Rote Fahne 15/2018

Michael und die Jugend- und Auszubildendenvertretung

Michael ist Auszubildender im zweiten Lehrjahr in einem Großbetrieb. In seinem Betrieb gibt es eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). Nicht so bei seinem Freund Hubert

Von (Korrespondenz)
Michael und die Jugend- und Auszubildendenvertretung
Opel Eisenach – die Jugendvertretung ruft die Azubis zu einer Aktion gegen die Schließung der Lehrwerkstatt auf. Foto: RF

Hubert arbeitet in einem größeren Handwerksbetrieb. „JAV, was ist das denn?“ fragt er. Michael erklärt: „Die Jugendvertreter sind unsere Sprecher gegenüber dem Betriebsrat und der Geschäftsführung. Sie werden alle zwei Jahre gewählt. Allerdings nur, wenn es einen Betriebsrat und mindestens fünf junge Beschäftigte unter 18 Jahren oder Auszubildende gibt. Die nächsten Wahlen finden vom 1. Oktober bis zum 30. November statt.

 

Oft sind es Kleinigkeiten wie Stress mit dem Ausbilder – aber es geht auch um größere Dinge, für die wir die Jugendvertretung brauchen. Letztes Jahr wollte der Betrieb nicht alle Azubis nach der Ausbildung übernehmen. Da haben wir dann die Jugendvertretung aufgefordert, gemeinsam mit dem Betriebsrat unsere Forderungen gegenüber der Geschäftsführung zu vertreten. Als das nichts genutzt hat, haben wir uns mit älteren Kollegen beraten, die dann unsere Forderung unterstützten. Gemeinsam haben wir Azubis dann mit Kolleginnen und Kollegen der Produktion eine Protestversammlung vor der Verwaltung durchgeführt – damit hatten wir Erfolg! Das ist eigentlich nach dem Betriebsverfassungsgesetz gar nicht vorgesehen. Danach soll der Betriebsrat ‚vertrauensvoll‘ mit der Geschäftsführung zusammenarbeiten, und Arbeitsniederlegungen sind erst recht nicht vorgesehen. Aber was wollen die da oben machen, wenn wir alle zusammenhalten? Deshalb braucht man zum Kämpfen starke Gewerkschaften.“

 

Das leuchtet Hubert ein. Er überlegt sich, in die Gewerkschaft einzutreten, „mal als ersten Schritt“. In Michaels Betrieb starten die Vorbereitungen für die JAV-Wahlen nach dem Ende der Sommerferien.1 Er denkt darüber nach, ob er für die JAV kandidiert. „Ich weiß aber nicht, ob ich mir das zutraue, die ganzen Paragrafen und der Ärger.“ Zum Glück hat Michael im Betrieb Rainer, einen älteren Kollegen, kennengelernt.

 

Rainer ist Michael schon bei einigen Belegschaftsversammlungen aufgefallen – Rainer nimmt kein Blatt vor den Mund. Er kritisiert nicht nur die Geschäftsführung, sondern auch die Regierung. „Das hat System“, sagt er immer. Das passt vor allem der Geschäftsführung überhaupt nicht. Rainer sagt, wir Arbeiter müssen zusammenhalten, der Kapitalismus bietet uns keine Zukunft. Deshalb ist er bei manchen als „Roter“ verschrien. Das versteht Michael nicht. „Man muss sich doch Gedanken über die Zukunft machen, wenn man sieht, wie viel hier schief läuft!“

 

Über Rainer hat Michael auch den REBELL kennengelernt, die Jugendorganisation der MLPD. Auch wenn er zum Sozialismus noch viele Fragen hat, der Zusammenhalt, der kämpferische und solidarische Geist und die Begeisterung für den Sozialismus gefallen Michael. Die Rebellen seiner Gruppe machen ihm Mut, für die JAV zu kandidieren. Sie versprechen ihm: „Im REBELL bekommst du den Rückhalt und von der MLPD die Ausbildung für deine Arbeit.“ Sollte er gewählt werden, will Michael Jugendvertrauensleute aufbauen und Azubis überzeugen, sich im REBELL zu organisieren.    

 

Wir freuen uns über weitere Zuschriften zur Vorbereitung der JAV-Wahlen.

 

1 Weitere Infos unter www.jav-portal.de