Die Milch und die Milchbauern brauchen Zukunft

Um 6 Uhr morgens steht die Milchbäuerin Elfriede Lehmann auf, um die 40 Kühe ihres Hofes zu melken ...

Gleichzeitig füttert ihr Mann das Vieh. Dreimal am Tag tränkt sie die Kälber. „Die Kälber sind wie kleine Kinder“, berichtet die Bäuerin der Weltfrauenkonferenz im März 2016 in Nepal. Um 19.30 Uhr ist einer von sieben Arbeitstagen pro Woche beendet. Aber nicht die viele Arbeit, sondern die Agrarpolitik des europäischen Finanzkapitals treibt immer mehr Höfe in den Ruin. 3460 Milchviehbetriebe betraf das allein im letzten Jahr – fast fünf Prozent Höfe weniger. Für die Verbraucher bedeutet das nicht zuletzt eine schlechtere Lebensmittelqualität, die ihnen mit niedrigen Preisen schmackhaft gemacht wird. Dabei wäre längst eine grundlegend andere Art Landwirtschaft möglich. Alle Menschen könnten ausreichend und mit guten Nahrungsmitteln versorgt werden ...

Es gärt auf den Höfen
Die meisten der noch vorhandenen 71.302 Milchviehbetriebe in Deutschland werden von Klein- und Mittelbauern bewirtschaftet. Überall machen sich die Familien derzeit große Sorgen, wie es weitergehen soll. „Oma und Opa helfen noch mit, solange sie können“, berichtet Elfriede Lehmann. Familie – das bedeutet für viele Milchviehhalter, dass drei Generationen auf dem Betrieb mithelfen – oft zusätzlich zu einer sonstigen Erwerbstätigkeit.
Aktuell liegt der Milchpreis, den die Molkereimonopole den Bauern zahlen, zum Teil unter 20 Cent pro Liter. „Wir werden regelrecht enteignet“, so beschreibt der Sonsbecker Milchbauer Karl-Josef Vermöhlen die Situation gegenüber dem „Rote Fahne“-Magazin (1). „Um kostendeckend wirtschaften zu können, brauchen die rund 75.000 Milchbauern in Deutschland einen Erzeugerpreis von etwa 0,40 Euro pro Liter“, so die Vertreter des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter.

 

(1) Interview auf Seite 18/19