Rote Fahne 21/2017

Opel/PSA: „Anerkennung der Tarifverträge“ durch Tavares war Betrug

Seit dem 1. August ist die Übernahme von Opel durch den französischen Autokonzern PSA vollzogen

Von gp
Opel/PSA:  „Anerkennung der Tarifverträge“ durch Tavares war Betrug
Leere Versprechungen haben Tradition: im Dezember 2016 wurde den Eisenacher Opelanern die Produktion des Mokka versprochen. Foto: RF

Die Bundesregierung, die IG-Metall-Führung und die Spitze des Gesamtbetriebsrates haben diese Übernahme unterstützt, mit dem Hinweis auf die Zusagen von PSA-Chef Carlos Tavares, alle Tarifverträge einzuhalten. Vor allem haben sie versucht, die Arbeiter für die Interessen der europäischen Imperialisten zu gewinnen, indem sie die Lüge verbreiteten, ein „starker europäischer“ Konzern wäre etwas Gutes für die Arbeiter.

 

Eine Extra-Ausgabe der Kollegenzeitung Der Blitz 1 vom September enthüllt jetzt: „Die ,Anerkennung der Tarifverträge‘ durch Tavares war Betrug … Nur einen Monat nach der Übernahme wurde auf der Rüsselsheimer Betriebsversammlung am 1. September aufgedeckt: Die Zusage, alle Tarifverträge einzuhalten, war nichts als Betrug, um uns ruhig zu halten! Mit der Entscheidung, den Mokka nicht auf der GM-Plattform zu bauen und den Anlauf zu stoppen, ist Eisenach direkt von der Schließung bedroht2. Die versprochene Auslastung des ITEZ3, des Getriebebaus in Rüsselsheim, des Motorenwerks in Kaiserslautern – alles zerplatzte Seifenblasen. Das zweite Modell für Rüsselsheim ist völlig offen. Stattdessen fährt der Vorstand Angriffe auf unsere Jugendlichen: ... erstmals ist die Planung für künftige Lehrjahre offen. Wohin die Reise mit dem 100-Tage-Plan4 geht, ist spätestens jetzt völlig klar – seine Verkündung einfach abzuwarten, wäre nur im Sinne von Tavares und Lohscheller5!“

 

Im Blitz heißt es weiter: „Die Bochumer haben recht behalten. Wir erinnern uns: 2014 spaltete GM den gemeinsamen Kampf mit Versprechen an die anderen Belegschaften. ,Nehmt die Schließung (von Bochum – Anm. d. Red.) in Kauf, dann geht es aufwärts.‘ Gegen die Bochumer Unbeugsamkeit wurde eine Hetze losgebrochen, die ihresgleichen sucht. Vergeblich – die Schließung ihres Werkes haben die Bochumer nie akzeptiert.“

 

Auf der kämpferischen Belegschaftsversammlung am 29. September in Eisenach scheiterte die Taktik der Geschäftsleitung kläglich, die Einstellung der Mokka-Produktion zu dementieren und auf eine Entscheidung in 40 Tagen zu orientieren. Die Belegschaft machte Personalvorstand Ulrich Schumacher klar: die Eisenacher Opelaner werden den Kampf um ihre 1800 Arbeitsplätze und weitere 10.000 davon abhängige aufnehmen!

 

In einer Korrespondenz aus Eisenach heißt es: „Die antikommunistische Hetze gegenüber einzelnen Kollegen, sie würden … ,die Werksschließung durch eine selbsterfüllende Prophezeiung herbeireden‘, wurde überzeugend zerlegt und bekam von der Belegschaft eine Abfuhr. Die Kolleginnen und Kollegen griffen das Autokartell und seine Umweltverbrechen an … und stärkten die Solidarität in der Belegschaft.“

 

Vor der Belegschaftsversammlung fand eine Kundgebung der Internationalistischen Liste/MLPD statt und machte deutlich: Ob Wahlen oder nicht – wir stehen an der Seite der Arbeiter und ihrer Familien! Der Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Opel und PSA kann nur gemeinsam gegen die Konzernspitze von PSA und Opel sowie ihre Politiker von CDU, SPD bis AfD in Deutschland oder Macron in Frankreich geführt werden. Das muss jetzt vorbereitet werden!

 

1 „Der Blitz“ wird von Kollegen für Kollegen aller Opel-Werke und Zulieferer in Deutschland herausgegeben

² Der Belegschaft war die Produktion des Mokka als Ersatz für den Corsa und Adam im Dezember 2016 versprochen worden

³ ITEZ: Internationales Technisches Entwicklungszentrum von Opel mit 8000 Ingenieuren

4 Der Opel-Vorstand muss innerhalb von 100 Tagen einen Plan zur „Sanierung“, sprich Profitsteigerung von Opel vorlegen.

5 Michael Lohscheller ist derzeit Chef von Opel