Rote Fahne 06/2018

Solidarität mit Ken Jebsen? Nein, Danke!

Die Verleihung des „Kölner Karlspreises“ des Blogs Neue Rheinische Zeitung (NRhZ) am 14. Dezember 2017 sorgte innerhalb der Linkspartei, des Frei­denker-Verbands und darüber hinaus für Diskussionen und Streit

Von Bamberg (Korrespondenz)
Solidarität mit Ken Jebsen? Nein, Danke!
Montagsdemos nehmen Stellung gegen Pegida (Foto: RF)

Hintergrund ist die Kritik des Berliner Kultursenators Klaus Lederer (Linkspartei) an der Veranstaltung und sein Versuch, diese zu verhindern. Der sogenannte „Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik“ sollte an Ken Jebsen1 verliehen werden. Das ist natürlich nicht unumstritten, da Jebsen vor allem durch die „Friedens“-Montagsmahnwachen als Querfrontstratege bekannt wurde. Der Freidenker-Verband, einzelne „Journalisten“ und Mitglieder der Linkspartei forderten nun sogar die Solidarität mit Ken Jebsen. Auch Oskar Lafontaine (Linkspartei) verteidigte die Preisverleihung auf seiner Facebook-Seite damit, dass „Begriffe wie … Querfront … aus dem Arsenal der Geheimdienste“ stammten. Es ist freilich gut möglich, dass Geheimdienste dabei mitmischen. Aber die „Querfront“-Strategie ist nichts anderes als der Versuch rassistischer bis faschistischer Kräfte, auf kritische, antikapitalistisch denkende Menschen Einfluss zu nehmen – mit einer Variante der antikommunistischen „Rechts-Links“-Gleichsetzung.

 

Klaus Hartmann, Vorsitzender des Freidenker-Verbands und DKP-Mitglied, versteift sich darauf, das Wort „Querfront“ als Unwort des Jahres zu etablieren. So gab er dazu RT-Deutschland (einem russischen staatstreuen Medium) ein Interview, in dem er erklärt, dass die neueste Variante des Querfront-Vorwurfs Leute trifft, die für die „Freundschaft mit Russland eintreten oder sich für Frieden engagieren, ohne weitergehende politische Konzepte im Kopf zu haben“.²

 

Konzept der „Friedens“mahnwachen

 

Die dominierenden Kräfte der „Friedens“mahnwachen hatten allerdings sehr wohl weitergehende politische Konzepte. So wurden schon auf den ersten Mahnwachen Verschwörungstheorien in den Mittelpunkt gestellt, zum Beispiel dass „die FED (Federal Reserve System, Zentralbank-System der USA) Schuld ist an allen Kriegen der letzten hundert Jahre“. Gerade in der „Freundschaft mit Russland“ können sich Leute wie Hartmann mit Querfront-Strategen wie Ken Jebsen einigen, denn für ihn gibt es nur einen Kriegstreiber: die USA oder eher die dortige „jüdische Machtelite“. Dieser Zusammenschluss ist für die Friedensbewegung kein Gewinn an „Breite“, wie es Hartmann definiert, sondern schadet ihr, schränkt sie ein und macht sie zum Bündnispartner von Imperialisten.

 

Jebsen erklärt die Querfront zwischen rechts und links offen zu seinem Ziel: „Ich will, dass beide ‚Lager‘ erkennen, dass sie extreme Schnittmengen haben.“³ Er greift rhetorisch gewandt verschiedene Machenschaften und Verbrechen von Konzernen und Regierungen an. Sein „Antikapitalismus“ ist allerdings geprägt von antisemitisch gefärbten Verschwörungstheorien. Er geht von einer unsichtbaren Weltregierung aus und schreibt die Krisen und Kriege auf der Welt nicht den gesellschaftlichen Verhältnissen, dem Kapitalismus zu, sondern bestimmten „Machteliten“ mit ihrem „Geldsystem“. In manchen Videos wird er auch direkter und sagt zum Beispiel, diese seien vor allem im amerikanischen Bankenwesen zu finden und dieses Bankenwesen würde ja bekanntlich von Juden dominiert.

 

Falsche Bündnispartner

 

Leute wie Jebsen sind also definitiv die falschen Bündnispartner – denn sie nutzen den Herrschenden, um das antikapitalistische Bewusstsein der Menschen auf rassistische und antisemitische Bahnen zu lenken. Wer für Frieden und eine bessere Welt kämpfen will, darf sich von solchen Kräften auf keinen Fall vereinnahmen lassen.