Sie sind hier: Startseite Archiv Tibet: Worum geht es bei den Auseinandersetzungen auf dem "Dach der Welt"?

Tibet: Worum geht es bei den Auseinandersetzungen auf dem "Dach der Welt"?

15.03.08 - Chinesische Truppen unterdrücken gewaltsam Demonstrationen und Kundgebungen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa. Selbst nach Informationen der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua gab es schon zahlreiche Tote. China wird von den westlichen imperialistischen Ländern zur Mäßigung aufgerufen, der Dalai Lama ist "zutiefst beunruhigt". Zunächst waren am Montag etwa 500 Mönche des großen Drepung-Klosters in der Nähe von Lhasa auf die Straße gegangen. Einige Dutzend von ihnen wurden verhaftet. Am Dienstag bot Peking dann mehrere Tausend Sicherheitskräfte auf, um eine Demonstration von 600 Mönchen aus dem Kloster Sera aufzulösen.

Angesichts wachsender sozialer und politischer Widersprüche sowie der Unterdrückung nationaler Minderheiten im bürokratisch-kapitalistischen China sind die tibetischen Unruhen für die chinesische Bourgeoisie ein Sprengsatz, auch im Hinblick auf die Olympiade im Sommer. Sie setzt daher mit unverhüllter Härte ihren staatlichen Gewaltapparat ein.

Die Initiatoren der Unruhen, buddhistische Mönche in der Gefolgschaft des Dalai Lama, sind alles andere als fortschrittlich. Der romantisch als Freiheitskämpfer verklärte Mönch ist in Wahrheit ein Repräsentant einer reaktionären Sklavenhalterklasse, deren Charakter durch die von ihm propagierte Form der Religionsausübung weltanschaulich verbrämt wird. Das ehemalige SS-Mitglied Heinrich Harrer war sein Erzieher, er selbst unterstützte die Hitlerfaschisten. Im Falle einer tibetischen Unabhängigkeit würde er nach eigener Aussage Menschen aus anderen Ländern und Anhänger anderer Religionen des Landes verweisen.

Der Anlass der Unruhen in Tibet ist der 49. Jahrestag einer Rebellion ebenso rückschrittlicher Kräfte in Tibet gegen die damals sozialistische Volksrepublik China. Dass Tibet neun Jahre zuvor von chinesischen Truppen besetzt worden sein soll, ist eine weit verbreitete antikommunistische Lüge. Bis zum Jahre 1949 zweifelte niemand daran, dass Tibet ein Teil Chinas sei. "Erst nach dem Zusammenbruch der Nationalregierung im Jahre 1949 begannen die Vereinigten Staaten die Idee zu vertreten, Tibet sei ein 'souveräner Staat' und es war sogar die Rede davon, einen tibetischen Antrag auf Mitgliedschaft bei den Vereinten Nationen zu unterstützen. Zu der Zeit, als der Dalai Lama Tibet verließ, war der Glaube in Amerika weitverbeitet, die Chinesen hätten eine 'Invasion' gemacht - und das wurde dann natürlich als weiteres Beispiel für die 'Aggression' des kommunistischen China angeführt", schreibt der amerikanische Journalist Felix Greene in seinem Buch "Listen, Lügen, Lobbies - China im Zerrspiegel der öffentlichen Meinung".

1951 schloss die Regierung Zentralchinas mit der tibetischen Regierung ein 17-Punkte-Abkommen, das weltweit als Beispiel für eine vorbildliche Nationalitätenpolitik des sozialistischen Chinas unter Mao Tsetung anerkannt war. Innerhalb von zwei Jahren wurde daraufhin das damals in Tibet vorherrschende System unbezahlter Zwangsarbeit völlig abgeschafft, die armen Bauern konnten für sich selbst Nahrungsmittel anbauen und Schafzucht betreiben. Die Erziehung und Schulbildung unterlag nicht mehr länger der Hoheit der Klöster. Für die Volksmassen auf dem "Dach der Welt" begannen bisher nicht gekannter Fortschritt, breite Demokratie und Freiheit.

Die heutige Unterdrückung nationaler Minderheiten in China ist ebenso wie die blutige Unterdrückung der Unruhen von 1989 das Resultat der Restauration des Kapitalismus in China. Das Interesse von Merkel, Bush und Sarkozy an der Menschenrechtssituation in China ist reine Heuchelei. Wenn die chinesische Regierung Arbeiter- und Volkskämpfe unterdrückt, um ein Ausbeuterparadies für einheimische und internationale Monopole zu schaffen, hört man nichts von einer Verurteilung durch einen EU-Gipfel.

 

Artikelaktionen
Entwickelt durch Mediengruppe Neuer Weg   powered by Plone   Kontakt: webmaster@rf-news.de