Rote Fahne 06/2018

Das Liquidatorentum des sogenannten „Kommunistischen Aufbau“

Ende 2014 trat in Köln erstmals der sogenannte „Kommunistische Aufbau“ in Erscheinung. In völliger Ignoranz des erfolgreichen Parteiaufbaus der MLPD seit 1982 posaunte er den Anspruch des Aufbaus einer neuen kommunistischen Partei heraus

Von Peter Weispfenning
Das Liquidatorentum des sogenannten „Kommunistischen Aufbau“
Bereits Lenin setzte sich in seiner berühmten Schrift „Der linke Radikalismus ...“ mit dem kleinbürgerlichen Revolutionarismus auseinander

In Gegensatz zu seiner politischen Bedeutungslosigkeit steht die Vehemenz seiner Verleumdungen gegen die MLPD. Er unterstellte Stefan Engel, dem langjährigen Vorsitzenden der MLPD und Leiter des theoretischen Organs Revolutionärer Weg, öffentlich (und anonym) Ende 2017 konterrevolutionäres Verhalten. Stefan Engel hätte auf dem Vereinigungsparteitag der Demokratischen Patriotischen Sozialistischen Partei Tunesiens (PPDS) 2016 die Genossen aufgefordert, „jetzt keine sozialistische Revolution zu versuchen, wenn man dazu die Möglichkeit hätte“ (Online-Veröffentlichung #10/11/17). Das war eine bewusst wahrheitswidrige Entstellung seiner Aussagen mit dem Zweck der Verleumdung der MLPD und von Stefan Engel.

 

Worum es wirklich ging, dazu schrieb die Vorsitzende der MLPD, Gabi Fechtner, im Dezember 2017 an den „Kommunistischen Aufbau“ unter anderem: „Stefan Engel bekräftigte die bedeutenden Kämpfe des tunesischen Volkes in der demokratischen Revolution und die Rolle der Revolutionäre unter schwersten Bedingungen. Er wies kritisch auf die Schwächen dieser Aufstandsbewegung hin, um Schlussfolgerungen anzuregen, wie eine künftige revolutionäre Situation und revolutionäre Gärung entschieden genutzt werden kann. Er ging auf die Auseinandersetzung in der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung ein, dass die jeweilige Strategie und Taktik aus der jeweiligen Etappe im Klassenkampf resultieren muss. Dabei betonte er selbstverständlich das Ziel des Sturzes des Imperialismus und der Errichtung der Diktatur des Proletariats in den einzelnen Ländern als Bestandteil der internationalen sozialistischen Revolution. In der Diskussion kritisierte Stefan Engel auch Erscheinungen des anarchistischen Revolutionarismus, der davon ausgeht, dass zu jeder Zeit eine revolutionäre Situation sei und man entsprechend zu jeder Zeit revolutionäre Aktionen starten könne und müsse – seien sie auch von den Massen isoliert. Die Kritik an dieser Richtung wird seit Marx und Engels, von Lenin und Stalin grundsätzlich geführt.“

 

Der „Kommunistische Aufbau“ behauptet, die MLPD würde eine gegen Lenin gerichtete „Etappentheorie“ verfolgen, die „die Revolution in eine fernere Zukunft verlegt“. In seinem Pseudo-Leninismus übersieht er geflissentlich, dass die Einteilung der Etappen der Revolution gerade auf Lenin zurückgeht. Als ob er den „Kommunistischen Aufbau“ gekannt hätte, schrieb Lenin: „Die ihrer Natur nach verschiedenen Etappen (der proletarischen Revolution – die Red.). streng unterscheiden, die Bedingungen, unter denen sie zurückgelegt werden, nüchtern untersuchen heißt keineswegs, die Verwirklichung des Endziels auf die lange Bank schieben …“ (Lenin, Werke, Bd. 8, S. 8) Von einer solch leninistischen Charakterisierung und Herangehensweise halten die Möchtegern-Theoretiker des „Kommunistischen Aufbau“ nicht viel. Letztlich halten sie an der anarchistischen „Hier und Jetzt“-Strategie der autonomen Bewegung fest.

