat sich verdreifacht.“ Die Experten warnen in ihrem neuen Bericht vor massiven Folgen lang anhaltender Hitzewellen und Dürren, die im Zuge einer beschleunigten globalen Erwärmung immer häufiger auftreten könnten. Auch wenn der Sommer 2026 „beispiellos in der Geschichte der Messung“ war: Kommende Sommer könnten noch heißer werden als 2026.

Sind wir umweltdement oder schwach im Rechnen?

Der bekannte Diplom-Meteorologe und Buchautor Sven Plöger verwies auf die über 16.000 Hitzetoten in Deutschland in diesem bisherigen Rekordsommer. „Wir nehmen diese Zahl einfach so hin. Wir sind Unwetter-dement, wir verdrängen“, sagte Plöger. „Verglichen mit den 184 Todesopfern der Ahr-Flut 2021 hatten wir in diesem Sommer im Zuge der Hitzewellen 87 Ahr-Fluten. Wir vergessen das. Ich nenne es das stille Sterben.“

 

 

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Die Hitze war in diesem Jahr in Deutschland lebensbedrohlich - 16 000 Menschen fielen ihr zum Opfer, so viele wie niemals zuvor. Auch wirklich tödliche Temperaturen sind mittlerweile für die absehbare Zukunft denkbar geworden. (Bild: Waresul M.; Lizenz Pexels)

 

Von einer anderen Seite her entwickelt die Ökonomin Professorin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ihre Kritik: „Allein der Extremsommer 2026 hat in Deutschland nach einer aktuellen Studie volkswirtschaftliche Schäden von rund 36 bis 42 Milliarden Euro verursacht.“ Laut Kemfert sind zwischen 2000 und 2021 in Deutschland mindestens 145 Milliarden Euro Klimaschäden entstanden, davon rund 80 Milliarden Euro allein seit 2018. „Ökonomisch ist die Botschaft deshalb eindeutig: Nicht Klimaschutz ist teuer – teuer ist das Nichthandeln.“

Warum beugen sich Regierung und Konzerne nicht dieser Erkenntnis?

Warum gehen sie sogar auf Gegenkurs, planen neue Gaskraftwerke, halten am Verbrennermotor fest und behindern die erneuerbaren Energien? Bereits 2014 wies die MLPD nach, „dass die in den 1970er-Jahren entstandene globale Umweltkrise zu einer Gesetzmäßigkeit in der Ökonomie des Imperialismus geworden ist. Die entscheidende Bedingung dafür war die Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion seit den 1990er-Jahren. Seitdem ist die Produktionsweise ausschließlich auf Maximalprofit und Weltmarktherrschaft ausgerichtet. Unter der Diktatur der internationalen Übermonopole ist sie bei Strafe ihres Untergangs an den fortschreitenden Raubbau an der natürlichen Umwelt gebunden.“

 

Das ist des Rätsels Lösung, warum die von Frau Kemfert geforderten Milliardeninvestitionen für eine rasche Durchsetzung von 100 Prozent erneuerbare Energien ausbleiben. Und bei aller Hochachtung vor Sven Plöger und seiner guten Aufklärungsarbeit: Er verkennt hier doch die gesellschaftliche Realität, in der die Mehrheit der Bevölkerung sich große Sorgen macht und mehr Umwelt- und Klimaschutz fordert, sich die kämpferische und kapitalismuskritische Umweltbewegung belebt – und auf der anderen Seite stehen im Zuge einer scharfen Polarisierung die Faschisten der AfD, denen es gefördert von wichtigen Monopolen gelungen ist, einen Masseneinfluss zu erzielen. Hier muss der Kampf um die Denkweise in großem Umfang ausgetragen werden, wobei das neue Buch „Die Lehre von der Denkweise“ eine unverzichtbare Hilfe ist.

Weltrisikobericht fordert Schutzmaßnahmen

Ebenfalls am 23. September erschien der Weltrisikobericht 2026 mit dem Titel „Warum Stürme zu Katastrophen werden“. Zu Recht werden dort angesichts einer erheblichen Zunahme der Intensität von Monsterstürmen globale Schutzmaßnahmen gefordert. Weiter heißt es dort: „Die meisten Menschenleben fordert dabei nicht der Wind, sondern das Wasser aus Sturmfluten und Überschwemmungen. Doch ob aus einem Sturm eine Katastrophe wird, entscheidet vor allem die gesellschaftliche Verwundbarkeit.“ Dies verkennt doch das dramatische Fortschreiten der globalen Umweltkatastrophe, wo auch mit den besten Schutzmaßnahmen nicht verhindert werden kann, dass Tausende von Menschen bei Sturm- und Flutkatastrophen, durch Wassermangel, Hitze, Dürre und Umweltvergiftung sterben müssen.

 

 

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Während in Europa die Menschen vor allem unter der Hitze litten und starben, gab es in den letzten Jahren in anderen Teilen der Welt massive Kälteeinbrüche. (Bild: Marcel Köhler; Lizenz Pexels)

 

Unter imperialistischer Herrschaft wird es nicht nur bei der „gesellschaftlichen Verwundbarkeit“ bleiben, sondern stehen die Existenzgrundlagen der gesamten Menschheit auf dem Spiel. Ein gesamtgesellschaftlicher Paradigmenwechsel auf Grundlage der Einheit von Mensch und Natur erfordert die Vereinigten sozialistischen Staaten der Welt, und der Kampf für ein umfassendes Sofortprogramm zur Rettung vor der globalen Umweltkatastrophe muss sich mit dem gesellschaftsverändernden Umweltkampf durchdringen.

Umweltalarm – höchste Zeit aktiv zu werden!

Das ist das Motto des Internationalen Umweltratschlags IEC, der vom 23. bis 25. Oktober im Arbeiterbildungszentrum Stuttgart stattfindet. Teilnahme vor Ort wie auch online ist möglich. Über 30 Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Umweltbewegung haben sich angesagt, ebenso Vertreter wichtiger Arbeiterplattformen und ein interessantes Spektrum von Religion bis Revolution. Diese wichtige Konferenz wird international ein Zeichen setzen für den gemeinsamen Kampf zur Rettung unserer Lebensgrundlagen und für eine breite Strategiediskussion.

 

Homepage des Internationalen Umweltratschlags (IEC)

Präsenz-Anmeldung (E-Mail)

Online-Anmeldung (Ticket-Provider)

 

Die MLPD fördert den Aufbau einer weltweiten antiimperialistischen Einheitsfront gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung und tritt auch in den aktuellen Kämpfen für die Einheit von Arbeiter- und Umweltbewegung ein. Stärkt die MLPD als Partei des radikalen Umweltschutzes und einer lebenswerten Zukunft!

 

 

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