Rote Fahne 23/2017

Sergej Eisenstein – großer sozialistischer Filmemacher

Sergej Michailowitsch Eisenstein wurde 1898 in Riga geboren. 1918 trat er in die Rote Armee ein, um die junge Sowjetrepublik gegen die Konterrevolution zu verteidigen. Dies war der Ausgangspunkt seines Wegs als sozialistischer Filmemacher

Von hi
Sergej Eisenstein – großer sozialistischer Filmemacher
Panzerkreuzer Potemkin, Eisensteins berühmtestes Werk (Filmplakat) (Foto: Antonio Morin Segovia / CC BY-NC-ND 2.0)

100 Jahre nach der ersten siegreichen sozialistischen Revolution ist der weltanschauliche Kampf um die Lehren aus diesem historischen Ereignis voll entbrannt. Auch – und gerade – in kulturellen Fragen.

 

Auf der Seite der Arbeiterklasse

 

In ihrem theoretischen Organ REVOLUTIONÄRER WEG würdigt die MLPD die Rolle revolutionärer Kulturschaffender für den Sieg der Revolution und den Aufbau des Sozialismus:

 

„Gleichzeitig mit großartigen Fortschritten im Kampf gegen den Analphabetismus wurden bereits in der jungen Sowjetunion die Tore der Theater, Bi­bliotheken und Sportstätten für die Massen weit geöffnet. Alltags- und Zweckbauten wie die Moskauer Metro (Untergrundbahn), Arbeiterklubs, Kindergärten oder Wohnanlagen wurden von den renommiertesten Architekten geplant unter dem Motto: ‚Nur das Beste ist gut genug‘. Kompositionen von Dmitri Schostakowitsch oder Sergej Prokofjew, Filme von Sergej Eisenstein, Fotografien von Alexander Rodtschenko, Plakate, Theaterstücke und Gedichte von Wladimir Majakowski setzten noch heute anerkannte Maßstäbe einer revolutionären, massenverbundenen Kunst.“1

 

Vorbehaltlos im Dienste des sozialistischen Aufbaus

 

Millionen Menschen auf der ganzen Welt sahen die Filme von Sergej Eisenstein – und durch sie den sozialistischen Aufbau in der Sowjetunion. Bis heute verfehlen sie nicht ihre faszinierende Wirkung: „Panzerkreuzer Potemkin“, 1958 auf der Brüsseler Weltausstellung zum besten Film aller Zeiten gekürt, begeisterte auf der Berlinale 2012 im Rahmen des Programms „Rote Traumfabrik“ ein großes Publikum.

 

Für seine antikommunistischen Kritiker ist es ein unlösbares Problem, dass sein Werk ein Ergebnis des sozialistischen Aufbaus war und diesem vorbehaltlos diente. Eisenstein schlug lukrative Angebote aus und arbeitete unermüdlich an der sozialistischen Filmkunst. Er war erst 50 Jahre alt, als er am 11. Februar 1948 starb. „Ich habe gelebt, ich habe nachgedacht, ich habe gebrannt“ – so fasste er selbst kurz vor seinem Tod sein Leben zusammen.

 

Vom bürgerlichem Elternhaus zum Revolutionär

 

„Ich wundere mich selbst“, schrieb Eisenstein in seinen autobiographischen Betrachtungen „Yo“, „wie ich bei aller Wohlerzogenheit von dem vorgezeichneten Fließband abgesprungen bin“. Pfeilgerade sollte sein Weg über Schule und Hochschule in den Ingenieurberuf münden, dafür wurde er bürgerlich-autoritär erzogen und rebellierte dagegen. Damit aus Eisenstein Eisenstein werden konnte, musste er seinen ausgeprägten Antiautoritarismus überwinden.

 

Eine große Rolle spielte dabei für Eisenstein die Revolutionärin Nina Agadshanowa-Schutko, die er in „Yo“ würdigt: „Sie bestärkte jeden in dem Bewußtsein, daß die Revolution einen jeden brauche. Und zwar einen jeden gerade und vor allem in seiner einmaligen, kantigen, individuellen Art …“.2

 

Jedes Detail musste sitzen

 

Eisensteins Opus ist quantitativ überschaubar. Denn für jeden einzelnen seiner Filme gab er sich dran. Jedes Detail musste sitzen, Oberflächlichkeit und Pfusch waren ihm fremd. Er drehte viel mit Laien-schauspielern und mit den Massen: „Während einer ganzen Woche, solange wir das Winterpalais im Sturm einnahmen (ein Sturm, der im Film 20 Minuten dauerte!) kamen uns in geschlossenen Kolonnen zwei- bis dreitausend Freiwillige der Putilow-Werke von der Petrograder Seite zu Hilfe, die wie einst dem Ruf aus dem Smolny gefolgt waren. Diesmal dem Ruf der Agitpropabteilung und der Bezirksleitung aus eben diesem Smolny.“ 3

 

Staatsfilm – das Gegenteil von „Freiheit der Kunst“?

 

Ein Kernstück der antikommunistischen Kritik an Eisenstein ist der Vorwurf, er habe sich von Stalin für Sowjetpropaganda missbrauchen lassen. Eisenstein machte die Propaganda für den sozialistischen Aufbau aus freien Stücken. Denn er war davon überzeugt, sein filmisches Schaffen in den Dienst des kommunistischen Freiheitsideals zu stellen. Unter der Diktatur des Proletariats bekam er als revolutionärer Filmemacher dazu hervorragende Möglichkeiten: „Die Möglichkeit, auf solche Weise zu arbeiten, hat man sicherlich nur in Rußland, wo alles und jedes eine Staatsangelegenheit ist. Die Parole ‚Alle für einen – einer für alle!‘ stand nicht nur auf der Leinwand. Drehen wir einen Seefilm, so steht uns die gesamte Flotte zur Verfügung, drehen wir einen Schlachtenfilm, so dreht die Rote Armee mit, handelt es sich um ein wirtschaftliches Sujet, so helfen die Kommissariate. Denn nicht für mich und dich und den und jenen filmen wir, sondern für uns alle.“4