 

Das strategische Ziel des Klassenkampfs der Arbeiterklasse in Deutschland ist die Eroberung der politischen Macht als Teil der internationalen sozialistischen Revolution. Auf dem Weg dorthin befindet sich der Klassenkampf in Deutschland aber noch in seiner ersten Etappe, der Etappe der nichtrevolutionären Situation. Entsprechend ist heute die entscheidende Aufgabe die Gewinnung der entscheidenden Mehrheit des internationalen Industrieproletariats in Deutschland für den echten Sozialismus und die Einbeziehung der breiten Massen in den Kampf gegen das internationale Finanzkapital und seine Regierung. Dazu muss man eine zähe, systematische Kleinarbeit organisieren, statt linkssektiererischer, von den Massen losgelöster Aktionen. Es war Lenin, der den kleinbürgerlichen Revolutionarismus völlig zu Recht als „lächerlicher, kindischer Unsinn“ (Lenin, Werke, Bd. 31, S. 34) brandmarkte.

 

Der Generalsekretär der PPDS Tunesiens, Mohamed Kahlaoui, wurde über die Behauptungen des „Kommunistischen Aufbaus“ informiert und nahm zu den Angriffen auf die MLPD und auf Stefan Engel unmissverständlich Stellung: „Im Namen der PPDS Tunesien verurteilen wir entschieden diese Angriffe, die wir als unsachlich und verleumderisch betrachten. … In unserer Partei haben wir großen Respekt vor der MLPD und Genossen Stefan Engel. Wir betrachten ihn als einen internationalen kommunistischen Führer, dessen Schriften und Kämpfe ein Beitrag zu den heutigen kommunistischen Kämpfen gegen Kapitalismus, Chauvinismus, Faschismus und kleinbürgerliche Linkspolitik darstellen. Unsere Partei schätzt die Beteiligung Stefans an unserem Kongress sehr hoch ein … Wir betrachten die MLPD und Stefan immer als echte Genossen und fordern eine objektive Kritik und theoretischen Kampf innerhalb von Strukturen, fordern, dass man Diffamierungen und subjektivistische Attacken gegen Kommunisten vermeidet.

 

Was den Gehalt dieses Auszugs betrifft, halten wir es für eine kleinbürgerlich linke, isolationistische Theorie, die unsere Partei entschieden bekämpft hat, und wir haben sogar eine Gruppe linker Anarchisten vor drei Jahren aus unserer Partei rausgeschmissen …“

 

Der sogenannte „Kommunistische Aufbau“ kam der Aufforderung zu einer öffentlichen Distanzierung und Entschuldigung nicht nach; erst am 24. Februar schrieb er einen kurzen Brief. Dabei ging er mit keinem Wort auf die Kritik ein, nannte nicht „Roß und Reiter“ der Verfasser und – und meinte auch noch, die MLPD an „elementare revolutionäre Prinzipien … erinnern“ zu müssen. Darauf antwortete Gabi Fechtner am 27. Februar 2018: „Aus der Anonymität Revolutionäre mit Dreck und Schmutz zu bewerfen – das widerspricht den ‚elementaren revolutionären Prinzipien‘ – und nicht etwa wenn man sich dagegen zur Wehr setzt. Ihr beschwert Euch, wenn Genossen von Euch auch nur namentlich genannt werden (sollten), aber darin, Stefan Engel namentlich, in der Öffentlichkeit und auf das Übelste zu verleumden, seht ihr kein Problem. Ihr stellt voll auf den Kopf, wer hier auf Grundlage revolutionärer Prinzipien arbeitet und wer nicht!“

 

Das Mitglied des „Kommunistischen Aufbau“, das in Tunis dabei war, sollte Flagge zeigen – und sich entweder gegen die Verleumdungen erklären oder aber als Verfasser der Diffamierungen zu erkennen geben.

 

Mit solchen Spaltern, Verleumdern und Liquidatoren kann es keine Zusammenarbeit geben.