Rote Fahne 08/2017

Schüler „grillen“ AfD-Mann Guido Reil

Die Zeitung des kommunalen Personenwahlbündnisses „Essen steht AUF“ vom 2.2.17 gibt einen interessanten Einblick, wie Ex-SPD-Ratsherr Guido Reil aus Essen-Karnap für die faschistoide AfD Propaganda betreibt

Motto seiner Veranstaltungen ist: „Glück auf, der Steiger kommt – von der SPD zur AfD“. Wo man unter sich ist, lässt er schon mal deutlicher die Hosen runter als in Talkshows. So bei einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation Ende 2016 in Dresden. Fast eine Stunde lang unterhält er sein ziemlich angegrautes Publikum mit peinlichen Plattheiten, Lügen („alternativen Fakten“) und plumper Hetze. Einige Kostproben: Die Hauptstraße in Karnap sieht aus wie eine Hauptstraße in Beirut. Wegen der vielen Zuwandererkinder in unseren Schulen verblöden die deutschen Kinder. Wer nicht arbeitet, kriegt in Deutschland alles in den Allerwertesten geschoben. Damit meint er allerdings nicht etwa Aktionäre, Superreiche, Investmentsfonds und Ähnliches, sondern Arbeitslose und Flüchtlinge. Aber Flüchtlinge vernichten keine Arbeitsplätze, Konzerne machen das. Wenn Reil nationalistische Spaltung unter die Ärmsten und Armen trägt, applaudieren Konzerne und Regierung.

Reil selbst ist nie dadurch aufgefallen, dass er sich für den Kampf um die Arbeitsplätze, gerade im Bergbau, eingesetzt hätte. Er hat unter anderem als Stadtrat aktiv an einer Politik mitgewirkt, die dazu geführt hat, dass gerade im Essener Norden Armut und besonders Kinderarmut grassiert.

In einem WAZ-Interview vom 3. Januar macht Reil deutlich, dass er kein aus Enttäuschung handelnder Ex-SPDler ist. Er will ganz bewusst mit sozia­ler Demagogie für die ultrarechte, faschistoide AfD bei Arbeitern auf Stimmenfang gehen, indem er so tut, als sei sie die einzig wahre Partei der „kleinen Leute“. Das ist die AfD genauso wenig wie die SPD.

Schüler „grillen“ AfD-Mann Guido Reil1

Das Gymnasium Essen-Borbeck lud zur schulinternen Podiumsdiskussion anlässlich der NRW-Landtagswahl neben etablierten Parteien auch den AfD-Landtagskandidaten Guido Reil ein. Dort erklärte er beim Thema Flüchtlingspolitik, Deutschland müsse 500.000 Flüchtlinge sofort abschieben. Und man möge doch in Syrien Gebiete für Flüchtlinge einrichten, die durch robuste westliche Blauhelm-Einsätze „geschützt“ werden, was eine Flucht nach Europa „entbehrlich“ mache. Das kam bei den über 100 Schülern gar nicht gut an. Viele machten Herrn Reil unmissverständlich und unter reichlichem Beifall klar, dass er an einer „Schule ohne Rassismus“ – wie ihr Gymnasium – denkbar unerwünscht ist.