Buchauszug: „Ich schlag mich schon durch“

Die Kurzgeschichte ist ein Kapitel aus dem Buch „Ich schlage mich schon durch“ von Tilmann Kleinau, der darin seine Lebenserfahrungen als Contergan-Geschädigter niedergeschrieben hat.

Geburt
„Ihr Kind ist sehr schwer behindert. Am besten, Sie sehen es sich gar nicht erst an“, sagt der Arzt, als meine Mutter nach der Kaiserschnitt-Operation erwacht. Sie sinkt ermattet in die Kissen zurück. Sie braucht erst ein paar Tage, bis sie zu Kräften kommt und es ertragen kann, mich anzusehen.
Nachdem ich drei Wochen überfällig war, hat man mich gewaltsam ins Leben geholt – und ist entsetzt, was man da zutage gefördert hat. Ein Knabe mit kurzen, ganz krummen Ärmchen und Beinchen, schon äußerlich so stark geschädigt, dass man mit allen möglichen zusätzlichen inneren Schäden rechnen muss und sich nicht vorstellen kann – vielleicht auch nicht vorstellen will –, dass dieses Kind überleben wird.