Erbgut des Neandertalers entschlüsselt


Wissenschaftliche Sensation stellt herrschende Theorien in Frage

Köln (Korrespondenz): Nach vierjähriger Pionierarbeit ist es einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Svante Pääbo gelungen, das Erbgut des Neandertalers nahezu zu entschlüsseln („Science“, Bd. 328, 7. 5. 2010, S. 710–722). Dafür genügten ihnen insgesamt 0,4 Gramm Knochenpulver von verschiedenen Neandertalerinnen aus Spanien (El Sidron), Deutschland (Neandertal), Kroatien (Vindija-Höhle) und Russland (Mezunaiskaya). Die Schwierigkeit bestand darin, verlässliches Neandertaler-Genmaterial zu erhalten, denn die Substanzen waren zu über 95 Prozent mit Pilzen und Mikroorganismen aus der Nach-Neandertalerzeit verunreinigt. Mit neuesten Techniken gelang es dennoch unter Reinraumbedingungen im Labor, aus über einer Milliarde DNA-Bruchstücken das Neandertaler-Genom herauszufiltern, sodass schließlich mehr als 60 Prozent des Neandertaler-Erbguts entschlüsselt werden konnten. Untersucht wurde die mitochondriale DNA, die nur über die Mutter vererbt wird.