Rote Fahne 03/2018

Frauenpower kontra Trump

Über eine Million Frauen und Männer gingen am 20. Januar 2018 beim zweiten „Women’s March“ der US-Geschichte auf die Straße. Fast genau ein Jahr nach dem ersten und passend zu Trumps einjährigem Amtsjubiläum, das wegen des „Shutdown“ 1 ohnehin ins Wasser fiel

Von (ga/ms)
Frauenpower kontra Trump
Bild vom „Women’s Marsch“ 2018. Foto: Kyle K. Tsui

In rund 250 Städten fanden auch dieses Jahr wieder Protestaktionen statt. Viele Demonstrantinnen trugen die pinken Wollmützen mit Katzenohren („Pussy­hats“) – eine Anspielung auf herabwürdigende Äußerungen Trumps über Frauen. Sie sind zu einem Symbol der Frauenproteste gegen ihn geworden. Auf Plakaten standen Parolen wie „Kämpfe wie ein Mädchen“, „Immer noch nicht mein Präsident“ oder „We the people“. Im Zentrum standen Forderungen für Frauenrechte und gegen die frauenfeindliche Politik Trumps.

 

Die größte Demonstration fand in Los Angeles statt. Dort kamen rund 600.000 Menschen zusammen. In Chicago waren es bis zu 300.000, in New York 200.000. Der Frauenprotest verband sich mit zahlreichen anderen Anliegen im Kampf gegen Trumps ultrareaktionäre und faschistoide Politik.  Auch in anderen Ländern gab es wieder Solidaritätskundgebungen, in Deutschland unter anderem in Berlin, Hamburg und Heidelberg.

 

Am 21. Januar 2017 hatten weltweit Frauen beim ersten „Women’s March“ gegen Sexismus und Rassismus, für Frauenrechte und Befreiung der Frau demonstriert: in Neu-Delhi, Tokio, Beirut, Accra, Buenos Aires – in insgesamt 673 Städten. In den USA beteiligten sich zwischen vier und fünf Millionen Frauen und Männer. Es war die größte Manifestation in der Geschichte des Landes seit den Protesten gegen den Vietnam-Krieg.

 

Der breite Frauenprotest ermutigte auch viele andere Bewegungen. Seitdem reißen die Proteste gegen Trump nicht ab. Am 8. März 2017 riefen amerikanische Aktivistinnen dazu auf, den Internationalen Frauentag als Streiktag zu begehen. Sie beriefen sich dabei ausdrücklich auf die erfolgreichen Kämpfe der Frauen in Polen und Lateinamerika, die ebenfalls mit Streiks verbunden waren. An manchen Orten der USA gibt es wöchentliche „Widerstandstage“ unter der Parole „Frauenrechte sind Menschenrechte“.

 

Unter dem Eindruck des gewachsenen Frauenbewusstseins entstand auch die #MeToo-Bewegung, die verstärkt Frauen aus kleinbürgerlichen Zwischenschichten wie insbesondere aus dem Medienbussiness umfasst. Mehrere Größen der Filmbranche, aber auch Abgeordnete des US-Kongresses, mussten unter dem Druck von Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfen zurücktreten. Inzwischen wird es auch persönlich eng für Trump: 21 Frauen beschuldigen ihn der Belästigung und ebenfalls der Vergewaltigung.

 

Seit 2017 hat sich auch das Bewusstsein vieler Menschen weiterentwickelt. „Letztes Jahr war ich nur zornig. Dieses Jahr denke ich, dass wir auf lange Sicht wirklich etwas verändern können“, sagte eine Demonstrantin der New York Times.       

 

1 Schließung aller Ämter und Behörden nach dem Scheitern eines im US-Senat vorgelegten Übergangshaushalts