Rote Fahne 11/2022

Rote Fahne 11/2022

Absurde Geschichtsfälschung des Historikers Herfried Münkler

In ganz besonderer Weise fördert das als „links“ geltende Blatt taz seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine den NATO-Kriegskurs und drängt die Bundesregierung zu Waffenlieferungen

Von (dk)
Absurde Geschichtsfälschung des Historikers Herfried Münkler
Die polnische Stadt Wielu´n nach der Bombardierung der deutschen Luftwaffe am 1. September 1939, dem ersten Tag des Zweiten Weltkriegs. Bei insgesamt drei Bombenangriffen im Lauf des Tages starben bis zu 1200 der damals etwa 16 000 Einwohner. Foto: gemeinfrei

In der Wochenendausgabe vom 14. / 15. Mai räumte sie dazu dem emeritierten Professor für politische Theorie, Herfried Münkler, umfangreichen Platz ein. Dieser wurde mit Titeln wie „Der Dreißigjährige Krieg“ oder „Die neuen Kriege“ bekannt und war während seiner Lehrtätigkeit an der Humboldt-Universität Berlin Mitglied des Beirats der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Dabei unterstützte er die imperialistische Außenpolitik unter anderem durch Studien für das Außenministerium.

 

2015 geriet er dabei in die Kritik seiner Studenten und wurde in der Presse als Opfer linker Machenschaften bedauert. Heute wendet er sich in der taz gegen die Warnung der Friedenskämpfer vor einem Atomkrieg, indem er sie als taktisches Manöver des russischen Außenministers diffamiert.

 

Hinterhältig polemisiert er gegen den von Alice Schwarzer und 27 weiteren Intellektuellen verfassten offenen Brief an die Bundesregierung, keine schweren Waffen an die Ukraine zu liefern: „Der Ukraine Waffen zu liefern hat nichts davon, schlafwandelnd in einen Weltkrieg zu gleiten.“

 

Um dies zu rechtfertigen, verdreht er in absurder Weise die historische Wirklichkeit und behauptet freiweg: „1939 begann der Zweite Weltkrieg, weil Polen sich anders als die Tschechen gegen Hitler verteidigte und Polens Garantiemächte Frankreich und England gegen Deutschland in den Krieg eintraten. … Alice Schwarzer und die Mitunterzeichner … hätten den Polen also geraten, sich lieber nicht zu verteidigen, um Tote und eine Eskalation zu vermeiden.“

 

Unterstützung des Kurses der NATO

 

Nicht in den Revanchegelüsten und Weltmachtambitionen des deutschen Imperialismus hätte demnach die Ursache des Zweiten Weltkriegs gelegen?!

Nicht der Überfall der Hitlertruppen auf Polen markierte seinen Beginn, sondern die Gegenwehr der Polen und das Eingreifen ihrer Verbündeten?!

Mit solchen Verdrehungen soll die Kriegsführung der Ukraine auf Seiten der NATO gebilligt und als geboten unterstützt werden. „Das Fernsehen fokussiert sich auf Opfer“, doziert Münkler. „Die Moralisierung des Geschehens birgt die Gefahr, einen kühnen, analytischen Blick auf die Konstellation zu verlieren.“

Der kriegstreiberische Rat des Herrn Professors lautet also: Schluss mit dem feigen Moralisieren, kühn in den Krieg gezogen!