Neuimperialistische Länder – eine neue Erscheinung in der Weltwirtschaft

Auszug aus der Einleitungsrede des X. Parteitags von Stefan Engel

Die wichtigste neue Erscheinung in der Weltwirtschaft ist die Herausbildung einer Reihe neuer imperialistischer Länder. Aggressiv mischen sie sich in den Kampf um die Neuaufteilung der geopolitischen Einflusssphären und die Eroberung der Märkte ein und stellen so das Gefüge des bisherigen imperialistischen Weltsystems empfindlich infrage. Ohne dieses neue Phänomen zu erklären, kann man weder die weltwirtschaftliche Entwicklung, die wachsende allgemeine Kriegsgefahr noch die beschleunigte Entwicklung zur globalen Umweltkatastrophe verstehen und erst recht keine adäquate Strategie und Taktik entwickeln.

Die sogenannten BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) und MIST-Länder (Mexiko, Indonesien, Südkorea, Türkei) entwickelten sich zu den wichtigsten neuimperialistischen Ländern. Zu den neuimperialistischen Ländern gehören auch Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, der Iran oder Argentinien.

Diese neuimperialistischen Länder haben insgesamt zwischen den Jahren 2000 und 2013 ihren Anteil an der weltweiten industriellen Wertschöpfung von 20 Prozent auf mindestens 40 Prozent verdoppelt.(1) Gleichzeitig gingen die Anteile der USA um 9,4 Prozent-, die der EU um 5,8 Prozent- und die Japans sogar um 10,1 Prozentpunkte massiv zurück.(2) Das drückt gewaltige Machtverschiebungen im imperialistischen Weltsystem aus.

(1) Weltbank, World Development Indicators; eigene Berechnung GSA e. V.
(2) Weltbank, World Development Indicators; eigene Berechnung GSA e. V.