Rote Fahne 11/2017

Forschung und Bildung im Sozialismus

Im Kapitalismus sind Wissenschaft und Bildung den Profitinteressen des internationalen Finanzkapitals untergeordnet. In einer sozialistischen Gesellschaft dienen Forschung und Lehre der Lösung der Menschheitsprobleme in Einklang mit der Natur. Wie würde man im Sozialismus das Giftmüllproblem unter Tage lösen?

Die Ruhrkohle AG (RAG) hat in ihren Zechen unter Tage 1,6 Millionen Tonnen Giftmüll eingelagert. Hinzukommen mindestens 12.500 Tonnen an ultraschädlichem PCB aus Hydraulikölen. Mit der Stilllegung der Ruhrzechen will die RAG jetzt zur Kostenersparnis das Abpumpen des Grubenwassers zurückfahren. Wenn dann der bisher künstlich abgesenkte Grundwasserspiegel ansteigt und diesen Giftcocktail ins Trinkwasser spült, ist die Katastrophe da. Entgegen wissenschaftlicher Erkenntnis, dass es bei PCB keine ungefährlich niedrige Konzentration gibt, lässt die RAG Wissenschaftler behaupten: der PCB-Anteil im Grubenwasser der RAG sei unbedenklich niedrig.

 

Im Sozialismus würden für die Lösung der komplizierten technischen Aufgabe, den eingelagerten Giftmüll zurückzuholen und zu entsorgen, sowie das bereits kontaminierte Wasser zu reinigen, alle Kräfte mobilisiert werden: die Bergarbeiter mit ihren „Ortskenntnissen“ und ihren Erfahrungen unter Tage. Wissenschaftliche Spezialisten in Filtertechniken. Biologen mit Kenntnissen in der Zersetzung und Umwandlung von Giftstoffen durch Bakterien. Erst recht in Zeiten des Internets kann unter sozialistischen Verhältnissen international ein globaler Austausch unter Arbeitern, Technikern und Forschern organisiert werden. Der sozialistische Staat würde Forschungsprojekte ausschreiben, in denen Facharbeiter, Studenten und Wissenschaftler zusammengeführt werden, um Neuland in der Grubenwasserentseuchung zu beschreiten. Sozialistische Hochschulen haben nicht nur Labors, sondern auch Produktionsstätten, in denen experimentell gewonnene Erkenntnisse großtechnisch angewandt und weiterentwickelt werden. Studenten und Wissenschaftler würden mit (Berg-)Arbeitern gemeinsam Hand an die Entsorgung des untertägigen Sondermülls anlegen. Das erzieht auch zum Respekt vor der Arbeit und vor den Arbeitern. So wird eine Barriere errichtet gegen die bürgerliche Denkweise „Theorie ist allem überlegen“ und gegen die Herausbildung eines elitären Bewusstseins bei Intellektuellen.

 

Die Behauptung, die Teilnahme von Studenten an der körperlichen Arbeit sei Zeitverschwendung, wurde schon im sozialistischen China widerlegt. Statt einen Wust abstrakter Theorie anzuhäufen, haben damals Studenten vom Erfahrungswissen der Arbeiter und Bauern gelernt und wurden im dialektisch-materialistischen Denken und Handeln geschult. Wie überlegen ist die gemeinsame Arbeit zur Lösung solch existenzieller Probleme gegenüber dem oft verbissenen Einzelkämpfertum und verbreiteten Karrierismus im kapitalistischen Wissenschaftsbetrieb.

 

Schon heute gilt es, sich als Student mit den Arbeitern zu verbinden. So haben Studierende der Westfälischen Hochschule Recklinghausen mit der Umweltgewerkschaft in einer Veranstaltung über die Gefahren für das Grundwasser durch die Einlagerung von Giftmüll unter Tage informiert.