Am Tag, als der Ruhrpott seine A 40 erobert hat

Sie nahmen die Tische in Beschlag: Familien, Kegelclubs, Vereine, Geburtstagsfeiern usw. Man kann die Leute im Ruhrgebiet nicht zusammenbringen, ohne dass sie auch ihre politischen Überzeugungen zeigen. So stießen auch vielfältige Aktivitäten der kämpferischen Opposition auf großes Interesse. Die Essener Montagsdemo war da, Menschenrechts- und Umweltgruppen stellten sich vor. Der Frauenverband Courage warb für die Weltkonferenz der Basisfrauen in Venezuela. Der Bochumer REBELL hatte zusammen mit Rebellen aus anderen Städten einen Tisch gemietet und ein Picknick veranstaltet. Rotfüchse warben dort fürs Sommercamp und es gab sehr freundliche Reaktionen und Spenden. Politische Statements wurden von den Passanten mit Wonne aufgegriffen, wenn sie sich gegen die Herrschenden wandten. „Es hat keinen Zweck, das Kapital muss weg und mit ihm die Maden in dem Speck“ – das Lied des Ruhrchors wurde begeistert mitgesungen. Hunderte blieben stehen, übten zusammen den Kanon ein „Das sind wir – einer für alle und alle für einen …" Die Autobahn lang zog die Initiative „Laufen des ROT“, die auf die Kulturwoche von „Kumpel für AUF“ zu 90 Jahren Ruhrkampf aufmerksam machte und Flyer verteilte. Eine Band, die gerade ihre „Liebeserklärung an den Ruhrpott“ anmoderierte, änderte das spontan um in eine „Liebeserklärung an die Rote Ruhrarmee“. Die Aktion spielt auf die einzige „offizielle“ Aktivität im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr an, die sich auf die Ruhrkämpfe bezieht – der Wasserturm in Essen-Steele ist zurzeit rot beflaggt. An verschiedenen Brücken über der A 40 hing eine Losung: „Wo das geht, geht alles“. Was alles geht, werden letztlich die werktätigen Massen bestimmen. 
(Auszug aus „rf-news“ vom 19. Juli)