Rote Fahne 20/2018

Große Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit bei den Kali-Kumpeln

In den Ausläufern von Thüringer Wald und Hessischer Rhön liegt das Abbaurevier von K+S  (1). Das Verbundwerk Werra mit seinen Standorten Hattorf und Wintershall (Hessen) sowie Unterbreizbach und Merkers (Thüringen) hat rund 4100 Beschäftigte plus 300 Azubis

Von Kassel (Korrespondenz)
Große Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit bei den Kali-Kumpeln
Der Kali- und Salzabbau dominiert die ganze Region – wirtschaftlich und durch die Abraumhalden. RF-Foto

Die Schächte sind eingebettet in das Werratal und in einige ihrer Nebentäler, inmitten einer reizvollen Mittelgebirgslandschaft. Die beiden riesigen Steinsalzhalden an den Standorten Hattorf und Wintershall prägen die Landschaft und sind schon von Weitem sichtbar.

 
Der Untertageverbund in einer Tiefe von 800 bis 1000 Metern erstreckt sich über eine Fläche von München plus Vororten, und das auf zwei Etagen. Neben Düngemitteln werden hier Vorprodukte für vielfältige technische und industrielle Anwendungen sowie für die Pharma-, Lebensmittel- und Futtermittelindus­trie hergestellt. Durch Nassverarbeitung und Aufhaldung entstehen Salzlaugen, die entweder unter Tage verpresst, in die Werra geleitet oder mit Waggons in stillgelegte Bergwerke entsorgt werden. Dabei wird die anhaltende Vergiftung von Werra, Weser und Grundwasser billigend in Kauf genommen.

 
Angereist aus Gelsenkirchen und Kassel, haben wir am 15. September einen Einsatz zum Aufbau der MLPD auf der thüringischen Seite des früheren Grenzgebiets durchgeführt. Wir traten an vier Werkstoren auf und führten Hausbesuche bei Bergleuten und ihren Familien durch. Dabei luden wir zur Veranstaltung am 6. Oktober in Gelsenkirchen zum großen Bergarbeiterstreik 1997 ein – in Verbindung mit der Knüpfung längerfristiger Verbindungen zum Aufbau einer MLPD-Ortsgruppe.

 
Die Schließung der letzten beiden Steinkohlezechen ist Thema bei den Kali-Kumpeln. Zwar herrscht die Meinung vor, man hätte schon früher mit der Unterschriftensammlung und Kampfmaßnahmen beginnen sollen. Dennoch war für sie die Unterschrift als Akt der Solidarität selbstverständlich. Dass Kohle zum Verbrennen viel zu schade ist, dass die Flutung der Zechen verhindert werden muss, darin war man sich einig.

 
Die Gespräche waren von einer großen Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit geprägt. Bei jedem spielt die Frage des Erhalts der Arbeitsplätze und des Schutzes der natürlichen Lebensgrundlagen eine Rolle. Sie fühlen sich verantwortlich für den Schutz der Umwelt im Revier, für die Zukunft der Jugend. Die Kritik an der IGBCE-Führung und ihren Betriebsräten ist groß. Mehrere Bergleute wollen in Kontakt bleiben. Ein wichtiger Erfolg!

 
(1) Früher Kali und Salz AG, größter Salzproduzent der Welt