Rote Fahne 08/2018

Zum Tod von Stephen Hawking – eine kritische Würdigung

Am 14. März 2018 starb der britische ­Physiker Stephen W. Hawking im Alter von 76 Jahren

Von Christian Jooß
Zum Tod von Stephen Hawking – eine kritische Würdigung
Unendliches Universum. Foto: Miriam Espacio / CC0

Mit 21 Jahren wurde bei Stephen Hawking eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems (ALS) festgestellt, mit der Prognose, nur noch wenige Jahre zu leben. Seit 1968 war er an den Rollstuhl gefesselt und im Jahr 1985 verlor er die Fähigkeit, zu sprechen. Ausdauer und Lebensmut, trotz der schweren Krankheit als Wissenschaftler weiter zu arbeiten und sich an kontroversen Diskussionen über Kosmologie zu beteiligen, haben ihm große Anerkennung gebracht.

 

Im Jahr 1981 kritisierte Hawking auf einer Kosmologie-Tagung im Vatikan die offen religiöse Variante der Urknalltheorie: „Wenn das Universum einen Anfang hatte, können wir von der Annahme ausgehen, dass es durch einen Schöpfer geschaffen worden sei. Doch wenn das Universum wirklich völlig in sich selbst abgeschlossen ist, wenn es wirklich keine Grenze und keinen Rand hat, dann hätte es auch weder einen Anfang noch ein Ende; es würde einfach sein. Wo wäre dann noch Raum für einen Schöpfer?“ Diese Kritik machte ihn weltweit bekannt. Er hielt jedoch an der idealistischen Vorstellung einer „vierdimensionalen gekrümmten Raumzeit“ fest: Vor dem Urknall könnte man nicht weiter rückwärts in der Zeit gehen, so wie man vom Nordpol der Erde nicht weiter nach Norden gehen kann. Seither wurde er in den Massenmedien immer mehr zu einer Physik-Ikone aufgebauscht, die das idealistische Weltbild des Kosmos populär verbreitete.

 

Einen wichtigen Beitrag hat Stephen Hawking zur Kritik der Theorie der „schwarzen Löcher“ geleistet. Diese Objekte wurden Ende der 1920er-Jahre von dem indischen Astrophysiker Chandrasekhar theoretisch vorhergesagt. Er untersuchte, wie sterbende Sterne unter ihrer eigenen Gravitation kollabieren, wenn der Strahlungsdruck des Lichts aus den Kernumwandlungen nachlässt. Mit zunehmender Masse treten zwei qualitativ neue Stufen von ultradichter Materie auf: Neutronensterne und „Schwarze Löcher“. Beide neue Stufen der hochdichten Materie sind heute durch Beobachtungen bestätigt. In Neutronensternen wiegt ein Fingerhut dieser Materie tausend Tonnen. In „schwarzen Löchern“ wird die Gravitation so stark, dass kein Licht mehr entweichen kann.   

 

Hawking zeigte nun auf, dass „schwarze Löcher“ strahlen können und kein absolutes Ende der Entwicklung von Sternen sind. Solche extrem massereichen Objekte findet man im Zentrum von Galaxien. Sie sind nicht dauerhaft schwarz, sondern können aktive Zustände einnehmen, in denen sie gewaltigen Mengen an Strahlung, sowie Wasserstoff und Helium ausspeien. Heute können solche Objekte sogar durch Gravitationswellen nachgewiesen werden. In meinem Buch „Selbstorganisation der Materie“ wird eine grundsätzliche Kritik an dem herrschenden naividealistischen Bild von „schwarzen Löchern“ als Raum-Zeit-Singularitäten1 entwickelt. Als qualitativ neue ultrakompakte Materiezustände können sie die Ursache ihrer Entstehung durch Gravitation aufheben, und dadurch Elementarteilchen aus Umwandlungsprozessen im Äther ausspuken. Sie nehmen dadurch eine wichtige Rolle in der spiralförmigen Entwicklung der Materieformen im Kosmos ein. Solch eine grundsätzliche Kritik des Idealismus in der Physik basierend auf Beobachtungen waren dem Theoretiker Hawking jedoch fremd.

 

Stephen Hawking warnte in den letzten Jahren zunehmend vor den möglichen Untergang der Menschheit durch Atomkriege, automatisierte Waffen oder Umweltkatastrophen. Auch wenn er die Ursachen in der Destruktivität des imperialistischen Weltsystems nicht erkannte, zeigt das sein kritisches Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft der menschlichen Gesellschaft.

 

1 eindimensional, ohne Ausdehnung in Raum und Zeit