Feige faschistische Morddrohungen gegen Gerd Pfisterer und seine Familie

In der Nacht des 13./14. April gab es gegen den Betriebsratsvorsitzenden von HSP Dortmund, Gerd Pfisterer, und seine Familie eine faschistische Morddrohung. „Kommis töten“ und ein Hakenkreuz waren in großen Buchstaben an die Hauswand gesprüht worden. Ein großes Hakenkreuz zusätzlich auch auf der Haustüre. Außerdem war das Klingelschild mit seinem Namen übersprüht. Und am Morgen des 20. April erhielten Gerd Pfisterer und seine Frau eine SMS von Faschisten mit dem Text: „Hallo Gerd, wir kriegen dich und Anke, linkes Ungeziefer von der Straße treten. Rot Front zerschlagen.“ Gerd Pfisterer ist als Mitinitiator der Dortmunder Erklärung, ehemaliger Streikführer im Arbeitskampf der Stahlarbeiter in Rheinhausen 1987/88, aktiver Antifaschist und Bundestagskandidat auf der Offenen Liste der MLPD Nordrhein-Westfalen weit über Dortmund hinaus bekannt. Die „Rote Fahne“ sprach mit ihm:


Zunächst einmal wollen wir dir und deiner Frau unsere uneingeschränkte Solidarität aussprechen. Gibt es einen besonderen Grund für die Drohungen gerade jetzt?

Wir beobachten in Dortmund seit einigen Wochen ein verstärktes und aggressiveres Auftreten der Faschisten. So sind sie bei Demonstrationen zum Internationalen Frauentag am 12. März und bei der Demonstration der IG Metall anlässlich des Aktionstages gegen die Leiharbeit und Massenentlassungen bei Conti am 24. März provokativ aufgetreten und haben Teilnehmer bedroht. In Dortmund haben die Faschisten sich das Ziel gesetzt, in allen Stadtteilen Fuß zu fassen. In der Nacht vom 12./13. April haben sie im alternativen Café „Aufbruch“ in Hörde das Schaufenster mit Parolen besprüht und in Lütgendortmund wurden eine Nacht später bei einer Antifaschistin Hakenkreuze geschmiert. Dass der Anschlag kurz vor dem 1. Mai stattfand, ist sicher auch kein Zufall. Wir erinnern uns noch sehr gut an den Überfall der Faschisten auf die DGB-Demo in Dortmund 2009. Es ist ganz offensichtlich, dass angesichts der Krisenhaftigkeit des kapitalistischen Systems die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung und ihre Repräsentanten, vor allem die revolutionären Kräfte mehr und mehr ins Visier des faschistischen Terrors kommen.


Welche Reaktionen gab es auf die Drohungen?

Sofort wurde die demokratische Öffentlichkeit in Dortmund informiert und der Protest organisiert. Der Anschlag stößt auf breite Empörung und Ablehnung. Inzwischen gingen bereits mehrere Solidaritätsadressen bei mir ein, wofür ich mich herzlich bedanke. Meine Nachbarn habe ich in einem Brief informiert und viele davon stehen hinter mir und bekunden ihre Bereitschaft, bei der Aufklärung und bei unserem Schutz mitzuhelfen. Gemeinsam mit ihnen, den Rotfüchsen und dem Jugendverband REBELL werden wir am 19. April die Schmierereien beseitigen und weiter in der Nachbarschaft aufklären. Auch die Dortmunder Presse berichtete und auf der IGM-Delegiertenversammlung am 14. April wurde eine Solidaritäts- und Protesterklärung verabschiedet (s. S. 3). Die Solidarität, die ich erfahre, gibt mir und meiner Frau den nötigen Rückhalt in diesem Kampf. Diese Solidarität wird umso enger und politisch bedeutender werden, wenn es gelingt, mit dem modernen Antikommunismus fertig zu werden, der die Tatsache leugnen will, dass die Faschisten als Stoßtrupp gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und die Marxisten-Leninisten eingesetzt werden.


Wie verhalten sich die Polizei und die Staatsanwaltschaft?

Wir haben natürlich sofort die Polizei und den Staatsschutz informiert und Strafanzeige gestellt. Ich muss allerdings sagen, dass ich nicht den Eindruck habe, dass dort viel Interesse daran besteht, die Täter zu finden und zu bestrafen. So hat es die Polizei erst nach einer Woche nötig gefunden, die Nachbarn zu befragen. Diese Verharmlosung bis hin zur Duldung bzw. gar Förderung der Faschisten durch Teile der Stadtspitze, Polizeipräsident und Justiz erleben wir in Dortmund seit Jahren. Das können und wollen wir auf keinen Fall hinnehmen!


Welche Konsequenzen ziehst du aus den Drohungen?

Natürlich macht man sich Gedanken, wenn man Ziel solcher Morddrohungen wird und wir nehmen das auch ernst. Für mich ist das aber ein Ausdruck der Krisenhaftigkeit des ganzen kapitalistischen Systems und signalisiert härter werdende Klassenauseinandersetzungen. Die Solidarität, die meine Familie und ich jetzt erfahren, der Aufschwung der antifaschistischen und Anti-AKW-Bewegung, die Massenerhebungen in Nordafrika, die sich weltweit entwickelnde Rebellion der Jugend sind Zeichen eines Aufbruchs, die mich als Revolutionär optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Für diesen Kampf immer mehr Menschen, vor allem Jugendliche, zu begeistern, das ist für mich und meine Familie die wichtigste Schlussfolgerung!


Vielen Dank und dir und deiner Familie alles Gute!