Rote Fahne 25/2017

Gesundheitswesen im Sozialismus

Gesundheitspolitik im Interesse der werktätigen Menschen und nicht des Profits von wenigen – geht das überhaupt?

Von rh
Gesundheitswesen im Sozialismus
Gesundheitswesen heute: Pflegenotstand – weil Krankenhäuser Maximalprofit erzielen sollen (Foto: RF)

Im Jahre 1939, 22 Jahre nach der Oktoberrevolution, besuchte der Dekan der Universität von Cambridge, Hewlett Johnson, die Sowjetunion und veröffentlichte sein Buch „Ein Sechstel der Erde“. Er schreibt:


„In der Sowjetunion sind sämtliche Fabriken, Gruben, Eisenbahnen, Schiffahrts-, Landwirtschafts- und Handelsunternehmen Eigentum des ganzen Volkes. (…) Die Höchstdauer der Arbeitszeit beträgt acht Stunden, im Durchschnitt aber weniger als sieben. Jeder Arbeiter erhält im Jahr mindestens zwei Wochen bezahlten Urlaub. Kostenlose ärztliche Betreuung steht allen zu; im Krankheitsfall erhalten die Arbeiter ihren Lohn genauso weiter ausbezahlt, als stünden sie in Arbeit. Während des Arbeitsausfalls, sowohl vor wie nach der Entbindung, erhalten Frauen einen langen Urlaub mit voller Bezahlung.“


Zum Vergleich: Im Jahre 1957 brauchten die Metallarbeiter in Schleswig-Holstein einen 16 Wochen-Streik, um die sechswöchige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu erkämpfen. In der sozialistischen Sowjetunion war das 1939 die Normalität, weil die werktätigen Massen unter Führung der Arbeiterklasse und der revolutionären Partei an der Macht waren. Drei Viertel der staatlichen Einnahmen kamen aus den Abgaben der Staatsbetriebe und Kollektivwirtschaften. Sie führten die Umsatzsteuer und einen Teil ihrer Gewinne ab und bezahlten die kompletten Sozialversicherungsbeiträge. Nicht einmal fünf Prozent der staatlichen Einnahmen kamen von der Bevölkerung. Ganz im Gegensatz zur Lage in der BRD, wo die Massen den Hauptteil der Steuerlast tragen.


Die Gesundheitsvorsorge und Gesundheitspflege wurde für alle in gleichem Maße und unentgeltlich geleistet. Nur Medikamente mussten gekauft werden, zu erschwinglichen Preisen. 1940 studierten an den sowjetischen Hochschulen mehr Menschen als in allen anderen europäischen Ländern zusammengenommen. In der Folge vervielfachte sich die Zahl der Ärzte. Die Kindersterblichkeit, eine der Geiseln des alten zaristischen Systems, nahm deutlich ab. Die Lebenserwartung stieg allgemein. Viele Krankheiten, die Auswirkungen der schweren Arbeits- und Lebensbedingungen waren, verschwanden.


Ein ähnliches Bild zeigte sich später im sozialistischen China: Die Lebensverhältnisse veränderten sich nach der Machtergreifung der Arbeiterklasse derart, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von 30 Jahren zum Zeitpunkt der Revolution 1949 bis 1970 auf 60 Jahre anstieg.


Schon ein Jahr nach der Befreiung gab Mao Zedong auf der ersten nationalen Gesundheitskonferenz die Direktive aus: „Vereinigt alle medizinischen Arbeiter, junge und alte, der chinesischen und der westlichen Schule, und organisiert eine starke Einheitsfront für die Entwicklung des Volksgesundheitsdienstes.“ So wurde das neue Gesundheitssystem durch die Mobilisierung von Hunderten von Millionen aufgebaut. Die Vorbeugung stand an erster Stelle. Die Gesundheitspflege war verbunden mit Massenbewegungen zur Verwirklichung hygienischer Verhältnisse sowie schonender Behandlungsmethoden. Die traditionelle Akupunktur wurde im Massenumfang zur Heilung von schweren Krankheiten und zur Anästhesie bei Operationen weiterentwickelt und eingesetzt.


Der britische Arzt J. S. Horn schildert in seinem spannenden Erfahrungsbericht „Arzt in China“, wie stark in den Massenbewegungen der Kulturrevolution – gegen alle Versuche den Kapitalismus wieder einzuführen – der Kampf um die Volksgesundheit im Mittelpunkt stand. Die Bewegung der Barfuß-Ärzte erreichte, dass die Bevölkerung auf dem Lande Schritt für Schritt ihr Wissen zur Vorbeugung, Erkennung und Behandlung der häufigsten Krankheiten erhöhte. Verbreitete Krankheiten wie die Schistosomiasis (Schneckenkrankheit) wurden in riesigen Massenkampagnen besiegt.


Der Spiegel staunte: „Jede ärztliche Versorgung, auch das Krankenhaus, ist für die Chinesen kostenfrei, ebenso wie der Besuch im Theater und Kino, Arbeitskleidung – sogar der Friseur. Die Mieten in der Stadt betragen ein bis zwei Prozent des Monatslohns; Kommunebauern wohnen mietfrei.“1 Auch die Grundlagenforschung wurde besonders in den Jahren der Kultur­revolution im Interesse der Werktätigen vorangetrieben. Zum Beispiel gelang weltweit erstmalig die Herstellung von synthetischem Insulin.


Diese beeindruckenden Erfolge im Sozialismus gelangen auf der Grundlage der Mobilisierung der Volksmassen im Rahmen der Diktatur des Proletariats, im Bündnis mit der Bauernschaft. Die Überzeugung und Initiative der Volksmassen unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei spielten die ausschlaggebende Rolle. Was für ein schreiender Widerspruch zum modernen Antikommunismus, der gerade die Stalin- und Mao-Zeit als ein einziges Blutbad projiziert. Warum wohl?