Rote Fahne 11/2018

Die „Osmanen Germania“ – kriminelle Rocker

Seit dem 26. März 2018 stehen in Stuttgart-Stammheim acht Mitglieder der türkischen Rockergang Osmanen Germania vor Gericht

Von (gös)
Die „Osmanen Germania“ – kriminelle Rocker
Külünk (AKP) zwischen zwei „Osmanen“: traute Eintracht. Foto: ANF

Den Angeklagten – unter ihnen der Weltpräsident und der Weltvizepräsident – werden versuchter Mord, versuchter Tot­schlag, gefährliche Körperverletzung, räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung wie auch diverse Drogen- und Waffendelikte vorgeworfen. Einer der Angeklagten habe ein Mitglied der Osmanen tagelang gefoltert, weil er die Jagd auf Kurden nicht mehr mitmachen wollte.1

 

Hochkriminelles Netzwerk

 

Die Osmanen sind Teil eines hochkriminel­len Netzwerks. Bereits kurz nach ihrer Gründung 2016 hatten sie mehr als 2000 Mitglieder. Im selben Jahr nahm die deutsche Polizei den Vizepräsidenten wegen Drogenhandels fest und verhaftete mehrere Personen in sechs Bundesländern wegen illegalen Waffen- und Munitionsbesitzes. Einige von ihnen standen im Verdacht, an einem Handgranaten-Anschlag gegen die zum Teil auch fortschrittlich in Erscheinung getretene kurdische Rockergruppe „Bahoz“ beteiligt gewesen zu sein. Mehrmals floss Geld für Waffenkäufe an die Osmanen durch den türkischen AKP-Abgeordneten und guten Freund von Erdogan, Mevit Külünk – einmal 20 000 Euro. Vor dem missglückten Militärputsch 2016 sollte Külünk wegen Verbindungen zur organisierten Kriminalität in der Türkei vor Gericht gestellt werden. Allerdings wurde mit der Errichtung der faschistischen Diktatur in der Türkei das Verfahren gegen ihn eingestellt, und der leitende Staatsanwalt landete wegen angeblichem Verrats im Gefängnis.

 

Hier in Deutschland machen die Osmanen Jagd auf „Terroristen“, wie sie und türkische Massenmedien kurdische Befreiungskämpfer sowie Erdogan-Kritiker bezeichnen. Zum Teil in direkter Absprache mit Erdogan, haben sie im Jahr 2016 Demonstrationen gegen die „Armenien-Resolution“2 der Bundesregierung organisiert.

 

Gute Kontakte haben die Osmanen auch zum AKP-Abgeordneten Ilnur Cevik, der ihre angeblichen Boxkurse für Jugendliche lobte. Allerdings ist weit und breit von einem Boxclub nichts zu sehen. Gute Verbindungen gibt es auch zur „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“, einem Sprachrohr der AKP in mehreren europäischen Ländern. Sie beauftragte die Osmanen 2016, den ZDF-Moderator Böhmermann nach seinem Schmähgedicht auf Erdogan zu bestrafen. „Onkels“ – so heißen türkische Spitzel bei der deutschen Polizei – sollten Böhmermanns Adresse herausfinden. Vorübergehend musste sich der Moderator ins Ausland absetzen.3

 

Bundesregierung schweigt

 

Die Bundesregierung gibt laut einer Anfrage der Grünen zu, die kriminellen Umtriebe der Osmanen nie gegenüber der Türkei erwähnt zu haben. Und das, obwohl die Bundesregierung informiert ist: sowohl aufgrund abgehörter Telefonate als auch aufgrund „operativen Informa­tions­austausches“ vom 17. April 2017. Bei letzterem hat der Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ über das Treiben der Osmanen berichtet.4 Der Verdacht liegt nahe, dass die Bundesregierung wegen ihrer guten Beziehungen zum faschistischen Erdogan-Regime schweigt.

 

Die verbrecherischen Machenschaften der kriminellen Vereinigung Osmanen müssen lückenlos aufgeklärt werden. Sie gehören verboten und sie und ihre Hintermänner angemessen bestraft.           

 

1 „Mutmaßlicher Führer der „Osmanen Germania“ vor Gericht“; „Zeit online, 6. 3. 2018;

2 Am 2. 6. 16 hatte der deutsche Bundestag die ab 1915 von der damaligen osmanischen Regierung an den Armeniern begangenen Massaker als Völkermord eingestuft. Nach Protesten Erdogans distanzierte sich die Bundesregierung davon und erklärte die Resolution als „juristisch nicht bindend“;

3 „Erdogans gefährliches Netzwerk in Deutschland“, Telepolis, 20.12.2017;

4 „Regierung schweigt, Özdemir spricht von einem Skandal“, Stuttgarter Nachrichten, 23. 4. 2018