Rote Fahne 16/2017

„100 Jahre Oktoberrevolution – ein neuer Impuls für die Völker“

Interview mit Vadim Kuzmin zur Vorbereitung der Aktivitäten zu 100 Jahre Oktoberrevolution

„100 Jahre Oktoberrevolution – ein neuer Impuls für die Völker“
Russland: Jugend rebelliert gegen Korruption – für ihre Zukunft; Foto: Julian / Buijzen / CC BY-NC-ND 2.0

Rote Fahne: Wie entwickelt sich in diesem besonderen Jahr der Klassenkampf in Russland?


Vadim: Der Klassenkampf geht beständig weiter, wobei offiziell und in den Medien darüber weitgehend geschwiegen wird. Zum Beispiel über den Streik der Lkw-Fahrer in Südrussland. Sie haben den Verkehr im Nordkaukasus und in Dagestan lahmgelegt. Sie haben sich gut organisiert, bauten ein gegenseitiges Unterstützungssystem auf und kämpften gemeinsam gegen Streikbrecher. Der Kampf brachte den Zusammenschluss zu einer kämpferischen Gewerkschaft weiter voran.

 

In Südrussland gibt es kämpferische Aktionen der Bergarbeiter. Auch kommt es in regelmäßigen Abständen zu Aktionen auf Großbaustellen, hier wird der Kampf zusammen mit ausländischen Arbeitern geführt, was sehr wichtig ist.


Kürzlich gingen Tausende Jugendliche auf die Straße. Zeichen einer neuen Politisierung unter der Jugend?


Ja, diese junge Generation fühlt das Problem der Arbeitsplätze, für sie sind die Möglichkeiten eines sozialen Aufstiegs abgeschnitten. Besonders brennend ist das Problem in den Kleinstädten und in den nationalen Republiken, wo die guten Arbeitsplätze auf Generationen im Voraus verteilt werden, zum Beispiel durch Richter- oder Polizeibeamtenfamilien. Das wühlt die Jugend sehr auf. Viele, oft talentierte Jugendliche, verlassen das Land, viele andere suchen einen Ausweg im Klassenkampf.

 

Putin hat aufgerufen, den Jahrestag der Oktoberrevolution als nationalen Feiertag und Tag des Klassenfriedens zu begehen.

 

Putin geht es weniger um den Klassenfrieden als um eine Restauration des Kapitalismus, wie er vor der Revolution war. Es werden offene Vertreter der Konterrevolution rehabilitiert, sogar Leute, die mit dem Faschismus zusammengearbeitet haben. Das ist für viele Menschen bei uns schwer zu verstehen. Dafür werden neue Bezeichnungen geprägt. Zum Beispiel heißt es statt „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ nun „Russische Revolution“.

 

Unsere Postion ist, dass es eine soziale Revolution war. Es wurden große Veränderungen in der sozialen Struktur und im Staat durchgeführt. Es war eine Diktatur des Proletariats, und die Produktionsmittel wurden vergesellschaftet.

 


Was plant ihr als Mitglied der ICOR für die Kampagne „100 Jahre Oktoberrevolution“?


Wir planen verschiedene kulturelle Veranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen, die Herausgabe von Artikeln zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution. Sie sind auch für die Webseite des ICOR-Seminars zur Oktoberrevolution gedacht. Höhepunkte werden Feiern in Leningrad sein und an anderen Orten der Revolution. An dem Seminar und an der kulturellen Massenveranstaltung in Deutschland wollen wir mit einer Delegation teilnehmen.


Wie bereitet ihr die Demonstration/Kundgebung in Sankt Petersburg und das Besucherprogramm im November vor?


Für die Demonstration am 7. November in Sankt Petersburg haben wir eine Aktionseinheit gegründet. Sie nennt sich „Oktober 100“. Im Komitee wirken verschiedene revolutionäre Organisationen zusammen, die sich darin einig sind, dass die Möglichkeit der Revolution in Russland nicht „ausgeschöpft“ ist, wie der Vorsitzende der revisionistischen Partei KPRF (Kommunistische Partei der Russischen Föderation), Sjuganow, behauptet. Wir von der MLP Russland haben ein Programm für die Reise der ICOR-Delegationen vom 5. bis 9. November vorbereitet.


Welche Bedeutung wird das Auftreten der ICOR-Delegationen für die Arbeiter, die Bevölkerung und die Revolutionäre in Russland haben?


Die Feier dieses wichtigen Jahrestags soll die Arbeiter und die Massen in Russland an ihre großen Leistungen erinnern und ihr Klassenbewusstsein wecken. Sie wird zeigen, dass ein Sieg möglich ist; mit der revolutionären Atmosphäre wird sie den revolutionären Geist stärken.

 

In Russland wurden die ersten Erfahrungen mit dem Aufbau eines sozialistischen Staates gemacht. Das ging nicht ohne Fehler ab. Das war unvermeidlich, weil es das erste Mal war. Wir müssen diesen Aufbau studieren und daraus Lehren ziehen; das ist die Grundlage, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden.

 

Die Oktoberrevolution wirkte schon vor 100 Jahren in der ganzen Welt. So folgten in anderen Ländern, ermutigt durch die Oktoberrevolution, eigene Revolutionen, wie in Deutschland, Ungarn, der Mongolei usw. In der ganzen Welt war die Bourgeoisie in Angst und Schrecken versetzt, und es gelang der Arbeiterklasse, soziale Errungenschaften durchzusetzen.

 

Jetzt wird der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf Russland lenken. Er wird zu einem neuem Impuls für die Völker der Welt im Kampf um nationale und soziale Befreiung werden.


Vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns schon auf die Tage in Sankt Petersburg!